Der Flughafen Friedrichshafen soll unter neuer Leitung aus den roten Zahlen kommen. Seit 15. Mai steht Jochen Krumm als Geschäftsführer an der Spitze des Bodensee-Airports, wie die "Schwäbische Zeitung" berichtete. Der 56-Jährige stammt nicht aus der Luftfahrtbranche, sondern aus der Lebensmittelindustrie und war zuletzt in der Solarenergie-Branche tätig.
Die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis als Hauptgesellschafter des Flughafens haben Krumm dabei finanziellen Spielraum verschafft. Gemeinderat und Kreistag beschlossen im Frühjahr, dem Flughafen zunächst für drei Jahre jeweils eine Million Euro jährlich als Darlehen bereitzustellen, mit dem Ziel, die Summe später in Zuschüsse umzuwandeln. Eine weitere Million Euro pro Jahr soll ein Förderverein aus der regionalen Wirtschaft beisteuern.
Ein erster sichtbarer Schritt ist eine neue Flugverbindung: Seit Juli fliegt Air Uniqon montags und donnerstags von Friedrichshafen über Berlin nach Sylt, ein Ticket für den Hin- und Rückflug kostet nach Angaben der Zeitung rund 400 Euro. Zudem ist Ryanair mit Verbindungen nach Palma de Mallorca und Alicante vertreten, Wizz Air fliegt Skopje an. Eine zweite Verbindung nach Belgrad wird dagegen zum Winterflugplan 2026/2027 gestrichen.
Bei den Passagierzahlen rechnet der Flughafen für das laufende Jahr mit 275.000 Fluggästen – nach 250.000 im Vorjahr. Krumm nannte laut Bericht das Ziel, die Zahl binnen fünf Jahren auf eine Million zu steigern. Der nahe gelegene Allgäu Airport in Memmingen kam 2025 bereits auf knapp 3,7 Millionen Passagiere.
Neue Geschäftsfelder und Reaktionen der Branche
Neben dem Flugbetrieb will Krumm zusätzliche Geschäftsfelder rund um den Airport erschließen, etwa im Bereich Gastronomie, Parken und Vermietung. Binnen der kommenden drei Monate soll dazu eine neue Flughafenlounge entstehen. Als mögliches weiteres Standbein nannte Krumm laut Zeitungsbericht auch Veranstaltungen auf dem Flughafengelände: "Wir haben hier Platz für 50.000 Menschen."
Ryanair-Deutschlandchef Marcel Pouchain Meyer äußerte sich der Zeitung zufolge positiv über den Kurswechsel am Bodensee-Airport und sprach von einer spürbaren Aufbruchstimmung. Voraussetzung für zusätzliche Kapazitäten der Fluggesellschaft seien aus seiner Sicht jedoch niedrigere Flughafenentgelte, hierzu habe es bereits konstruktive Gespräche gegeben.
Krumms Vorgänger Detlef Schäfer-Carroll, der 2024 seine Kündigung einreichte, war zuvor unter anderem für Lufthansa, Air Berlin, Swissport und den Flughafen Berlin tätig gewesen. Nach der Einstellung der täglichen Lufthansa-Flüge von Frankfurt im Jahr 2024 verlor der Bodensee-Airport seine Anbindung an ein internationales Drehkreuz, in der Folge sanken die Passagierzahlen. Krumm kündigte laut Bericht an, bis Jahresende solle über Air Uniqon wieder eine Drehkreuz-Verbindung angeboten werden, welches Drehkreuz dies sein werde, ließ er offen.
Nicht alle Kommunalpolitiker unterstützen den finanziellen Kurs für den Flughafen: Im Gemeinderat Friedrichshafen stimmten im April 25 Mitglieder für die zusätzlichen Mittel, zehn dagegen. Kritiker argumentierten laut Bericht, das Geld sei im öffentlichen Nahverkehr besser aufgehoben.