Die indische Fluggesellschaft Indigo verhandelt mit Embraer über den Kauf von 100 Regionaljets. Hinzu kommen Optionen auf rund 50 weitere Flugzeuge, sagten drei mit der Angelegenheit direkt vertraute Personen. Es wäre einer der größten Aufträge, die der brasilianische Flugzeughersteller je erhalten hat.
Die Gespräche befänden sich in einem frühen Stadium, ein Abschluss sei nicht sicher, sagten die Insider, die namentlich nicht genannt werden wollten. Das Flugzeugmuster sei noch nicht festgelegt, auch die Stückzahl könne sich noch ändern. Auslieferungen dürften nach Angaben von zwei der Personen frühestens 2030 beginnen.
Indigo und Embraer waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Zu Listenpreisen hätte ein Auftrag über 100 Flugzeuge einen Wert von mehreren Milliarden US-Dollar. Bei solchen Geschäften sind Rabatte allerdings üblich.
Embraer wirbt um indische Airlines
Für Embraer wäre ein Abschluss ein wichtiger Erfolg in Indien, dem drittgrößten Inlandsluftverkehrsmarkt der Welt. Die Airlines dort bauen ihre Flotten aus, um die langfristige Nachfrage zu bedienen. Bislang betreibt mit der kleinen Regionalfluggesellschaft Star Air nur eine indische Airline Embraer-Jets.
Embraer bewirbt seine Regionaljets gezielt bei indischen Fluggesellschaften. In diesem Jahr unterzeichnete der Hersteller mit Adani Defence & Aerospace eine unverbindliche Vereinbarung, um eine Endmontagelinie in Indien zu prüfen. Sie betrifft die E175-E1 der älteren Generation mit bis zu 88 Sitzen.
Embraer-Vorstandsvorsitzender Francisco Gomes Neto hatte im März gesagt, die Pläne für die Endmontage hingen von Bestellungen über mindestens 200 Flugzeuge ab. Kämen die Aufträge bis Ende des Jahres zustande, könnten in Indien montierte Jets ab 2028 ausgeliefert werden.
Daneben baut Embraer die größeren E190-E2 und E195-E2 mit neueren, sparsameren Triebwerken. Sie bieten Platz für bis zu 114 beziehungsweise 146 Passagiere.
Indigo will Flotte auf 600 Flugzeuge ausbauen
Mit Embraer-Jets könnte Indigo mehr Strecken in Regionen des Landes aufnehmen und einen Teil ihrer ATR-Turboprops ersetzen. Auf bestehenden Strecken ließen sich so mehr Sitze anbieten.
Die Flotte der Airline besteht überwiegend aus Schmalrumpfflugzeugen von Airbus, hinzu kommen 44 ATR-Turboprops. Bis 2030 will Indigo auf rund 600 Flugzeuge wachsen, im September waren es 442. Willie Walsh ist seit August Vorstandsvorsitzender von Indigo. Er hatte angekündigt, die Langstrecke auszubauen. Das Low-Cost-Geschäft auf der Kurzstrecke solle darunter nicht leiden.
