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Eine A330 der Hainan Airlines. © AirTeamImages.com / Weimeng

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Der auch schon vor der Corona-Pandemie finanziell angeschlagene chinesische Mischkonzern HNA ist zahlungsunfähig. HNA besitzt unter anderem die chinesische Airline Hainan und ist einer der größten chinesischen Privatkonzerne.

Der unter anderem in den Bereichen Luftfahrt und Tourismus aktive Konzern könne seine Schulden nicht mehr begleichen, hieß es am Freitag in einer kurzen Mitteilung des Unternehmens. Die Gläubiger hätten die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sowie eine Umstrukturierung gefordert.

Man werde im "Interesse der Gläubiger" und in "Übereinstimmung mit dem Gesetz" den "reibungslosen Fortschritt der Unternehmensproduktion sicherzustellen", sprich den Betrieb vorerst weiterführen, heißt es in der kurzen Meldung zur Insolvenz, die HNA am Freitag veröffentlichte.

Auf die Aktivitäten der Hainan Airlines hat die Ankündigung Beobachtern zufolge noch keine Auswirkungen. Die Fluggesellschaft hatte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie unter anderem Berlin mit Peking verbunden. Aktuell bedient Hainan Airlines in Europa noch Brüssel und fliegt Fracht nach Budapest.

Flughafen Hahn muss um Mehrheitseigentümer bangen

In Deutschland ist die von Beobachtern als wenig überraschend eingestufte Nachricht von der Insolvenz vor allem für den Flughafen Hahn Besorgnis erregend, der Flughafen gehört den Chinesen mehrheitlich. 2017 hatte HNA 82,5 Prozent des Flughafens Hahn für rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz gekauft.

Die restlichen 17,5 Prozent hält noch Hessen. Das Finanzministerium in Wiesbaden teilte im November 2020 mit: "Wir haben kein strategisches Interesse am Flughafen Hahn." Hessen sei auch nicht für dessen Verluste aufgekommen. Das Bundesland sei weiter bereit, seinen Anteil an einen geeigneten Investor zu verkaufen.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium und das hessische Finanzministerium äußerten sich vorerst nicht zur Schuldenkrise von HNA. Auch die Hahn-Geschäftsführung äußerte sich nicht.

Der CDU-Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen Landtagswahl am 14. März, Christian Baldauf, erinnerte daran, dass das Bundesland seinen Anteil am Flughafen damals "quasi im Schlussverkauf" an HNA veräußert habe. Die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ihr Innenminister Roger Lewentz (beide SPD), müssten sich fragen lassen, ob sie von der Schieflage von HNA gewusst hätten: "Wurde ein Plan für den Hunsrück-Airport entwickelt?", so Baldauf, am Hahn würden Tausende Arbeitsplätze hängen.

Der Hunsrück-Flughafen Hahn verbucht in Corona-Zeiten weiterhin ein Minus bei den Passagierzahlen und ein Plus im Frachtgeschäft. Als Besonderheit in Deutschland hat der Hahn eine Nachtfluggenehmigung für Passagier- und auch Frachtverkehr. Mit dem Engagement der Chinesen gab es daher durchaus berechtigte Hoffnungen, dass der Airport von China auch als ein Brückenkopf seiner "Neuen Seidenstraße" zur Ausdehnung des internationalen wirtschaftlichen und politischen Einflusses gesehen werden könnte.

HNA unter staatlicher Kontrolle

HNA war vor gut einem Jahr im Wesentlichen unter die Kontrolle des chinesischen Staats gestellt worden. Das von der Regierung gestellte Management, das unter anderem aus Vertretern der Provinzregierung von Hainan und der Luftfahrtbehörde CAAC sowie der China Development Bank besteht, leitet seit März 2020 die Geschicke des Mischkonzerns.

Unter dem Druck Pekings, seine immensen Schulden abzubauen, hatte der HNA-Konzern im Ausland zuletzt sukzessive seine Anteile zurückgefahren, am Hahn aber bislang festgehalten. Seine Anteile am Schweizer Duty-Free-Betreiber Dufry und die Beteiligung an der Gategroup wurden dagegen verkauft. Daneben hatte HNA auch Anteile an der SR Technics erworben. Die Beteiligung steht offenbar ebenfalls zur Disposition. Zeitweise hielt HNA sogar knapp zehn Prozent Anteile an der Deutschen Bank, hat sich dort aber auch zurückgezogen.

HNA hatte laut Bloomberg zuletzt mit seinen Investitionen Schulden in Höhe von 75 Milliarden Yuan (rund 9,6 Milliarden Euro) angehäuft. Die chinesischen Regulierungsbehörden beobachten die rasche Entwicklung von HNA sowie anderen privaten Konzernen wie Wanda (Immobilien, Kinos, Freizeitparks), Fosun (Tourismus, Unterhaltung) oder Anbang (Versicherungen, Hotels) seit einiger Zeit mit Argwohn.

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