Condor bekommt keine Winter-A330 aus Kanada

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Die Vereinbarung zwischen Air Transat und den Thomas-Cook-Airlines zum Flugzeugtausch im Winter ist hinfällig. Statt drei A330 von Air Transat kann Condor nur einen A330 von Air Tanker einsetzen. Die Planungen laufen bereits.

Airbus A330-200 (G-VYGK) von Air Tanker, der für Condor unterwegs ist. © AirTeamImages.com / Jonas Evrard

Condor wird in dieser Wintersaison keine Langstreckenflugzeuge der kanadischen Air Transat nutzen. Das erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von airliners.de. Wegen der Insolvenz der Unternehmensmutter Thomas Cook komme der saisonale Tausch der Flugzeuge nicht zu Stande. Aktuell werden bei Condor die Strecken und Einsätze des Winters geplant.

Die Vereinbarung für die Wintersaison 2019/20 habe vorgesehen, dass zehn Airbus A321 von Thomas Cook Airlines UK bei Air Transat zum Einsatz kommen sollten. Im Gegenzug hätten vier Airbus A330-200 für die Thomas Cook Group Airlines in Europa fliegen sollen, drei davon bei Condor. Zwei Flugzeuge von Air Transat sollten im Winterflugplan eingesetzt werden und das andere als operative Reserve bereitstehen.

Um das geplante Winter-Programm nun trotzdem weitgehend aufrecht zu erhalten, setze Condor die Zusammenarbeit mit Air Tanker fort. Die britische Charter-Gesellschaft fliegt im diesjährigen Sommerflugplan mit einem Airbus A330-200 für Condor, der nun weiter zum Einsatz kommen wird. Ein Teil der bislang auf Airbus A330 von Air Transat geplanten Flüge werde außerdem auf Condor-Boeing 767 verlagert.

Bei der Planung für den Winter könne die Airline auch auf die erhöhten Ersatz-Kapazitäten dieses Sommers zugreifen, so die Sprecherin. Nach vielen Verzögerungen und Ausfällen 2018 hatten zahlreiche Airlines für diesen Sommer mehr Flugzeuge eingeplant, um bei Ausfällen oder technischen Problemen Puffer im System zu haben. Diese auch bei Condor erhöhten Reservekapazitäten fließen nun in die Winterplanung mit ein.

Investorengespräche laufen

Auf der Suche nach neuen Eignern oder Partnern befindet sich Condor momentan in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Bereits Anfang des Jahres hatte Konzernmutter Thomas Cook versucht, ihre gesamten Airlines zu veräußern. Damals war es aber zu keinem Deal gekommen, da Thomas Cook keinen ausreichend hohen Kaufpreis hätte erzielen können. An diese Gespräche werde nun angeknüpft, man fange also nicht bei Null an, so die Sprecherin.

Bislang war Condor nicht nur finanziell, sondern auch geschäftlich mit der Konzernmutter assoziiert. So wurden beispielsweise große Sitzplatzkontingente über Thomas Cook verkauft, was nach deren Insolvenz weggefallen ist. Daher entwerfe das Management nun einen Restrukturierungsplan für die Zukunft mit neuen Eigentümern. Wie die Sprecherin betonte, ist Sachwalter Lucas Flöther in diese Pläne involviert. Er habe sich zuversichtlich gezeigt.

Mehrere Reiseveranstalter hatten sich zuvor sehr wohlwollend zu einer möglichen Condor-Beteiligung geäußert. DER Touristik, Schauinsland Reisen, die bereits am Ferienflieger Sundair beteiligt ist, und Alltours hatten ihre Bereitschaft für eine Beteiligung an Condor signalisiert. Die Reiseveranstalter sehen das Überleben der deutschen Thomas-Cook-Airline als wichtig für einen gesunden Wettbewerbs an.

DER-Touristik-Europachef Ingo Burmester sagte: "Eine anteilige Beteiligung würde ich nicht grundsätzlich ausschließen". Condor sei sehr verlässlich und gerade im Moment bei Kunden sehr beliebt. Man stelle aktuell steigende Buchungen für Sommer und Winter auf Condor-Flügen fest. Das Interesse von DER liege in einer "eigenständigen, dauerhaft erfolgreichen Airline".

Alle Condor-Flüge finden statt

Unabhängig von den Restrukturierungsplänen betont Condor, alle Flüge und alle Tickets für die gesamte Wintersaison seien sind. "Condor-Kunden können guten Gewissens Flüge buchen," so Sachwalter Flöther.

Den Buchungsstopp durch den insolventen Mutterkonzern Thomas Cook hatte Condor nach eigenen Angaben gut verkraftet. Der Airline sei großes Vertrauen von Kunden und Partnern entgegengebracht worden, erklärte die Sprecherin. Dem wolle man nun gerecht werden: "Alle Flüge mit Condor-Flugnummer fliegen ganz normal." Die Condor-Teams hätten Tag und Nacht durchgearbeitet und es geschafft, dass kein Flug gestrichen worden sei. Alles laufe regulär und pünktlich.

EU-Kommission genehmigt Überbrückungskredit

Anfang der Woche hatte die EU-Kommission den Überbrückungskredit des Bundes und des Landes Hessen in Höhe von maximal 380 Millionen Euro bis Ende März genehmigt. Der Kredit ist dafür gedacht, dass Condor über die nachfrageschwächere Zeit im Winter ausreichend Liquidität zur Verfügung hat.

Das Geschäft von Ferienfluggesellschaften ist stark von saisonalen Schwankungen geprägt. Airlines verdienen normalerweise im Sommer mehr Geld, was dann im Winter teilweise wieder aufgezehrt wird. Condor hatte nach eigenen Angaben große Teile dieses Polsters vor der Insolvenz von Thomas Cook an diese abtreten müssen.

Die Pleite könnte sich auch auf die Fluggesellschaft Thomas Cook Balearics auswirken. Diese fliegt zu 100 Prozent für Condor. Da es in Spanien kein Schutzschirmverfahren wie in Deutschland gebe, befindet sich die Balearics nach Angaben der Condor-Sprecherin nun in einer "preliminary insolvency", also einer vorläufigen Insolvenz. Es gehe darum, den finanziellen Status gegenüber der Mutter zu klären. Alle Flüge würden aber wie geplant auch weiterhin durchgeführt.

Mit einem Markanteil von rund vier Prozent ist Condor die viertgrößte Airline in Deutschland. Der Ferienflieger war die größte der Thomas Cook Airlines. Momentan sind 58 Flugzeuge für Condor unterwegs. Neben Flugzeugen im eigenen Betreiberzeugnis und Wet-Lease-Partnern fliegen die beiden ex-Konzern-Airlines Thomas Cook Airlines Balearics und Thomas Cook Aviation exklusiv für Condor.

Die deutsche Condor-Tochter Thomas Cook Aviation hatte der britische Reisekonzern als Air Berlin Aviation aus der Insolvenzmasse der Air Berlin gekauft. Die Airline ist in Deutschland registriert und hat ihre Basen in Düsseldorf und Leipzig/Halle. Zur Flotte zählen acht Airbus A321, die alle von Leasinganbietern kommen.

Der Thomas-Cook-Mallorca-Ableger Balearics hatte erst im März 2018 seine Betriebsgenehmigung erhalten und setzt an seinem Heimatflughafen Palma de Mallorca sechs Maschinen des Typs Airbus A320 ein.

Von: hr

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