Einige US-Fluggesellschaften warten nicht auf eine mögliche gesetzliche Vorgabe, um ihre Flugzeuge mit einem zusätzlichen System zur Vermeidung von Zusammenstößen in der Luft nachzurüsten. Das sagte Alan Crawford, Vorstandsvorsitzender von Acron Technologies. Das Unternehmen rüstet Schmalrumpfflugzeuge des Herstellers Airbus mit der Technik Automatic Dependent Surveillance-Broadcast In (ADS-B-In) nach.
Acron hat bereits Schmalrumpfflugzeuge von American Airlines mit der ADS-B-In-Plattform ausgestattet. Nach Angaben von Crawford führt das Unternehmen Gespräche mit den meisten US-Fluggesellschaften, ein weiterer Auftrag könnte noch bis Jahresende folgen.
"Ich glaube nicht, dass die Branche abwartet, was am Ende aus legislativer Sicht durchkommt", sagte Crawford. "Wir führen gerade aktive Gespräche, in denen Kunden andeuten, dass sie noch bis Jahresende Bestellungen aufgeben wollen, aber man weiß es nie."
US-Gesetzgeber prüfen derzeit zwei Gesetzesvorschläge, die zu einer ADS-B-In-Pflicht führen könnten. Anlass ist der Zusammenstoß zwischen einem American-Airlines-Regionaljet und einem Black-Hawk-Hubschrauber der US-Armee im Januar 2025, bei dem 67 Menschen ums Leben kamen.
ADS-B-Out ist Pflicht, ADS-B-In nicht
US-Verkehrsflugzeuge müssen bereits mit ADS-B-Out ausgestattet sein, um ihre Position zu übermitteln. ADS-B-In ist dagegen eine optionale Technik. Mit ihr können Piloten Echtzeit-Verkehrsdaten anderer Flugzeuge im Cockpit empfangen.
Der US-Pilotenverband Air Line Pilots Association (ALPA) erklärte, er unterstütze eine gesetzliche ADS-B-In-Pflicht durch den Kongress. Sie solle das Situationsbewusstsein der Piloten verbessern und helfen, Zusammenstöße in der Luft zu verhindern. US-Sicherheitsbehörden untersuchten zuletzt mehrere Beinahe-Zusammenstöße.
Einem Brancheninsider zufolge bevorzugen es einige US-Fluggesellschaften jedoch, eine gesetzliche Regelung abzuwarten, bevor sie in neue Technik investieren. So wollen sie mögliche zusätzliche Kosten zur Erfüllung künftiger gesetzlicher Vorgaben vermeiden.
Crawford sagte, die Ausrüstung eines Flugzeugs mit ADS-B-In koste einen Betrag im Bereich von mehreren Zehntausend US-Dollar.
Weitere Sicherheitstechnik in der Entwicklung
Auch andere Technologien sollen bis Jahresende vorankommen. Die Cockpit-Sicherheitssoftware Surf-A von Honeywell Aerospace, die Kollisionen auf Start- und Landebahnen verhindern soll, soll noch in diesem Jahr zertifiziert werden.
United Airlines teilte mit, neue Großraumflugzeuge sollten künftig bereits mit ADS-B-In ausgeliefert werden. Die Fluggesellschaft arbeite nach eigenen Angaben mit der US-Luftfahrtbehörde FAA und anderen zusammen, um die Technik auch für weitere Flugzeugtypen zu erhalten.
Delta Air Lines verwies eine Anfrage zur Stellungnahme an den US-Fluggesellschaftsverband Airlines for America. Dieser war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.