Finnair-Vorstandsvorsitzender Turkka Kuusisto hat den anhaltenden Zugang chinesischer Fluggesellschaften zum russischen Luftraum als "extrem unfair" kritisiert. Der Zugang verschaffe chinesischen Airlines einen Wettbewerbsvorteil gegenüber westlichen Carriern, die seit der Sperrung des russischen Luftraums auf Umwege angewiesen seien.
Chinesische Fluggesellschaften bauten ihre Kapazitäten zwischen Europa und China weiter aus und profitierten dabei von kürzeren Flugzeiten durch den russischen Luftraum, sagte Kuusisto gegenüber Journalisten im New Yorker Büro des Unternehmens.
Finnair hatte lange von der Nähe Helsinkis zu Asien profitiert und darüber die kürzesten Verbindungen zwischen Europa und Städten wie Peking, Shanghai und Tokio angeboten. Seit dem Wegfall des russischen Luftraums musste die Airline Flüge umleiten und Kapazitäten neu verteilen, während die chinesische Konkurrenz ihren Kosten- und Zeitvorteil behielt.
"Meiner Meinung nach ist das ein extrem unfaires und ungleiches Wettbewerbsumfeld", sagte Kuusisto.
Ein Flug von Shanghai nach Helsinki dauere inzwischen mehr als zwölf Stunden, sagte Kuusisto. Mit Zugang zum russischen Luftraum habe die Strecke rund acht Stunden gedauert.
Auch Golf-Carrier setzen Finnair zu
Neben der chinesischen Konkurrenz wächst laut Kuusisto auch der Wettbewerbsdruck durch Golf-Carrier. Finnair hatte im August die für den Winter geplanten Verbindungen nach Doha und Dubai gestrichen. Grund seien Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten gewesen. Die beiden Strecken stehen laut Kuusisto für rund drei Prozent der Kapazität und des Passagieraufkommens der Airline.
"Wenn und sobald sich die Lage deeskaliert und es einen dauerhaften Frieden gibt, müssen wir das überdenken", sagte Kuusisto.
Emirates will unterdessen tägliche Flüge zwischen Dubai und Helsinki aufnehmen.
Trotz des Wettbewerbsdrucks zeigte sich Kuusisto zuversichtlich, dass Helsinki seine Rolle als Umsteigedrehkreuz behaupten kann. Konkurrenten hätten sich in der Vergangenheit schwergetan, über den Flughafen tragfähige Streckennetze aufzubauen.
"Ich bezweifle, dass sie darauf optimiert sind, von Helsinki aus Anschlüsse an andere Ziele anzubieten. Und das ist unser Alleinstellungsmerkmal", sagte Kuusisto.
Kuusisto sagte zudem, Finnair habe infolge des Nahost-Konflikts im gesamten Streckennetz keine Kerosin-Engpässe festgestellt. Mehr als 80 Prozent der Kurzstreckenflüge ab Helsinki könnten nötigenfalls mit ausreichend Kerosin für Hin- und Rückflug durchgeführt werden. Den Kerosinbedarf hat die Airline für das dritte Quartal zu 81 Prozent und für das vierte Quartal zu 71 Prozent abgesichert.