Verdi-Warnstreiks legen mehrere Flughäfen lahm

27.04.2016 - 17:00 0 Kommentare

Die Gewerkschaft will mehr Geld, die Passagiere leiden. An deutschen Flughäfen sorgte der Tarifstreit im öffentlichen Dienst vielfach für Stillstand. Die Regierung hat für diesen Schritt der Gewerkschaft kein Verständnis.

Anzeigetafel mit annulierten Flügen - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Anzeigetafel mit annulierten Flügen © dpa /Frank Rumpenhorst

Zehntausende Menschen haben am Mittwoch die ausgeweiteten Warnstreiks im öffentlichen Dienst massiv zu spüren bekommen. Durch Arbeitsniederlegungen an elf deutschen Flughäfen, darunter die Drehkreuze Frankfurt und München, fielen mehr als 1400 Flüge aus. Während Regierung und Arbeitgeberverbände die Aktionen kritisierten, pocht Verdi-Chef Frank Bsirske bereits auf eine schnelle Einigung.

In München wurden 740 Flüge gestrichen. 550 Angestellte aus allen betroffenen Abteilungen hätten ihre Arbeit niedergelegt. Dort endete der Streik schon um 13.00 Uhr, statt wie geplant um Mitternacht.

Feuerwehren beteiligen sich

In Frankfurt/Main fielen 392 Flüge aus. Dort und auch in Köln/Bonn legte die Flughafenfeuerwehr vorübergehend die Arbeit nieder und sorgte damit für Verspätungen und Stillstand. An anderen Standorten sorgten Warnstreiks im Bereich der Flugzeugabfertigung und des Gepäckdienstes für Ausfälle.

Am schwersten betroffen war die Lufthansa, die bundesweit insgesamt 900 Verbindungen zu deutschen und europäischen Zielen absagen musste. Allein in Frankfurt mussten 33.000 Passagiere umdisponieren. Dennoch herrschte in den Terminals ruhiger Betrieb, viele Fluggäste waren vorab informiert. Inlandspassagiere wurden auf die Bahn umgebucht.

Gewerkschaftschef verteidigt Vorgehen

Verdi hatte im Rahmen der Tarifrunde Öffentlicher Dienst zu den Streiks an Flughäfen aufgerufen. Gewerkschaftschef Frank Bsirske verteidigte die Entscheidung. Sinn solcher Arbeitsniederlegungen sei es, Tarifverhandlungen zu beschleunigen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Ich hoffe, dass dieses Signal verstanden wird und wir bei der dritten Runde am Donnerstag und Freitag zu einer Einigung kommen."

© dpa, Carmen Jaspersen Lesen Sie auch: Verdi verteidigt bisheriges Vorgehen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bewertete die Ausweitung der Warnstreiks im öffentlichen Dienst als unverhältnismäßig. "Für die Bestreikung ausgerechnet von wichtigen Flughäfen und Berliner Kliniken gibt es keinen vernünftigen Grund. Damit treffen die Gewerkschaften nur Unbeteiligte", sagte der CDU-Politiker in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung seiner Behörde. Dies sei "umso ärgerlicher", da der bisherige Verhandlungsverlauf dafür keinen Anlass geboten habe.

Den Gewerkschaften seien zuletzt eine Tariferhöhung von drei Prozent sowie weitere Zugeständnisse angeboten worden. "Darüber sollte man doch erstmal reden, anstatt zu streiken", sagte de Maizière. "Verschonen Sie die Bürgerinnen und Bürger und suchen mit uns Lösungen am Verhandlungstisch", forderte er.

Eine auf zwei Drittel des Tages ausgelegte Arbeitsniederlegung, die große Teile des gesamten Flugverkehrs behindere, sei kein Warnstreik, sondern "ein Streik, der mit wirtschaftlichen Millionenschäden verbunden ist und nicht mehr als "Warnung" verstanden werden kann", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Der Streik richte sich formal gegen die öffentliche Hand als Tarifverhandlungspartner, treffe aber im Wesentlichen die Fluggesellschaften.

© dpa, Carmen Jaspersen Lesen Sie auch: Branche fordert gesetzliche Neuregelungen

In dem Tarifstreit fordert Verdi sechs Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit des Vertrages. Die Arbeitgeber - der Bund und die Kommunen - haben drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre geboten. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April in Potsdam statt.

Bsirske bestritt die Darstellung der Arbeitgeber, dass dieses Angebot drei Prozent für zwei Jahre betrage. Da die drei Prozent in zwei Stufen angeboten würden und jede der beiden Erhöhungen erst jeweils im Juni wirksam werden solle, betrage es auf zwei Jahre gerechnet nur 1,8 Prozent. Die Inflation werde jedoch in diesem und im nächsten Jahr zusammengenommen zwei Prozent betragen.

Von: ch, dpa, dpa-AFX, gk
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