Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC erwartet den Launch der nächsten Flugzeuggeneration später als bisher. Vorstandsvorsitzender Robert Machtlinger rechnet im Interview mit airliners.de mit dem Start neuer Flugzeuge zwischen 2030 und 2035. Im September 2025 hatte er noch einen Zeitraum von 2028 bis 2030 genannt.
Den Grund sieht Machtlinger im Antrieb. Der "wirkliche Gamechanger" sei das Triebwerk, sagte er. Bevor neue Triebwerke nicht marktreif seien und eine signifikante Verbesserung gegenüber der heutigen Technologie böten, beginne kein großer Flugzeughersteller mit der Entwicklung neuer Flugzeuge. Hinzu kämen fast 19.000 fest bestellte Flugzeuge der aktuellen Generation. "Die jetzige Generation verkauft sich blendend", sagte Machtlinger.
Ein Launch werde interessant, wenn ein Triebwerk mindestens 15 bis 20 Prozent effizienter sei als heutige Triebwerke. Eine Flugzeugentwicklung koste heute zweistellige Milliardenbeträge, sagte Machtlinger. Fluglinien dächten dabei wie die Hersteller. Bekämen sie kein signifikant besseres Flugzeug als das derzeitige, warteten sie lieber ab.
Mit dem Launch beginnen die Hersteller nach Machtlingers Darstellung vom September 2025, ein neues Flugzeug gemeinsam mit Airlines und Entwicklungspartnern zu definieren. Die Zertifizierung folge je nach Größe vier bis sechs Jahre später, hatte er damals gesagt. Einen Zeitpunkt für den Markteintritt nannte er im aktuellen Interview nicht. Ob zuerst ein neues Single-Aisle-Flugzeug oder ein neuer Widebody gelauncht wird, wollte er nicht prognostizieren. "Ich traue mir derzeit keine Prognose zu, weil jeder auf das Triebwerk der nächsten Generation wartet", sagte Machtlinger.
Das Klimaziel stehe durch die Verschiebung "nicht wirklich" infrage, sagte Machtlinger. Ziel sei es weiterhin, bis 2050 CO2-neutrale Flugzeuge anzubieten. Die Technologie solle bis dahin verfügbar sein. Man sei damit 2050 aber nicht "mit einem Schlag CO₂-neutral", sagte er.
FACC will ganze Flugzeugsektionen liefern
FACC will in der Struktur von Einzelbauteilen zu Gesamtsektionen übergehen, sagte Machtlinger. Heute baue das Unternehmen Landeklappen, Winglets, Spoiler und Bauteile am Triebwerk. "Ziel ist es, komplexer zu werden", sagte Machtlinger. So wolle FACC zum Beispiel ein komplettes Flugzeugheck bauen.
Am Tragflügel könne das Unternehmen die gesamte hintere Flügelsektion anbieten, von Landeklappe, Spoiler und Querruder bis zu aerodynamischen Verkleidungen. In der Kabine sei FACC "schon sehr komplett". Mehr Integration sei dort etwa bei Entertainmentsystemen denkbar.
Das Unternehmen nenne diesen Ansatz "systemkritisch", sagte Machtlinger. FACC habe heute schon 450 Patente und wolle diese weiter ausbauen. Konkrete Aufträge für komplette Sektionen nannte er nicht.
Größere Bauteile erleichtern nach Machtlingers Angaben die Automatisierung, etwa beim Lackieren. Für den Neubau in St. Martin im Innkreis, in dem Höhen- und Seitenruder entstehen sollen, ist laut FACC ein separater Forschungsbereich vorgesehen. Dort sollen Produktionsprozesse und Technologien für die nächste Generation von Verkehrsflugzeugen entwickelt werden.
Das Wachstum durch höhere Produktionsraten erschöpfe sich nach dem Ratenhochlauf, sagte Machtlinger. Die Raten ließen sich nicht unbegrenzt steigern. Danach wolle FACC über das Drohnengeschäft und den Gewinn von Marktanteilen wachsen. Dazu baue das Unternehmen Komponenten, die früher Mitbewerber gebaut hätten.
