Der US-Senat hat parteiübergreifende Gesetzentwürfe verabschiedet, mit denen die Vorschriften zur psychischen Gesundheit von Piloten und Fluglotsen modernisiert werden sollen. Ziel ist es, eine frühzeitige Offenlegung und Behandlung psychischer Erkrankungen zu fördern. Bevor die Regelungen Gesetz werden, muss noch das US-Repräsentantenhaus zustimmen.
Der Entwurf der Senatoren John Hoeven und Tammy Duckworth wurde am späten Donnerstag einstimmig angenommen. Er soll Piloten und Fluglotsen ermutigen, bei Bedarf psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, und zugleich die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen verringern.
Ein weiterer, ebenfalls vom Senat verabschiedeter Gesetzentwurf verpflichtet die US-Luftfahrtbehörde FAA, leicht zugängliche und verständliche Leitlinien zu zugelassenen Medikamenten herauszugeben. So soll verhindert werden, dass Piloten und Fluglotsen unwissentlich Medikamente einnehmen, die ihre Karriere gefährden könnten.
"Ihre Karriere sollte niemals bedroht sein, weil sie nicht richtig darüber informiert wurden, welche Medikamente sie einnehmen dürfen, oder weil sie einfach die psychologische Versorgung gesucht haben, die sie brauchen", sagte die Demokratin Duckworth. Die Abgeordneten wollten die "gefährliche Kultur des Schweigens rund um die psychische Gesundheit in der Luftfahrtbranche aufbrechen und letztlich unseren Himmel sicherer machen", sagte sie.
Der Republikaner Hoeven verwies auf den erheblichen Mangel an qualifizierten Piloten und Fluglotsen. "Bürokratische Verzögerungen und veraltete Verfahren bei der FAA halten diese Fachkräfte über längere Zeiträume von der Arbeit ab, wenn sie psychologische Hilfe suchen", sagte er.
Pilotengewerkschaft begrüßt Beschluss
Die Allied Pilots Association (APA), die 17.000 Piloten der American Airlines vertritt, begrüßte die Verabschiedung der Gesetzentwürfe. Sie seien ein bedeutender Fortschritt bei der Modernisierung des Umgangs der FAA mit der psychischen Gesundheit von Piloten. "Viel zu lange standen Piloten vor Hürden, wenn sie Hilfe suchten und das medizinische Zulassungsverfahren durchlaufen mussten", sagte APA-Präsident Nick Silva.
Die FAA erklärte am Freitag, sie passe ihren Ansatz laufend an den besten verfügbaren Stand der medizinischen Wissenschaft an. "Wir ermutigen Piloten, sich frühzeitig Hilfe zu holen, wenn sie eine psychische Erkrankung haben, da die meisten davon einen Piloten bei Behandlung nicht vom Fliegen ausschließen", teilte die Behörde mit.
Nach eigenen Angaben arbeitet die FAA noch an der Umsetzung der Empfehlungen eines Expertengremiums, das sie Ende 2023 einberufen hatte. Laut dessen Bericht werden etwa 20 Prozent der Piloten und Fluglotsen, die ein psychisches Problem melden, zunächst vom Dienst ausgeschlossen. Bis zur Genehmigung eines Antidepressivums kann demnach mehr als ein Jahr vergehen.
Neue Aufmerksamkeit hatte das Thema erhalten, nachdem Ende 2023 ein dienstfreier Pilot der Alaska Airlines angeklagt worden war, während eines Flugs versucht zu haben, die Triebwerke eines Jets abzuschalten. Der Polizei hatte er anschließend gesagt, er habe einen Nervenzusammenbruch erlitten.
Verkehrspiloten verschweigen psychische Erkrankungen häufig aus Angst, dass eine Therapie, Medikamente oder schon die Suche nach Hilfe zum Entzug ihrer Lizenz führen könnten. Damit gefährden sie sich selbst und ihre Passagiere. Für Medikamente gelten strenge Regeln. Ändern Piloten die Dosierung von Antidepressiva oder Angstlösern oder wechseln sie das Präparat gegen psychische Erkrankungen, kann ihnen ein Flugverbot von drei Monaten auferlegt werden.
*Hinweis: In diesem Artikel geht es um das Thema Selbstmord. Wenn Sie selbst depressiv sind und Suizid-Gedanken haben, dann kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge im Internet beziehungsweise über die kostenlosen Hotlines 0800/1110111, 0800/1110222 oder 116123 oder wenden Sie sich an ein Peer-Support-Programm bei Ihrem Arbeitgeber.