Eurowings muss um Air-Berlin-Wet-Leasing bangen

15.11.2017 - 13:53 0 Kommentare

Bei der Air-Berlin-Restbelegschaft schwindet die Motivation. Jetzt muss Eurowings um die Wet-Leasing-Flüge bangen. Bis zur EU-Übernahmegenehmigung hält Lufthansa derweil auch Niki und LGW in der Luft - und wird dabei kreativ.

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings am Flughafen Düsseldorf. - © © AirTeamImages.com - Alun Morris Jones

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com /Alun Morris Jones

Air Berlin fliegt noch. Zwar sind die Flüge unter AB-Flugnummer seit Ende Oktober Geschichte – für Eurowings heben die Flugzeuge der insolventen Airline aber nach wie vor ab. Insgesamt 13 Airbus A320 sind aktuell noch "operated by airberlin" für Eurowings im europaweiten Einsatz.

Doch obwohl damit nur noch weniger als die Hälfte der ursprünglich einmal über 30 Air-Berlin-Wet-Leasing-Maschinen für Eurowings fliegen, gibt es nun bei der insolventen Airline Probleme bei der Bereederung.

"Kurzfristige Abmeldungen" behindern Operations

In einer E-Mail an das Air-Berlin-Kabinenpersonal in Köln, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart, die airliners.de vorliegt, appellieren die Kabinenmanager an die noch nicht freigestellten Mitarbeiter, zumindest Dienst nach Vorschrift zu leisten.

"Wir haben mit vielen und vor allem kurzfristigen Abmeldungen zu kämpfen und mussten bereits eine zu große Anzahl an Flügen an die Eurowings zurückgeben", schreibt die Kabinenleitung.

Solche Rückgaben würden den Betrag verringern, den Air Berlin von der Eurowings für die Erfüllung des Vertrags erhalte. Nur mit dem Geld aus dem Eurowings-Leasing könne man aber den "Gang zum Arbeitsamt und die damit verbundenen Gehaltseinbußen" für die verbleibenden Mitarbeiter noch "für eine gewisse Zeit hinauszögern", heißt es.

Situation hat sich gebessert

Flugdaten der Air-Berlin-Flugzeuge bei Flightradar zeigen zum Teil deutlichen Verspätungen und teilweise Ausfälle. Insgesamt hat sich die Situation demnach aber in den vergangenen Tagen wieder gebessert. Auch ein Sprecher von Eurowings sagte auf Anfrage, Air Berlin würde die Flüge "zurzeit sehr sauber" abfliegen.

Diese Air-Berlin-Flugzeuge sind aktuell für Eurowings im Einsatz

Airbus A320 D-ABDP , Airbus A320 D-ABDQ , Airbus A320 D-ABHF , Airbus A320 D-ABHG , Airbus A320 D-ABNH , Airbus A320 D-ABNI , Airbus A320 D-ABNK , Airbus A320 D-ABNL , Airbus A320 D-ABNN , Airbus A320 D-ABZE , Airbus A320 D-ABZK , Airbus A320 D-ABZL , Airbus A320 D-ABZN

Es sei klar, dass in der derzeitigen Situation nicht mehr "mit Air-Berlin-Spirit oder ähnlichem" argumentiert werden könne, schreiben die Air-Berlin-Einsatzplaner in der E-Mail, die auf den 3. November datiert ist. Aber: "Es ist uns ein großes Bedürfnis mit Ihnen zusammen das Ganze geordnet und in Ruhe zu Ende zu bringen."

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kapazitätsengpässe im Markt und der öffentlichen Preisdikussion warnen Branchenkenner nun vor einem weiteren Engpass.

LGW übernimmt Air-Berlin-Wet-Lease komplett

Der Zeitpunkt für das Ende bei Air Berlin ist derweil noch offen. Er ergibt sich aus der Dauer des EU-Prüfverfahrens zur Übernahme der LGW durch die Lufthansa Group. 15 Airbus A320 sollen dann kurzfristig die Flotte der ehemaligen Air-Berlin-Regionaltochter ergänzen. Dann geht auch der Wet-Lease komplett von Air Berlin auf LGW über - das wirkliche Aus für den Flugbetrieb bei der insolventen Airline.

