Indiens Regierung hat die eigene Luftfahrtsicherheitsbehörde Directorate General of Civil Aviation (DGCA) gerügt, weil diese nicht ausreichend verhindert habe, dass Mitarbeiter ihren Einfluss zugunsten von Jobs für Familienangehörige in der Luftfahrtbranche nutzen. Auch die verzögerte Offenlegung solcher Beschäftigungsverhältnisse wird der Behörde vorgeworfen. Das geht aus Regierungsdokumenten hervor, die "Reuters" einsehen konnte.
Demnach hat Indiens Zivilluftfahrtministerium die DGCA seit Mitte 2025 wiederholt wegen des Umgangs mit Interessenkonflikten im Zusammenhang mit Verwandten von Behördenmitarbeitern bei Airlines konfrontiert. Ein Fall habe dabei auch Air India betroffen.
Ein DGCA-Dokument vom Januar fasst die Bedenken des Ministeriums zusammen: "Die DGCA war nicht in der Lage, den möglichen Einfluss ihrer Mitarbeiter auf die Anstellung oder Vermittlung von Verwandten, Familienangehörigen oder Angehörigen wirksam zu verhindern oder zu steuern." Ob das Ministerium weitere Schritte plant, geht aus den Dokumenten nicht hervor.
Nach den Unterlagen hatten mit Stand 31. Januar dieses Jahres 51 DGCA-Mitarbeiter insgesamt 59 in der Branche beschäftigte Verwandte offengelegt. Ein Jahr zuvor waren es 33 Mitarbeiter mit 41 offengelegten Verwandten gewesen. Die betroffenen Angehörigen arbeiteten unter anderem bei Indigo, Air India, Akasa Air und Airbus India sowie bei Flugschulen und Flughafenbetreibern.
Behörde unter zusätzlichem Druck
Die Vorwürfe treffen die DGCA zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Behörde beaufsichtigt einen der am schnellsten wachsenden Luftfahrtmärkte der Welt und kämpft zugleich mit Personalmangel – nach einem Jahr verschärfter Kontrolle infolge des Absturzes einer Air-India-Boeing-787-Dreamliner, weiterer Sicherheitsmängel bei Air India sowie Betriebsstörungen bei Indiens größter Airline Indigo.
Zusätzlich läuft gegen die DGCA eine Ermittlung der Bundespolizei, nachdem einem ihrer Mitarbeiter Bestechlichkeit vorgeworfen wurde. In den kommenden Monaten steht zudem eine turnusmäßige Sicherheitsprüfung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA an.
Ministerium, DGCA und die betroffenen Unternehmen reagierten nicht auf Anfragen von Reuters zur Stellungnahme.