Die Condor-Tarifkommission der Vereinigung Cockpit (VC) hat dem VC-Vorstand in einem Schreiben Eingriffe in ihre Zuständigkeiten vorgeworfen. Das Schreiben, das airliners.de vorliegt, kritisierte vor allem den Umgang des Vorstands mit der Mitgliederabstimmung über das Zukunftspaket.
Die VC äußerte sich auf Anfrage von airliners.de nicht zu dem Schreiben. Zu internen Schreiben nehme sie grundsätzlich nicht öffentlich Stellung, sondern behandle solche Themen vertraulich in ihren Gremien, erklärte die Gewerkschaft. Vorstand und Tarifkommission seien inhaltlich einer Meinung und stünden gemeinsam hinter Paket und Abstimmung. Der Vorstand sei für alles verantwortlich, was in der VC passiere, und nehme diese Gesamtverantwortung wahr.
Condor wollte sich auf Anfrage von airliners.de nicht äußern.
Das Schreiben ist weder datiert noch unterzeichnet. Es erreichte airliners.de von mehreren Personen. Ein Branchen-Insider, der anonym bleiben möchte, bestätigte die Existenz des Schreibens und Teile seines Inhalts gegenüber airliners.de.
Ob und wann es den Vorstand erreichte, ist unklar, die VC bestätigte es nicht.
Vorwürfe zu Abstimmung und Zuständigkeit
Nach Darstellung der Tarifkommission hat der Vorstand die Abstimmung verzögert und sie ohne Absprache zur sogenannten Kampfabstimmung erklärt. Damit hätten über 50 Prozent aller Stimmberechtigten zustimmen müssen, sodass Nichtwähler faktisch wie Nein-Stimmen gewirkt hätten. Mit einem Streikvotum habe die Befragung nichts zu tun gehabt. Die Tarifkommission habe sie angestoßen, um die Meinung der Basis zu einem fertig verhandelten Ergebnis zu erfassen.
Der Insider stützt Teile davon im Gespräch mit airliners.de. Die Abstimmungsunterlagen hätten den Hinweis enthalten, nicht abgegebene Stimmen zählten als Nein. Demnach habe es Streit über die Ausgestaltung der Abstimmung gegeben. Die Tarifkommission habe zudem eine Mitgliederveranstaltung verlassen, so der Insider.
Zudem habe der Vorstand untersagt, eine ergänzende Befragung der Tarifkommission in einem Rundschreiben anzukündigen. Auch der Vorschlag, Mitgliedern mit Präferenz für eine kürzere Laufzeit eine zusätzliche Antwortmöglichkeit zu geben, sei abgelehnt worden. Die Tarifkommission verwies auf die Satzung und sieht ihre Entscheidungskompetenz bei Tarifergebnissen verletzt.
Darüber hinaus kritisierte sie das Auftreten eines Vorstandsmitglieds bei gemeinsamen Mitgliederveranstaltungen und erwartet vom Gesamtvorstand, sich mit dem Vorgang und möglichen personellen Folgen zu befassen. Die VC hält die Vorwürfe für nicht nachvollziehbar. Jedes Mitglied dürfe seine Meinung offen sagen, das sei erwünscht.
Außerdem verlangt die Tarifkommission eine dokumentierte Aufarbeitung sowie klare Regeln für Tarifentscheidungen und gemeinsame Mitgliederveranstaltungen. Eine vom Vorstand ins Spiel gebrachte Mediation hält sie derzeit nicht für geeignet, will ein Angebot aber prüfen, sofern der Vorstand überzeugende Gründe nennt.
Zukunftspaket mit 67 Prozent angenommen
Die Condor-Piloten hatten das Zukunftspaket zuvor angenommen, wie die VC mitgeteilt hatte. Demnach stimmten 67 Prozent der Stimmberechtigten bei einer Beteiligung von 89,1 Prozent zu. Bezogen auf die abgegebenen Stimmen sind das rechnerisch gut 75 Prozent.
Nach Angaben der VC sind für die Piloten befristete Nullrunden vorgesehen. Im Gegenzug seien betriebsbedingte Kündigungen für einen vereinbarten Zeitraum ausgeschlossen, später solle die Vergütung um sieben Prozent steigen. "Wir wissen, dass der Kompromiss nicht bei allen Mitgliedern Jubel auslöst", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Zu Laufzeit und Einsparvolumen machte die VC keine Angaben.
Mit Ufo und Verdi war der Zukunftspakt dagegen schon früher unter Dach und Fach. Condor-Chef Peter Gerber bestätigte dem Portal "CH-Aviation", bei einem Treffen Ende September sei eine Einigung erzielt worden. Die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften habe sehr kooperativ funktioniert, sagte er. Die VC erwähnte er nicht. Ufo und Verdi hatten Mitte September ein Sparprogramm von 100 Millionen Euro jährlich genannt.
Nach der Satzung der VC beschließen die Tarifkommissionen über die Zustimmung zu Tarifverhandlungsergebnissen. Die Verantwortung für die Tarifpolitik trägt der Gesamtvorstand. Er kann einer Unterzeichnung durch Beschluss widersprechen, muss dies aber unverzüglich nach der Zustimmung der Tarifkommission tun.
