Deutsche Piloten wollen Ryanair bestreiken

30.07.2018 - 14:14 0 Kommentare

Die Ryanair-Piloten der deutschen Vereinigung Cockpit stimmen in einer Urabstimmung laut airliners.de-Informationen für Streiks bei den Iren. Nun drohen dem Low-Coster erneut Ausstände - denn es sind nicht die ersten Arbeitskampfmaßnahmen von Cockpit-Crews.

Ein Pilot in Uniform. - © © dpa - Valentin Gensch

Ein Pilot in Uniform. © dpa /Valentin Gensch

Die Urabstimmung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über Streiks bei Ryanair ist am Mittag beendet worden und nun ist auch das Ergebnis bekannt: Nach airliners.de-Informationen haben 96 Prozent der Ryanair-Piloten bei der VC für Streiks an den zehn deutschen Basen gestimmt.

In einer offiziellen Mitteilung bestätigt die VC die Informationen am frühen Nachmittag. "Wir fordern Ryanair auf, endlich den Geisterfahrerkurs gegen alle Gewerkschaften des Cockpit- und Kabinenpersonals in ganz Europa zu beenden", Tarifvorstand Ingolf Schumacher. Dem Unternehmen setzte die VC eine Frist bis zum 7. August, um ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorzulegen.

Verhandlungen im Juni abgebrochen

Zu Jahresbeginn nahm die VC dann offiziell Tarifverhandlungen mit Ryanair für die deutchen Beschäftigten auf. Doch diese gestalteten sich laut Teilnehmern als so zäh, dass die Gewerkschaft die Gespräche Mitte Juni abbrach. VC-Präsident Martin Locher sprach damals im Interview mit airliners.de davon, dass man "keinen Millimeter mehr vorankomme".

© dpa, Niall Carson/PA Lesen Sie auch: "Streiks bei Ryanair sind nicht unser Ziel" Interview mit VC-Präsident Martin Locher

Auch in der vergangenen Woche habe man erneut mit dem Management Gespräche geführt, heißt es in einem Schreiben der VC an die Mitglieder, das airliners.de vorliegt: "Obwohl das Gespräch auf persönlicher Ebene freundlich verlaufen ist, gab es sachlich abermals kaum Fortschritt.

Zusammenfassend muss man leider feststellen, dass Ryanair weiterhin zu keinen echten Eingeständnissen bereit ist und ernsthafte Verhandlungen, die die Arbeitsbedingungen für uns alle verbessern würden, zu verzögern versucht.

Ryanair-Tarifkommission der VC

In Irland hingegen haben die Piloten schon gestreikt - in den vergangenen zwei Wochen insgesamt dreimal. Es waren die ersten Pilotenstreiks in der 25-jährigen Geschichte des Unternehmens. Für diesen Freitag (3. August) haben die über die Ialpa organisierten Cockpit-Crews erneut zum Ausstand aufgerufen.


Wann bei Ryanair bisher gestreikt wurde

Flugbegleiter:

  • 30. März, 1. und 3. April: Portugal;
  • 25. Juli: Belgien, Italien, Portugal und Spanien;
  • 26. Juli: Belgien, Portugal und Spanien.

Piloten:

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli: Irland.

Quelle: airliners.de


Wegen der Ausstände der Piloten in Irland strich Ryanair bisher an allen drei Tagen nur rund 40 Flüge. Abflüge aus Irland machen im Ryanair-Netzwerk nur einen geringen Prozentsatz der täglichen Umläufe aus.

Harte Konsequenzen nach Streik in Irland

Ryanair reagierte vergangene Woche umgehend auf die Piloten-Streiks in Irland. Noch bevor diese den dritten Ausstand einlegten, drohte Airline-Chef Michael O'Leary mit harten Konsequenzen. Diese kamen dann auch. Im Winter will Ryanair die Basis am Flughafen Dublin von jetzt 30 auf dann "höchstens" 24 Maschinen verkleinern.

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: Norwegian möchte in Ryanair-Lücke springen

Die Entscheidung begründet man zum einen mit der großen Nachfrage bei der polnischen Charter-Tochter Ryanair Sun, aber auch ganz offen mit den Vorausbuchungen, die durch die Streiks verschlechtert wurden. 300 Mitarbeiter sind laut Ryanair dann in Dublin überflüssig - die 100 Piloten und 200 Flugbegleiter könnten nach Polen wechseln.

Streik-Mandat gilt auch für MTV

Doch genau dieses "Personal-Ping-Pong", wie es ein Gewerkschafter nannte, müsse endlich aufhören. Im Fokus der laufenden Tarifstreitigkeiten steht nicht allein die Bezahlung - auch wenn zunächst ein Vergütungstarifvertrag (VTV) ausgehandelt wird und die gescheiterten VC-Verhandlungen vor allem an dem Punkt ansetzten. Mit der Urabstimmung haben die Piloten zugleich das Mandat für Streiks, sofern Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag (MTV) ebenfalls scheitern sollten.

Dies umfasst vor allem den Fakt, dass nicht alle Piloten, die bei Ryanair fliegen, auch dort angestellt sind. Viele Cockpit-Crews sind gezwungen, eine Ich-AG zu gründen und mit deutlichem Hang zur Scheinselbständigkeit bei Ryanair beschäftigt zu sein.

Ryanair leugnet diese Praxis ("Contractor-Modell") nicht und spricht auf Anfrage von einer legitimen Maßnahme, die auch andere Airlines so anwenden würden. Zudem beträfe dies "weniger als 50 Prozent" der eigenen Piloten. Vor einigen Jahren lag der Satz noch bei rund 30 Prozent.

Auch die Flugbegleiter streiken

Neben den Piloten führt Ryanair auch Tarifverhandlungen mit den Flugbegleitern. Hier kam es in der vergangenen Woche zu zwei Streiktagen in mehreren Ländern; fast 1000 Flüge fielen aus - zehntausende Passagiere waren betroffen.

Die Kabinen-Crews sind ähnlich wie die Piloten auch überwiegend nicht bei Ryanair angestellt. Flugbegleiter sind airliners.de-Informationen zufolge erst ab dem Rang des Kabinenchefs beim Low-Cost-Carrier direkt angestellt - alle anderen Kabinen-Mitarbeiter kommen über Zeitarbeitsfirmen wie Crewlink zu Ryanair.

© privat Lesen Sie auch: "Personalprobleme sind der Hauptgrund" Interview mit Tarifexperte Eckhard Bergmann

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus