Ethiopian Airlines hat am Mittwoch ihre Flüge in die nordäthiopische Region Tigray ausgesetzt. Zuvor hatten tigrayische Kräfte nach Angaben zweier lokaler Quellen in der Nacht zu Mittwoch den Flughafen der Regionalhauptstadt Mekelle von der föderalen Polizei übernommen.
Die staatliche Fluggesellschaft teilte in den sozialen Medien mit, die Flüge nach Mekelle sowie in die Städte Shire und Aksum seien "aufgrund der aktuellen Lage in der Region Tigray" gestoppt worden. Weitere Einzelheiten nannte sie nicht.
Sprecher von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die die Region regiert, waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Die TPLF hatte am Sonntag angekündigt, sich mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen in ganz Äthiopien verbündet zu haben. Ziel des Bündnisses sei der Sturz der Regierung Abiy.
Monatelange Spannungen seit dem Friedensabkommen
Der Ankündigung waren monatelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung vorausgegangen. Beide Seiten hatten im November 2022 ein Friedensabkommen unterzeichnet, das den Krieg beendete. Seitdem werfen sie sich gegenseitig vor, gegen die Vereinbarung zu verstoßen.
Im Mai hatte die TPLF die Regionalregierung von der Übergangsverwaltung übernommen, die im Rahmen des Friedensabkommens eingesetzt worden war.
Nach Daten des Projekts Armed Conflict Location & Event Data (ACLED) flog das äthiopische Militär in den vergangenen Monaten mehrere Drohnenangriffe auf tigrayische Kräfte. Die Zentralregierung äußerte sich zu den gemeldeten Angriffen nicht. Das Militär teilte in der vergangenen Woche mit, knapp 300 tigrayische Kämpfer hätten sich ergeben.
Die tigrayischen Kräfte hatten von 2020 bis 2022 in einem Bürgerkrieg gegen die Zentralregierung gekämpft, der Hunderttausende Menschen das Leben kostete. Die TPLF führte die Region bereits während des Krieges.