In der Tat liegt es vor allem im Interesse von Lufthansa, dass Air Berlin noch bis zur Genehmigung der EU den Flugbetrieb für Eurowings aufrecht hält. Schon vorher war der Betrieb der Air-Berlin-Flugzeuge für Eurowings im Lufthansa-Konzern als "Prio-1" für Air Berlin bezeichnet worden, da dieser Teil der insolventen Airline zahlende Eurowings-Kunden befördert.

EU-Genehmigung kann bis Frühjahr dauern

Die EU-Kommission prüft auf Grundlage der europäischen Fusionskontrollverordnung, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung erlangt. Die Kommission hat nach der Anmeldung der geplanten Air-Berlin-Teilübernahme durch Lufthansa vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Zuständig auf EU-Ebene ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sie hat bereits angedeutet, dass Lufthansa möglicherweise einige Strecken abgeben muss. Das deutsche Kartellamt wird das Brüsseler Verfahren begleiten.

Lufthansa hält aktuell drei Airlines in der Luft

Bis zur Genehmigung muss Lufthansa nun gleich drei Airlines in der Luft halten: Die Rest-Air-Berlin für den Eurowings-Wetlease und die beiden zur Übernahme anstehenden Air-Berlin-Töchter LGW sowie Niki. Gleichzeitig darf Lufthansa aber aus juristischen Gründen kein Geld in die Gesellschaften investieren.

Daher wird Lufthansa-Chef Carsten Spohr nun kreativ. So bucht der Konzern aktuell tausende Flüge bei Niki und überträgt einen Teil des Air-Berlin-Wet-Leasings an LGW. So können die beiden zukünftigen Eurowings-Airlines Umsätze generieren. Gleichzeitig fliegen die Airlines und sichern so ihre Streckenrechte. Offenbar kalkuliert Lufthansa aber knallhart und fliegt bis zur Genehmigung der Behörden nur so viel wie nötig.

Nur wenige Ex-Air-Berlin-Flugzeuge in der Luft

So sind nach Recherchen von airliners.de bei Niki aktuell ein gutes Dutzend Flugzeuge weniger im Einsatz, als noch im Sommerflugplan. LGW fliegt mit 15 Maschinen für Eurowings, fünf Flugzeuge weniger als die Flotte zählt. Air Berlin setzt im Gegenzug sogar 25 Flugzeuge weniger für Eurowings ein, als noch vor einigen Wochen - ein deutlicher Kapazitätswegfall.

Insgesamt sind so von den zuletzt 144 Air-Berlin-Flugzeugen aktuell nur noch rund 50 im Einsatz. Auf Nachfrage wollte Eurowings nicht erläutern, warum trotz immenser Nachfrage im Markt derzeit nicht zumindest alle bei LGW und Niki zur Verfügung stehenden Flugzeuge in der Luft sind.

Insidern zufolge sind dafür nicht nur finanzielle und juristische Erwägungen sowie organisatorische Probleme wie ungeklärte Eigentumsverhältnisse, ausstehende Umregistrierungen oder für den Winter geplante Wartungspausen verantwortlich. Es gäbe schlicht zu wenig fliegendes Personal.

Denn Eurowings übernimmt nur rund 1700 Mitarbeiter bei LGW und Niki direkt. Weitere 1300 Air-Berlin-Beschäftigte sollen sich neu bewerben. Sowohl Eurowings als auch LGW und Niki suchen aktuell nach Piloten und Flugbegleitern für ihr geplantes Wachstum.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Derweil wurden bei Air Berlin selbst zum Monatsanfang hunderte Mitarbeiter "widerruflich freigestellt". Sie sollen zeitnah die Kündigung erhalten. Wann genau, ist allerdings noch offen. Aus dem ungeklärten Status ergeben sich für die betroffenen Beschäftigten eine große Verunsicherung und finanzielle Probleme.

© dpa, Lesen Sie auch: Air-Berlin-Mitarbeiter sollen sich arbeitslos melden

Von: dh
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