Technische Zwischenfälle wie Triebwerksöl- und Treibstofflecks haben bei Flügen der Air India im Januar den höchsten Stand seit mindestens 14 Monaten erreicht. Die indische Fluggesellschaft verzeichnete 1,09 technische Vorfälle je 1000 Flüge – eine Vervierfachung gegenüber dem Wert von 0,26 im Dezember 2024. Das geht aus einem von "Reuters" eingesehenen Dokument hervor, das die Airline im Februar der indischen Regierung vorgelegt hat.
Air India führte im Januar mehr als 17.500 Flüge durch und registrierte dabei 23 technische Vorfälle auf internationalen und nationalen Strecken. Mindestens 21 davon wurden formell von der Airline untersucht. Frühere Vergleichsdaten lieferte das Dokument nicht.
Indiens zweitgrößte Fluggesellschaft steht seit einem Absturz im vergangenen Jahr, bei dem insgesamt 260 Menschen ums Leben kamen, unter verschärfter Beobachtung der nationalen Luftfahrtbehörde. Im Dezember räumte die Airline selbst ein, dass "dringend Verbesserungen bei Prozessdisziplin, Kommunikation und Compliance-Kultur" nötig seien.
Das indische Luftfahrtministerium erklärte in diesem Monat vor dem Parlament, dass 82,5 Prozent der 166 untersuchten Air-India-Flugzeuge seit Januar 2025 wiederkehrende technische Mängel aufwiesen. Zum Vergleich: Beim Marktführer Indigo lag der Wert bei 36,5 Prozent. Erst im Februar hatte die Airline zudem eine Geldstrafe zahlen müssen, weil ein Airbus A320 ohne gültiges Lufttüchtigkeitszeugnis geflogen war.
Triebwerkswarnungen und Treibstofflecks
Zu den im Januar gemeldeten Vorfällen gehörten Triebwerksstallwarnungen, Probleme mit Flugsteuerung und Hydraulik sowie Triebwerksöl- und Treibstofflecks. Betroffen waren sowohl Airbus- als auch Boeing-Maschinen. Allein fünf Fälle betrafen Treibstoff- oder Triebwerksöllecks.
Bei einem Flug von Dubai nach Mumbai wurde nach der Landung ein niedriger Ölstand in einem Triebwerk festgestellt. Ein Flug von Delhi nach Dubai am 12. Januar musste nach dem Start umkehren, weil in Toiletten und Bordküche kein Wasser vorhanden war.
Auch die operativen Vorfälle – darunter abgebrochene Starts, Flüge in gesperrter Flughöhe und Starts mit falschen Einstellungen – stiegen auf 0,29 je 1.000 Flüge, mehr als doppelt so viel wie im Dezember 2024.
"Systemische Verbesserungen werden im gesamten Flugbetrieb, in der Ausbildung, der technischen Qualitätssicherung und der Verfahrensaufsicht eingeführt, um Wiederholungen zu verhindern", hieß es in dem Dokument.
Air India hat nach eigenen Angaben ein periodisches Inspektionsprogramm für ihre Airbus-A320-Flotte eingeführt und alle Hydraulikschläuche der Bugradlenkung an sämtlichen Boeing 777 ausgetauscht. Zudem wurde ein regelmäßiges Prüfprogramm für Klimaanlagenlecks aufgelegt.
Alternde Flotte und Lieferkettenverzögerungen
Air India, die dem Tata-Konzern und der Singapore Airlines gehört, verfügt über eine Flotte von 191 Flugzeugen und hat Bestellungen für mehr als 500 weitere Maschinen aufgegeben. Der Umbau der bis 2022 staatlichen Airline erweist sich jedoch als schwierig. Konzernchef Campbell Wilson hat wiederholt beklagt, dass Lieferkettenstörungen die Kabinenumrüstung verzögern.
Hinzu kommen finanzielle Belastungen durch die Sperrung des pakistanischen Luftraums für indische Fluggesellschaften infolge diplomatischer Spannungen, die Air India zur Einstellung einiger Langstreckenverbindungen gezwungen hat.
Die Probleme der Air India haben auch international regulatorische Aufmerksamkeit erregt. Die britische Luftfahrtbehörde forderte die Airline auf zu erklären, warum eine Boeing 787, die bei der Ankunft in Indien wegen Sicherheitschecks am Boden bleiben sollte, mit einem möglicherweise defekten Treibstoffschalter aus London gestartet war. Air India antwortete, sie habe ihre Piloten an die Einhaltung der korrekten Verfahren erinnert und das Schubhebelsteuermodul des Flugzeugs vorsorglich ausgetauscht.
Air India und das indische Luftfahrtministerium reagierten nicht auf Anfragen von "Reuters".