Qatar Airways hat ihre letzten Airbus A330 ausgemustert und einen Teil ihrer A330-Piloten an die ruandische Fluggesellschaft Rwand Air abgeordnet. Das berichtet Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen.
Hintergrund sei der anhaltende Iran-Krieg, der den Luftverkehr in der Golfregion beeinträchtigt und die weltweite Ausmusterung älterer Flugzeuge beschleunigt. Seit Kriegsbeginn haben sich die Kerosinpreise verdoppelt. Das beendet den branchenweiten Wettlauf um ältere Flugzeuge, mit denen Airlines nach der Corona-Pandemie die hohe Reisenachfrage bedient hatten.
Ein Sprecher von Qatar Airways sagte, es sei normal, dass die Airline ihre Flotte regelmäßig überprüfe und dabei "ältere Flugzeuge ausmustert und neuere, effizientere Flugzeuge einführt, sobald sie ausgeliefert werden". In den kommenden fünf Jahren erwarte das Unternehmen 138 neue Flugzeuge.
Gut ein Dutzend Piloten fliegen für Rwand Air
Qatar Airways hatte 2025 vier A330 von Oman Air geleast und wollte sie im laufenden Jahr weiter betreiben. Nach Angaben der Insider gingen die Flugzeuge jedoch nie in Dienst. Eines davon übernahm Rwand Air im Laufe des Jahres. Die übrigen stehen laut Flugverfolgungsdaten seit Monaten in Teruel in Spanien sowie in Doha abgestellt. Zwei der in Doha geparkten A330, die Qatar Airways vom Leasinggeber Jetran least, gehen im Oktober an Jetran zurück.
Mit Rwand Air ist Qatar Airways seit Langem eng verbunden, beide Airlines haben ein Codeshare-Abkommen. Gut ein Dutzend A330-Piloten wurden den Insidern zufolge zu Rwand Air abgeordnet. Einige von ihnen waren seit Kriegsbeginn nicht mehr im Linienbetrieb geflogen.
"Einer Gruppe von A330-Piloten der Qatar Airways wird eine freiwillige, kurzfristige Abordnung zu Rwand Air angeboten", bestätigte der Sprecher. Das Programm biete den Piloten wertvolle Flugpraxis und unterstütze zugleich den Flugbetrieb beider Airlines. Wie lange die Abordnung dauert, ließ er offen.
Rwand Air reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Im August hatte die Airline auf der Plattform X mitgeteilt, die erste von fünf erwarteten A330 übernommen zu haben.
Kapazität liegt zehn Prozent unter Vorjahr
Der Iran-Krieg trifft Airlines weltweit, besonders aber die Drehkreuze Dubai und Doha. Er hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Die Zahl der Flüge in der Region hat sich inzwischen annähernd auf das Vorkriegsniveau erholt.
Im September lag die angebotene Sitzplatzkapazität bei Qatar nach Daten des Flottenanalysedienstes Cirium Ascend noch immer zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Qatar Airways führt demnach im Schnitt zwölf Prozent weniger Flüge durch als vor einem Jahr und setzt vier Prozent weniger Flugzeuge ein. Laut Cirium ist die Airline aber auf Kurs, bis 2027 wieder bei Kapazität und Streckennetz zu wachsen.
"Die Airlines im Nahen Osten fliegen die Flugzeuge wegen der Beschränkungen bei der Nutzung des Luftraums dort weniger", hatte Dan Taylor, Leiter der Beratungssparte des Analysehauses IBA, im September gesagt. Zudem hat Qatar Airways einen Teil ihrer Transferpassagiere an konkurrierende Drehkreuze verloren.
Qatar Airways setzt weiter auf Wachstum
Trotz der schwächeren Nachfrage erwartet Qatar Airways, dass das Wachstum zurückkehrt, sobald sich die Lage in der Region entspannt. Die Airline will nach eigenen Angaben bald Piloten für ihre neueren Flugzeuge rekrutieren. In diesem Jahr übernahm sie jeweils zwei Großraumflugzeuge von Airbus und Boeing.
Zwischen September und Ende 2027 plant Qatar Airways nach Angaben des Sprechers sechs Flottenabgänge und 19 Neuzugänge. Für ihre Wachstumsziele bis in die 2030er-Jahre hat die Airline insgesamt noch 410 Flugzeuge bei Boeing und Airbus bestellt. Darunter sind 160 Maschinen, die beim Besuch von US-Präsident Donald Trump (Republikaner) in Katar im Mai 2025 angekündigt worden waren.