Lot-Mutter PGL übernimmt Condor

Die polnische Luftfahrtgruppe PGL um die Airline Lot hat sich im Bieterverfahren um Condor durchgesetzt. Beide Seiten profitieren von dem Deal. Mitarbeiter und auch die Bundesregierung sprechen von einem guten Signal.

Pressekonferenz zur Übernahme der Condor durch die Lot-Mutter PGL am 24.01.2020. © Chris Christes

Der Mutter-Konzern der polnischen Fluggesellschaft Lot übernimmt den angeschlagenen Ferienflieger Condor. Die Polish Aviation Groug (Polska Grupa Lotnicza, PGL) hat im Bieterrennen mehrere Finanzinvestoren ausgestochen, wie beide Unternehmen in Frankfurt mitteilten.

Damit fliegt der Ferienflieger Condor unter neuem Eigentümer weiter: Nach monatelanger Suche hat die angeschlagene Airline einen Käufer gefunden. Die Fluggesellschaft, die in den Sog der Thomas-Cook-Insolvenz geraten war, hat den Deal zusammen mit der PGL-Führung auf einer Pressekonferenz verkündet.

Durch den Zusammenschluss sollen nach Unternehmensangaben jährlich mehr als 20 Millionen Fluggäste befördert werden. Condor soll weiterhin unter ihrem derzeitigen Management geführt werden. Die Kunden von Condor würden "auch zukünftig die gewohnte Qualität, Service und Zuverlässigkeit genießen", erklärte Condor. Die Transaktion soll voraussichtlich bis April 2020 abgeschlossen sein, sobald die kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen und Condor das Schutzschirmverfahren beendet hat.

Es gibt keine Unsicherheiten mehr, Condor hat wieder eine Zukunft, das möchte ich allen sagen.

Lot-Ceo Rafal Milzcarski

PGL soll nach der Übernahme des Ferienfliegers Condor die staatlichen Hilfskredite schnell zurückzahlen. Die Investition von PGL werde es Condor ermöglichen, das von der staatlichen Förderbank KfW erhaltene Darlehen "vollständig zurückzuzahlen", teilte der Ferienflieger mit. Das Darlehen werde im April zurückbezahlt, sagte Teckentrup. Über den genauen Kaufpreis machten beiden Seiten keine Angaben.

"Es gibt keine Unsicherheit mehr. Condor wird nicht nur überleben, sondern stark wachsen", versprach LOT-Chef Rafal Milczarski. Beide Marken seien stark und würden getrennt voneinander auftreten.

Der neue Eigentümer will nun die veraltete und viel Sprit fressende Langstreckenflotte von Condor so schnell wie möglich erneuern. Auch neue Märkte für Condor hat der Manager im Blick - er sieht Urlauber aus Polen und Ungarn als künftige Condor-Kunden.

© Chris Christes, Lesen Sie auch: Lot-CEO will Condor-Langstreckenflotte erneuern und ausbauen

Lot ist Teil der der 2018 gegründeten Luftfahrtgruppe Polish Aviation Group (PGL), die zu 100 Prozent im Besitz des polnischen Staates ist. Neben dem Flugbetrieb gehören auch ein MRO-Betrieb (Lot Aircraft Maintenance Services), der Bodendienstleister LSAS, die LS Technics sowie die PGL-Leasing zur Gruppe.

Die Bundesregierung bezeichnete den Verkauf der Fluggesellschaft an die polnische Airline LOT als "gutes Signal". Das sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin. Der staatliche Überbrückungskredit vom vergangenen Herbst an Condor sei gewährleistet worden, damit die Gesellschaft über die "klassische Durststrecke" von Airlines im Winter komme. Der Verkauf habe nun erst einmal keine direkten Auswirkungen auf den Überbrückungskredit, dieser müsse genau so wie vorher zurückgezahlt werden.

Die Lot-Mutter PGL übernimmt Condor. Foto: © Chris Christes

Nach der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook im September hatte sich Condor nur mit einem staatlichen Überbrückungskredit in der Luft gehalten. Die Bundesregierung und das Land Hessen gaben ein Darlehen von 380 Millionen Euro, um die Suche nach einem Käufer zu erleichtern. Die Frankfurter Airline hatte in den vergangenen Jahren meist Gewinne eingeflogen und ist auch für deutsche Reiseveranstalter ein wichtiger Geschäftspartner.

Zuletzt waren im Bieterverfahren um Condor drei ernsthafte Interessenten in Medienberichten genannt worden: PGL, der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern und einem Co-Investor sowie als dritter Bieter die britische Investmentgesellschaft Greybull.

Ufo begrüßt Übernahme

Mit dem Verkauf an LOT endet für die knapp 5000 Condor-Beschäftigten eine Zeit der Ungewissheit. Bei dem Frankfurter Unternehmen sollen nun keine weiteren Jobs mehr abgebaut werden.

Zuge der Käufersuche hatte die Condor-Belegschaft Opfer gebracht, um die Gewinnaussichten zu verbessern. So sollen in der Frankfurter Verwaltung 170 Stellen wegfallen, außerdem stehen 150 Flugbegleiter-Jobs auf der Streichliste.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo begrüßte den Kauf der Condor durch Lot. Nach der "extremen Unsicherheit" für die Mitarbeiter der Airline in den vergangenen Monaten, sei es eine "sehr gute Nachricht, dass nun ein Käufer gefunden ist". Mit der Lot übernehme "eine selbst auf Wachstum ausgerichtete Airline mit dementsprechender Power die Verantwortung für fast 5000 Condorianer", erklärte die Ufo-Vorsitzende Sylvia De la Cruz.

Condor-Chef Ralf Teckentrup stellte klar, über den bereits bekannten Personalabbau hinaus seien keine Kürzungen geplant. Weitere Stellen sollen bei Condor nach der Übernahme nicht wegfallen. "Ich brauche alle diese Mitarbeiter, um das Geschäft und die Zukunft von Condor zu entwickeln", sagte Milczarski.

Von: dk, br mit dpa, afp

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