Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Zudem will die Gewerkschaft in der Tarifrunde für die größte deutsche Industriebranche eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in "Boom-Unternehmen" durchsetzen – unter anderem in der Luft- und Raumfahrtindustrie.
"Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen", sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner in Frankfurt. "Statt Krisenrhetorik, Angriffen auf soziale Standards und Schwarzmalerei erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen."
Der neue Tarifvertrag soll nach Vorstellung der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.
Außerdem will sie über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln. Benner wandte sich entschieden gegen drohende Werkschließungen oder Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit. "Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Management-Versagen akzeptieren wir nicht." Ein Angriff auf die 35-Stunden-Woche sei "nicht akzeptabel".
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall entgegnete, viele Unternehmen könnten in Deutschland nicht mehr rentabel wirtschaften. Es gebe nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln, sagte Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter. "Für zu viele unserer Unternehmen geht es um ihre Existenz. Jetzt muss es darum gehen, Kosten zu senken und den Standort zu retten." Die IG Metall ignoriere die Dimension und Tiefe der Krise.
Erste Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden auf regionaler Ebene sind ab dem 7. Oktober geplant. Die aktuellen Tarifverträge laufen zum 31. Oktober aus. Danach sind sofort auch Warnstreiks möglich, weil in dieser Runde auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet worden ist.
Geteilte Lage in den Branchen
Erschwert werden die Tarifverhandlungen dadurch, dass die Lage in der Metall- und Elektroindustrie geteilt ist. Während die Autobranche tief in der Krise steckt und der Maschinenbau angeschlagen ist, laufen die Geschäfte in der Elektroindustrie gut. Der sonstige Fahrzeugbau erlebt mit den Staatsausgaben für Rüstung eine Sonderkonjunktur. Gut geht es nach Angaben der IG Metall auch Betrieben der Medizintechnik und der Luft- und Raumfahrt.
"Metall und Elektro ist mehr als Autoindustrie", sagte Benner. Die Lage sei besser, als die Arbeitgeber sie darstellten. Die Forderung der IG Metall biete genug Spielraum, um zu differenzieren.
IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski sagte, die Beschäftigten spürten steigende Lebenshaltungskosten, daher brauche es eine spürbare Entgelterhöhung. "Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft", sagte Boguslawski. Das stütze auch die Binnenkonjunktur.
Streit um die 35-Stunden-Woche
Für Empörung sorgen bei der IG Metall etwa Forderungen bei Mercedes-Benz nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Man akzeptiere keine Angriffe auf die 35-Stunden-Woche als gewerkschaftliche Errungenschaft, sagte Benner in Frankfurt. "Die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet." Tarifvorständin Boguslawski sagte, sollten die Arbeitgeber den Manteltarifvertrag kündigen, wäre das eine "Kriegserklärung".
Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Martin Brudermüller hatte zuvor die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angeregt – für dasselbe Gehalt. In der deutschen Autoindustrie ist bei tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht. Mercedes-Benz hat mit der Schließung von zwei Werken in Deutschland gedroht, sollten die Kosten nicht sinken.
In der vorherigen Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie 2024 hatte die IG Metall sieben Prozent mehr Geld gefordert und ein Plus von 5,1 Prozent in zwei Schritten erreicht. Damals waren die Zeiten aber in den großen Branchen besser.