Französische Gewerkschaften haben bei Airbus zu eintägigen Arbeitsniederlegungen und Protesten aufgerufen. Hintergrund ist die Ankündigung des Flugzeugbauers, die Mindestanzahl der Präsenztage für Büroangestellte von bisher drei auf künftig mindestens vier pro Woche anzuheben.
Die Gewerkschaft CGT rief Beschäftigte auf, sich am Donnerstag am Airbus-Standort Blagnac bei Toulouse zu versammeln und "ihren Unmut unter den Fenstern von CEO Guillaume Faury zum Ausdruck zu bringen".
Am 18. Juni hatten sich laut CGT bereits mehr als 100 Mitarbeitende an einer Kundgebung beteiligt, weitere streikten ohne teilzunehmen. Angaben zur Beteiligung am Donnerstag lagen zunächst nicht vor; Berichte über Auswirkungen auf die Produktion gab es nicht.
Gewerkschaft prüft rechtliche Schritte
Die Gewerkschaft CFDT kündigte für den 30. Juni eine eigene Kundgebung vor demselben Gebäude an und erklärte, mögliche rechtliche Schritte zu prüfen. Sie argumentiert, Airbus wende die 2024 geschlossene Homeoffice-Vereinbarung in schlechter Absicht an.
Die größte Gewerkschaft bei Airbus France, FO, forderte einen Stopp aller Änderungen bis zur Sitzung des europäischen Airbus-Betriebsrats am 7. Juli und erklärte, das Management habe versichert, dass die bestehende Hybrid-Arbeitsvereinbarung bis 2028 gültig bleibe.
Ausgangspunkt des Streits ist ein Schreiben von Airbus-Chef Faury vom 9. Juni an die Belegschaft, das Reuters vorliegt und zuerst von Bloomberg berichtet wurde. Darin erklärte Faury, Airbus müsse nach einem schwachen Jahresstart bei den Auslieferungen von Verkehrsflugzeugen Fokus, Qualität und die "individuelle Präsenz vor Ort" verbessern.
Lieferdruck und Lieferkettenprobleme als Hintergrund
Airbus steht unter erheblichem Druck, sein Jahresziel von 870 Auslieferungen zu erreichen, während das Unternehmen gleichzeitig mit Lieferkettenproblemen – insbesondere Triebwerksmangel – zu kämpfen hat.
Gegenüber Reuters erklärte Airbus, man stehe vor einem beispiellosen Produktionshochlauf in einem geopolitisch und wirtschaftlich volatilen Umfeld. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte die neue konzernweite Hybrid-Arbeitsrichtlinie und betonte, Flexibilität bleibe Teil der Unternehmenskultur.
Priorität sei jedoch eine möglichst enge Zusammenarbeit der Beschäftigten. Die neue Regelung gilt für Büroberufe wie Ingenieure; Montagemitarbeiter und Techniker waren teilweise nicht für Homeoffice berechtigt.
Streiks sind bei Airbus, das seine Hauptstandorte in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien hat, vergleichsweise selten.