Condor hat ihren Jahresabschluss für das vergangene Geschäftsjahr 2024/25 (zum Ende September) nach einem anderen Bilanzierungsstandard ausgestellt als in den Jahren zuvor. Hatte die als GmbH geführte deutsche Ferienfluggesellschaft bislang stets nach HGB-Standards bilanziert, wurde für die am Donnerstag präsentierten Zahlen der internationale Buchhaltungsstandard IFRS genutzt.
"Wir berichten in diesem Jahr erstmals nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS", erklärte eine Unternehmenssprecherin auf airliners.de-Anfrage.
Die Umstellung verändert die Außenwirkung der Zahlen erheblich: So beträgt beispielsweise der Nettoverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr 110 Millionen Euro nach IFRS. Wer das mit dem im Vorjahr kommunizierten Verlust vergleicht, erkennt den großen Unterschied.
Aktuell gibt Condor an, dass der Verlust im abgelaufenen Jahr um 13,7 Prozent höher ausgefallen sei, als im Jahr davor. Demnach standen im Geschäftsjahr 2023/24 nach IFRS satte 97 Millionen Euro als Verlust unterm Strich. Ausgewiesen hatte Condor damals nach HGB aber "nur" einen Verlust von 62 Millionen Euro.
Beide Arten der Bilanzierung seien korrekt, heißt es bei mit der Materie vertrauten Analysten. Dennoch mache sich die Airline nach Jahren erfolgloser Suche nach neuen Investoren nun ein Stück weit "ehrlicher".
Leasingflotte als Knackpunkt
Der Schlüssel für die große Abweichung liegt unter anderem in der Bilanzierung von Leasing-Assets nach "IFRS 16". Das ist der internationale Buchhaltungsstandard, der seit 2019 für börsennotierte Unternehmen verpflichtend ist.
IFRS schreibt vor, Leasingverbindlichkeiten vollständig in der Bilanz auszuweisen. Das operative Ergebnis enthält allerdings keinerlei Leasingkosten – erst der Nettoverlust von 110 Millionen Euro zeigt, welch hohe Finanzierungslast die moderne Flotte bei Condor auf die Bilanz ausübt. Denn die Zinsen auf diese Schulden belasten nach IFRS das Nettoergebnis.
Dennoch verwies Condor bei der Präsentation der Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den positiven operativen Trend: Das operative Betriebsergebnis sei im Geschäftsjahr 2024/25 um 25,2 Prozent auf 151 Millionen Euro gestiegen, die Ebit-Marge habe sich weiter verbessert.
Bessere Vergleichbarkeit für Investoren
Der plötzliche Wechsel auf IFRS hat bei Condor laut offiziellem Statement den Hintergrund der "besseren Vergleichbarkeit". "Insbesondere die Vergleichbarkeit mit anderen Airlines werde deutlich verbessert", sagte die Sprecherin auf Anfrage. In der Tat bilanzieren alle börsennotierten Airlines – etwa Lufthansa, Ryanair und Easyjet – nach IFRS.
Condor-Mehrheitseigentümer Attestor sucht seit längerem nach einem Partner für Condor. Ziel beim Einstieg vor gut fünf Jahren war ein Verkauf nach erfolgreicher Sanierung. Dieses Ziel wird nun wohl nicht mehr erreicht.
Im Herbst 2025 hatte Attestor daher bereits über die Investmentbank Barclays einen formellen Suchprozess für strategischen Partner für seine Airline-Holding gestartet, die neben Condor auch noch die estnische Marabu umfasst – auch das bislang allerdings offenbar ohne Erfolg.
Am 30. September läuft nun die staatliche Kreditkonstruktion aus, die Condor seit der Thomas-Cook-Insolvenz 2019 begleitet. Der Druck, bis dahin einen Partner zu präsentieren, ist erheblich. Anderenfalls hält Attestor ein Vorkaufsrecht für die im Gegenzug frei werdenden Anteilen, die bislang eine staatlich kontrollierte Treuhandgesellschaft hält.
Für die Bewertung vor einem möglichen Komplettverkauf an Attestor soll Condor nun von externen Wirtschaftsprüfern bewertet werden. Eine transparentere Ausweisung hoher Leasing-Verbindlichkeiten sowie ein höherer Verlust unterm Strich im Vergleich zur HGB-Bilanzierung führt dabei nun zu einer niedrigeren Bewertung.
Für den Steuerzahler, der sich vom Verkauf einer sanierten Condor dagegen eine möglichst fette Rendite versprochen hatte, ist das allerdings weniger vorteilhaft. Eine von teuren Leasingkosten auch weiterhin deutlich verlustreich fliegende Condor war schließlich nicht das Ziel der staatlichen Rettungskredite.