Adani Enterprises, Teil der Adani Group des indischen Milliardärs Gautam Adani, hat einem Bericht über mögliche Pläne für eine eigene Fluggesellschaft widersprochen. Das Unternehmen erklärte, es werde derzeit kein entsprechender Vorschlag zum Einstieg ins Airline-Geschäft geprüft.
Zuvor hatte "Reuters" unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, die Adani-Gruppe erwäge die Gründung einer neuen Fluggesellschaft, die den von Indigo und Air India dominierten indischen Markt verändern könnte.
Den Angaben der ersten Person zufolge war eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen. Die Gruppe wäge weiterhin ab, ob sie eine Airline gründen solle, da es sich um ein riskantes Geschäft handle, in dem es schwierig sei, Geld zu verdienen. Eine der geprüften Optionen sei auch der Einstieg bei einer bestehenden Fluggesellschaft gewesen, sagte die zweite Person und fügte hinzu, dass "alle Optionen" auf dem Tisch lägen.
Hintergrund der ursprünglichen Meldung
Der Schritt wäre einer Strategieänderung des Konzerns gewesen, der unter anderem acht Flughäfen in Indien betreibt, darunter zwei in Mumbai, und eine Expansionsstrategie im Umfang von elf Milliarden Dollar (rund 9,7 Milliarden Euro) verfolgt. Noch vor Kurzem hatte die Gruppe erklärt, nicht ins Airline-Geschäft einsteigen zu wollen.
Die ursprünglichen Überlegungen sollen laut den Quellen entstanden sein, nachdem die indische Regierung Unternehmensgruppen, darunter auch Adani, informell dazu ermuntert habe, über die Gründung einer Fluggesellschaft nachzudenken. Hintergrund seien die verschärfte Kontrolle von Air India seit dem Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr sowie die operativen Probleme von Marktführer Indigo, die im Dezember 2025 zu weitreichenden Flugausfällen geführt hätten, hieß es.
Adani Enterprises ist das Flaggschiffunternehmen der Adani Group, die neben Häfen und Flughäfen auch in den Bereichen Energie, Bergbau, Zement und Medien tätig ist. Adani gilt mit einem Vermögen von rund 89 Milliarden Dollar als zweitreichster Mensch Asiens. Ein Einstieg in die Luftfahrtbranche wäre eine der gewagtesten Wetten in der Karriere des Milliardärs gewesen. Hohe Steuern, starker Wettbewerb und Probleme in der Lieferkette hatten in den vergangenen 15 Jahren bereits die indischen Fluggesellschaften Kingfisher, Jet Airways und Go First in die Pleite getrieben.
Indien zählt zu den am schnellsten wachsenden Luftfahrtmärkten der Welt, doch die Dominanz zweier Anbieter bereitet Beobachtern Sorge: Indigo kommt im Inlandsmarkt auf einen Anteil von 65,4 Prozent, Air India auf 25 Prozent. Indiens Zivilluftfahrtministerium reagierte zunächst nicht auf Anfragen von "Reuters".