Australien hat am Mittwoch seine Reisewarnung für mehrere Golfstaaten gelockert. Außenministerin Penny Wong gab bekannt, dass die bisherige Einstufung "Do not travel" für die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Israel und Kuwait auf "Reconsider your need to travel" herabgestuft wurde. Als Begründung nannte Wong die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf einen vorläufigen Waffenstillstand. Die Sicherheitslage könne sich aber weiterhin schnell verschlechtern, warnte sie.
Die vorherige Höchstwarnstufe hatte dazu geführt, dass Australier beim Transitflug durch die Golfhubs keinen Versicherungsschutz genossen. Viele Reisende waren deshalb auf Verbindungen über asiatische Drehkreuze ausgewichen und hatten stattdessen Qantas, Singapore Airlines oder Cathay Pacific gebucht – was die Ticketpreise auf diesen Strecken in die Höhe trieb.
Analysten erwarten, dass Golf-Airlines wie Emirates und Qatar Airways nun schrittweise Marktanteile zurückgewinnen, aber keinen schnellen Turnaround. Nathan Gee, Leiter Transportforschung Asien-Pazifik bei der Bank of America, sagte, der wiederhergestellte Versicherungsschutz und wettbewerbsfähigere Preise dürften den Golfcarriern helfen – der Wandel werde aber eher graduell als abrupt verlaufen.
"Auf kurze Sicht sind asiatische Carrier wie Singapore Airlines weiterhin gut positioniert, da ein Teil der Reisenden weiterhin asiatische Hubs bevorzugt, um mehr Sicherheit und reibungslosere Umstiege zu haben", erklärte Gee. Da Langstreckenbuchungen typischerweise fünf bis sechs Monate im Voraus gebucht werden, dürfte das günstigere Preisumfeld für Singapore Airlines und Cathay Pacific noch mehrere Quartale anhalten – auch wenn die Golf-Airlines Kapazitäten wieder hochfahren und den Wettbewerb verschärfen.
Kerosinpreise unter dem Krisenmaximum, aber weiter erhöht
Die Kerosinpreise haben sich seit ihrem Höhepunkt deutlich zurückgebildet. In Singapur notierte Jet-Kerosin am Dienstag bei rund 116 Dollar (rund 100 Euro) je Barrel – deutlich unter dem Krisenmaximum von 242 Dollar am 30. März, aber noch spürbar über dem Vorkriegsniveau von rund 80 Dollar. Die Ölpreise gaben um mehr als zwei Prozent nach und markierten damit neue Dreimonatstiefs, nachdem sie am Vortag infolge der US-Iran-Einigung bereits um knapp fünf Prozent gefallen waren. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass die Öl- und Gasproduktion im Nahen Osten noch Monate benötigen werde, um sich vollständig zu erholen.
Emirates hatte vergangene Woche angekündigt, mit gezielten Anreizen um Reisende zu werben, die wegen des anhaltenden Iran-Kriegs verunsichert sind. Im Fokus stünden dabei Zuverlässigkeit und Kundenservice – nicht niedrigere Preise, solange das Kerosin teuer bleibe, hieß es.
Australische Airlines und Reiseveranstalter unter Druck
Auch australische und neuseeländische Airlines spüren die Folgen der Golfkrise deutlich. Qantas hob ihren Treibstoffkostenausblick für das zweite Halbjahr um bis zu 800 Millionen australische Dollar (rund 487 Millionen Euro) an und hat den geplanten Aktienrückkauf von 150 Millionen australische Dollar bislang nicht gestartet. Die Airline hebt die Preise an und verlagert Kapazitäten auf nachfragestarke Strecken wie Paris und Rom, während die Inlandskapazität im Juniquartal um rund fünf Prozentpunkte gekürzt wird.
Air New Zealand erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Vorsteuerverlust von 340 bis 390 Millionen neuseeländische Dollar – nach einem Gewinn von 189 Millionen neuseeländische Dollar im Vorjahr. Die Fluggesellschaft hatte ihre Jahresprognose im März ausgesetzt und die Ticketpreise wegen der Kerosinpreisvolatilität angehoben. Der Auckland International Airport meldete für März einen Rückgang der Passagierzahlen auf Nahost-Routen um 81 Prozent sowie einen Kapazitätsrückgang von 73 Prozent.
Virgin Australia rechnet mit einem Anstieg der Treibstoffkosten um 30 bis 40 Millionen australische Dollar im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026. Das Reisebüronetzwerk Flight Centre kürzte seine Gewinnprognose und beziffert den Schaden im Freizeitreisesegment inzwischen auf 50 Millionen australische Dollar – nach einer früheren Schätzung von zehn Millionen australische Dollar im April.