Airbus stellt sich nach dem Qualitätsproblem bei der A321 Neo Insidern zufolge auf weniger Auslieferungen im September ein als erwartet. Insgesamt 20 Flugzeuge des Typs seien wegen des Mangels ins vierte Quartal gerutscht, sagte eine von zwei Quellen aus der Branche gegenüber Reuters. Mehrere Fluggesellschaften nähmen die Flugzeuge aber weiterhin ab.
Airbus wollte sich zu unvollständigen Monatszahlen nicht äußern. Am Freitag hatte der Hersteller erklärt, an seinen Zielen für das Gesamtjahr ändere sich nichts.
Für die Kunden sollen die Folgen des Mangels zudem geringer ausfallen als zunächst befürchtet. Airlines, die weiterhin Flugzeuge übernehmen, erhalten nach Informationen aus dem Umfeld zwei Jahre Zeit, um das betroffene Bauteil zu reparieren, statt des üblichen Wartungszyklus von vier Jahren.
Die Arbeiten sollen demnach bis zu neun Tage dauern, davon zwei bis drei Tage für die eigentliche Reparatur. Das ist weniger, als einige Analysten befürchtet hatten, weil die Teile nicht aus der Rumpfschale ausgebaut werden müssen.
Nach Angaben von Airbus sind etwa 500 Flugzeuge betroffen, darunter 250 in verschiedenen Produktionsstadien. Die Flugsicherheit ist nach Herstellerangaben nicht beeinträchtigt.
Ursache bei Zulieferer vermutet
Airbus und der italienische Konzern Leonardo untersuchen nach Informationen aus dem Umfeld einen Fehler beim Beschichtungsspezialisten Tesi, einem Unterauftragnehmer von Leonardo südlich von Neapel. Ingenieurteams beider Unternehmen seien dort im Einsatz, um die Behebung zu unterstützen und die Ursache zu finden. Diese sei bislang nicht identifiziert.
Tesi reagierte nicht auf Anfragen. Airbus wollte keine Zulieferer nennen. Leonardo bestätigte, dass Tesi zu seinen Zulieferern gehört, äußerte sich aber nicht dazu, ob das Unternehmen an den Arbeiten für Airbus beteiligt ist.
Entdeckt wurde der Mangel, als ein Airbus-Techniker Farbe von einem Rumpfteil abkratzte und darunter Lücken in der schützenden Grundierung fand. Airbus hatte das Problem nach einem Bericht des Fachportals "The Air Current" bestätigt.
Betroffen sind Stringer genannte Längsversteifungen in einem Abschnitt des vorderen Rumpfs der A321 Neo. Für diese Sektion hat Airbus zwei Lieferanten, Leonardo und die eigene Tochter Airbus Atlantic, früher Stelia, die insgesamt für den vorderen Rumpfbereich verantwortlich ist. Für die Beschichtung greift Leonardo Insidern zufolge auf einen einzigen Zulieferer zurück.
Zweites Rumpfproblem in weniger als einem Jahr
Die Grundierung soll Korrosion verhindern, die mit der Zeit am tiefsten Punkt des Rumpfs entstehen kann. Dieser Bereich, in dem sich Feuchtigkeit sammelt, wird in Anlehnung an die Seefahrt als Bilge bezeichnet. Bei einem neuen Flugzeug stellt das Fehlen der Grundierung kein unmittelbares Sicherheitsrisiko dar.
Analysten sehen durch den Fall neue Fragen zu Qualitätskontrollen und Schwachstellen in der Lieferkette aufgeworfen. Sie hatten bereits gewarnt, das zweite Problem am Rumpf in weniger als einem Jahr könne die Bemühungen von Airbus zusätzlich unter Druck setzen, die Auslieferungen zu beschleunigen und die Ziele im zweiten Halbjahr zu erreichen.
"Die Lieferkette ist immer noch nicht unter Kontrolle. Wir dachten, sie wäre es, aber das ist sie nicht", sagte Luftfahrtanalyst Rob Morris. "Es braucht nur ein Unternehmen, und plötzlich hat man ein Problem."