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Der 21-jährige Charles Bahr, Schulabbrecher, Influencer und Gründer einer Generation-Z-Beratung, befindet sich derzeit in einem ungewöhnlichen Rechtsstreit mit Carsten Spohr, dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa Group.
Wie die zum Springer Verlag gehörenden "Business Insider" und "Bild" berichten, soll Bahr von einem Sicherheitsmitarbeiter der Lufthansa angezeigt worden sein.
Dem Vorwurf zufolge soll Bahr Spohr bedroht haben. Dabei soll der bekennende Lufthansa-Fan Bahr dem Lufthansa-Manager auf mindestens einem Flug mehr als einmal angesprochen haben und Selfies mit seinem CEO-Vorbild verlangt haben.
Da sich Spohr weigerte, fabrizierte der Jungunternehmer kurzerhand einen Pappaufsteller mit dem Konterfei des Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden und fotografierte sein Foto mit Spohr einfach selbst, um es auf Social Media zu posten.
In dem mittlerweile gelöschten Posting soll Vielflieger Bahr seine Unzufriedenheit über die Unnahbarkeit des MDax-Managers kundgetan haben. Der Beitrag soll dann viral gegangen sein, was angeblich den Lufthansa-Chef dazu veranlasst haben soll, gerichtlich gegen Bahr vorzugehen.
Nun beschuldigt Bahr den Sicherheitschef Spohrs, ihm damit gedroht zu haben, seine Karriere zu ruinieren und ihn auf die Lufthansa-Blacklist zu setzen.
Versucht Lufthansa wirklich, einen 21-jährigen Influencer einzuschüchtern? Lufthansa selbst will auf Nachfrage keine Stellungnahme zu den Gerüchten abgegeben, dementiert den Vorfall aber auch nicht.
Doch wer ist der Influencer, der angeblich dem Lufthansa-Group-Vorstand nachgestellt hat und der dem Konzern offenbar so viel Sorge macht, dass ein Sicherheitsmitarbeiter zu einer Gefährderansprache losgeschickt und Anzeige erstattet wurde?
Wer ist Charles Bahr?
Charles Bahr gründete den Medienberichten zufolge im Alter von 14 Jahren sein erstes Unternehmen und verließ mit 16 Jahren die Schule. Nach einer kurzen Tätigkeit bei Tik Tok, die vom chinesischen Konzern beendet wurde, widmet er sich seit einigen Monaten seiner neuen Gen-Z-Beratung ZCG und tritt als deren "CEO" auf.
ZCG steht Angaben zufolge für "Z Consulting Group". Laut eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeiter und hat es sich zum Ziel gesetzt, etablierten Unternehmen beim Onboarding der nächsten Manager-Generation zu helfen.
Das Unternehmen sollte man aber tunlichst nicht mit der New Yorker Assent-Managementbank ZCG verwechseln – und auch nicht mit der Z-Consulting GmbH, einer deutschen Beratungsgesellschaft mit 30-jähriger Erfahrung im IT-Management, die man beide zuerst findet, wenn man ZCG googelt.
Im Netz präsentiert sich das Unternehmen von Bahr mit einem einfachen One-Pager unter www.zcg.consulting. Laut Impressum ist aber nicht Bahr Geschäftsführer der "ZCG UG in Gründung", sondern Talsia Faust, die zuvor einen Online-Nachhilfeanbieter mit der Fokussierung auf Mathe-Abi-Prüfungshilfe gegründet hat und eigenen Angaben zufolge über einen Business-Bachelor-Abschluss der Uni Maastricht verfügt.
CEO ist die Abkürzung für "Chief Executive Officer". Im deutschsprachigen Raum ist das gleichzusetzen mit "geschäftsführendes Vorstandsmitglied" oder schlicht "Geschäftsführer". Der Begriff ist hierzulande aber nicht rechtlich festgeschrieben, wie etwa im angelsächsischen Bereich.
Darauf angesprochen, schickt Bahr airliners.de folgendes Statement: "Bei ZCG setzen wir oft auf Kompetenzhierarchie, um die diversen Talente innerhalb unseres Teams optimal einzusetzen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mich innerhalb meiner Arbeit auf die Leitung unseres operativen Geschäftes und die strategische Weiterentwicklung konzentrieren darf - und sehr dankbar über die Erfahrungswerte und Unterstützung unserer Geschäftsführerin bei administrativen Tätigkeiten."
Aktuell versucht der Jungunternehmer ganz offensichtlich, von dem Vorfall zu profitieren, in dem er die Nähe zur Springer-Presse sucht und auch über die eigenen Kanäle intensiv über das Thema kommuniziert.
Dabei wird die Geschichte, die angeblich mit einer einfachen Selfie-Anfrage bei einem Zufallstreffen begonnen haben soll, immer seltsamer. So soll die Mutter von einem Piloten gehört haben, dass Bahr Flugverbot bekommen soll. Über eine Flugbegleiterin soll es dann zu dem Treffen mit dem Sicherheitsmitarbeiter gekommen sein. Zudem geht es um angebliche Chats mit der Flugbegleiterin, die Bahr aber nicht "verifizieren" kann. Seltsam.
Was ist dran am Gerücht?
Was wirklich geschehen ist, wissen wohl nur Bahr, Spohr und die Lufthansa-Sicherheitsabteilung. Fest steht: Anders als Carsten Spohr, der wirklich CEO eines internationalen Großkonzerns ist, scheint der jugendliche Berater mit seinem CEO-Status zumindest etwas zu übertreiben.
Jedem sollte klar sein, dass Personen des öffentlichen Interesses – und dazu gehören Vorstände großer Unternehmen – andere Sicherheitsbedürfnisse haben, als "Normalos", zu denen auch der Influencer Charles Bahr gehört, ob ihm das nun gefällt oder nicht.
Darum gibt es für Vorstände wie Carsten Spohr spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Firmen wechseln beispielsweise die Nummernschilder von Vorstandsfahrzeugen regelmäßig. Zudem ist wichtig, dass Reisepläne nicht detailliert bekannt werden.
Das Risiko ist für solche Menschen zu hoch, auf echte Verbrecher, gefährliche Aktivisten oder einfach nur auf verrückte Stalker zu treffen, die einem Idol nachstellen.
Wie oft Bahr angeblich zufällig auf sein "großes Vorbild" Spohr getroffen ist und wie penetrant er sich ihm genähert hat, ist unklar. Gegenüber airliners.de sagt Bahr: "Ich hatte ausschließlich eine Konversation mit Herrn Spohr an Bord. Dabei habe ich ihn sehr zurückhaltend angesprochen, und gab mich als sehr treuer Kunde der Lufthansa zu erkennen. Beim Aussteigen fragte ich ihn nach einem Selfie - was leider auf Desinteresse seinerseits stoß."
Man sollte aber wissen, dass die Vorfälle in eine Zeit fallen, in der eine Sicherheitslücke im Boardingpass-System der Lufthansa es im Wesentlichen jedem ermöglichten, Reisedaten von jedem einzusehen.
Es reichte der QR-Code eines Boarding-Passes um sich einzuloggen und Daten zu Reisen, Handynummern und weitere persönliche Daten abzurufen. Ein Hacker musste man dafür nicht sein.