Eurocontrol hat für die vergangenen Sommermonate deutlich mehr Flugverkehr bei gleichzeitig weniger Verspätungen registriert als im Vorjahr. Wie die Organisation mitteilte, stieg die Zahl der täglichen Flüge zwischen Juni und August auf durchschnittlich 35.959 – ein Plus von 2,4 Prozent. Die Verspätungen durch die Verkehrsflussregelung (Air Traffic Flow Management, ATFM) sanken dagegen um 17 Prozent auf 3,3 Minuten je Flug, während die Ankunftspünktlichkeit um 1,2 Prozentpunkte auf 72,6 Prozent zulegte – nachdem sich die Pünktlichkeit bereits im Sommer des Vorjahres deutlich verbessert hatte.
Von den ATFM-Verspätungen entfielen 2,6 Minuten je Flug auf das Streckennetz und 0,7 Minuten auf Flughäfen. Insgesamt waren nach Angaben von Eurocontrol rund 681.000 Flüge von Verkehrsflussregelungen betroffen, im Schnitt rund 7400 pro Tag oder 21 Prozent aller Flüge.
Bei den Verspätungen im Streckennetz ging der größte Anteil mit 49 Prozent auf Kapazitäts- und Personalengpässe bei der Flugsicherung zurück, gefolgt von schweren Gewittern mit 43 Prozent. Arbeitskämpfe verursachten lediglich ein Prozent der Verspätungen, die restlichen sieben Prozent entfielen auf sonstige Ursachen. Durch die fortlaufende Anwendung der sogenannten Capacity and Weather-Based Operations (CWBO), eines Verfahrens zur Steuerung von Kapazität und Wetterlagen, sparte das Netzwerk laut Eurocontrol im Sommer 2,9 Millionen Minuten an Streckenverspätungen ein, seit dem 1. Mai insgesamt 3,1 Millionen Minuten.
Am 10. Juli verzeichnete das Netzwerk mit 37.640 Flügen laut Eurocontrol den bislang verkehrsreichsten Tag seiner Geschichte. Insgesamt wurden 66 Tagesrekorde aufgestellt, teils mehrfach – von 14 Staaten, 24 Kontrollzentralen (Area Control Centres, ACC), 16 Flughäfen und elf Fluggesellschaften beziehungsweise Airline-Gruppen.
Kapazitätsengpässe bleiben regional konzentriert
Trotz der Verbesserungen bleibt die Kapazität im europäischen Luftraum ein strukturelles Problem, wie Eurocontrol weiter mitteilte. Von den 68 im Netzwerk erfassten Kontrollzentralen sind nach Einschätzung von Eurocontrol 45 auf dem Weg, das europaweite Kapazitätsziel bis zum Jahresende zu erreichen. Zehn weitere Zentralen gelten als auf Kurs, werden aber weiterhin durch schlechtes Wetter oder die andauernde Nahost-Krise beeinträchtigt. 13 Zentralen drohen das Ziel zu verfehlen.
Als Hauptursache nannte Eurocontrol den anhaltenden Mangel an Fluglotsen bei einzelnen Flugsicherungsdienstleistern sowie den Bedarf an einem verbesserten Luftraumdesign und einer schnelleren technischen Modernisierung.
Bei der Umsetzung des Network Operations Plan (NOP) traten die größten Probleme laut Eurocontrol nur bei zwei Kontrollzentralen auf, in Prestwick und Athen. 59 der 68 Zentralen hielten sich demnach im Sommer nahezu durchgehend an den Plan.
Die meisten Verspätungen im Streckennetz gingen dem Bericht zufolge auf Frankreich zurück, wo Personalengpässe bei der Flugsicherung zuletzt wiederholt zu Streiks geführt hatten, vor allem auf die Kontrollzentralen Marseille, Reims und Brest. Auch Spanien und Griechenland zählten zu den am stärksten betroffenen Ländern, wobei die Verspätungen in Griechenland unter anderem durch verkehrsbedingte Auswirkungen der Nahost-Krise zusätzlich zunahmen.
Nahost-Krise verschiebt Verkehrsströme
Die Krise im Nahen Osten prägte laut Eurocontrol auch die Verteilung des Flugverkehrs über den Sommer. Demnach ging der Verkehr in Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der Türkei zurück, während Albanien, Kroatien, Zypern, Griechenland, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien einen deutlichen Anstieg verzeichneten. Auch im Südwesten Europas setzte sich das Wachstum fort.
Die Krise trieb zudem die Treibstoffpreise auf einen historischen Höchststand. Zwischen Juni und August lagen sie im Schnitt bei 3,51 US-Dollar je Gallone und damit 61 Prozent über dem Vorjahreswert.
Eurocontrol bereitet Netzwerk auf Sommer 2027 vor
Die Netzwerkmanagement-Einheit von Eurocontrol (Network Manager, NM) wertet die Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer nun gemeinsam mit den operativen Akteuren aus, um sich auf den Verkehr im Sommer 2027 vorzubereiten. Im Mittelpunkt stünden dabei eine stabile Netzwerkplanung sowie verlässliche Prognosen, teilte die Organisation mit.
Als Schwerpunkte nannte Eurocontrol den Ausbau strategischer Verfahren für Wetter- und Kapazitätsmanagement, eine frühzeitige und konsequente Umsetzung des Network Operations Plan sowie optimierte Sektorenöffnungspläne mit passender Personalausstattung. Hinzu kämen ein verbessertes Dienstplanmanagement, eine fortlaufende Rekrutierung von Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie die Modernisierung des Luftraums durch neue Sektorisierungen. Auch die Beschleunigung der technischen und digitalen Modernisierung der Flugsicherungssysteme, etwa durch einen verstärkten Einsatz von Datalink-Technik, sowie eine spürbare Erhöhung der Sektorkapazitäten zählten laut Eurocontrol zu den Zielen für die kommende Saison.