Sun Express will in Antalya einen eigenen Wartungshangar bauen und neben der Line Maintenance künftig auch die Base Maintenance selbst übernehmen. Das sagte Marcus Schnabel, der die deutsch-türkische Ferienfluggesellschaft seit Februar führt, bei einem Pressegespräch in Frankfurt. Freie Kapazitäten will Sun Express am Drittmarkt anbieten.
Das Projekt befindet sich nach Schnabels Angaben in der Planungs- und Genehmigungsphase. Nach aktuellem Stand soll der Bau Mitte 2027 beginnen, die Fertigstellung ist für Herbst 2029 vorgesehen. Sun Express prüfe, ob sich der Zeitplan noch beschleunigen lasse, sagte Schnabel.
"Unseren Hangar werden wir rein selbst finanzieren", sagte Schnabel. Zur Höhe der Investition machte er keine Angaben. Der Wartungsbetrieb soll zunächst innerhalb der Airline angesiedelt sein und nicht als eigene Gesellschaft entstehen. Der neue Hangar ist auf neun Bays für Kurzstreckenflugzeuge ausgelegt.
Eigener Bereich für Triebwerksarbeiten
Zum Hangar soll auch ein kleiner Bereich für Triebwerksarbeiten gehören, den Sun Express als "Mini Engine Shop" bezeichnet. Dort will die Airline kleinere Arbeiten an Triebwerken selbst erledigen, weil das Abnehmen und der Transport von Triebwerken einen großen Aufwand bedeuteten.
Mit den Leap-Triebwerken ihrer Boeing 737 Max ist Sun Express nach Schnabels Angaben bei Leistung und Effizienz zufrieden. Die Triebwerke seien aber wartungsintensiver als die Bestandstriebwerke.
Bislang erledigt Sun Express lediglich die Line Maintenance selbst. Die Base Maintenance ist aufgeteilt, einen großen Teil übernimmt Turkish Technic. Mit der Instandhaltung der Triebwerke hatte Sun Express im Januar Lufthansa Technik beauftragt. Die Fünfjahresverträge umfassen die CFM56-7B-Triebwerke der 737-800 und die Leap-1B-Triebwerke der 737 Max 8.
Die Airline betreibt derzeit 86 Flugzeuge, 64 weitere Boeing 737 Max sollen in den kommenden Jahren hinzukommen. Sun Express hat ihren Hauptsitz in Antalya und betreibt neben Antalya auch Basen in Izmir, Ankara und Dalaman. Nach eigenen Angaben beschäftigt die Airline mehr als 4500 Mitarbeiter.
Den Fachkräftebedarf bei Piloten und Mechanikern bezeichnete Schnabel dabei als branchenweites Thema. Sun Express arbeite deshalb seit dem vergangenen Jahr in der Türkei mit Universitäten zusammen – die ersten Mechaniker aus dieser Kooperation seien bereits im Unternehmen. Auch ein eigenes Trainingszentrum in Antalya prüft die Airline.
Mögliche Kooperation mit Turkish Technic
Turkish Technic verfügt hinter dem geplanten Sun-Express-Gebäude über ein eigenes Grundstück, auf dem ebenfalls ein Hangar entstehen soll. Ob dieser für Lang- oder Kurzstreckenflugzeuge ausgelegt wird, sei noch offen, sagte Schnabel. Beide Unternehmen wollen prüfen, ob sie in Zukunft auch in Sachen MRO stärker kooperieren können. Denkbar seien etwa Arbeiten für Turkish Airlines, die ebenfalls in größerem Umfang Boeing 737 Max bestellt hat.
Turkish Airlines und Turkish Technic hatten mit CFM zuletzt eine Absichtserklärung über mehr als 300 Leap-1B-Triebwerke unterzeichnet. CFM soll zudem beim Aufbau einer Triebwerkswartung helfen.
