Ein Engpass bei Flugzeugfenstern setzt derzeit mehreren Flugzeugherstellern und Wartungsbetrieben weltweit zu. Boeing rät Airlines, Fenster nur bei zwingender Notwendigkeit auszutauschen, auch beim Airbus A220 gibt es Lieferengpässe, ebenso bei Bombardier und Embraer. Auslöser ist eine Störung in einer Fabrik des Zulieferers GKN Aerospace in den USA.
Ein Überhitzungsvorfall an einem Tank in der GKN-Aerospace-Fabrik im Großraum Los Angeles hatte Ende Mai zur Evakuierung von rund 50.000 Anwohnern und einem vorübergehenden Produktionsstopp geführt. GKN Aerospace gehört zu den weltgrößten Herstellern von Cockpit- und Kabinenfenstern. Das Werk ist inzwischen teilweise wieder in Betrieb, Muttergesellschaft Melrose Industries will die volle Produktion bis Ende 2026 wiederherstellen.
Der Vorfall hat die bereits bestehenden Engpässe bei Flugzeugfenstern weiter verschärft. Boeing riet Airlines, Fenster nur dann auszutauschen, wenn es unbedingt notwendig ist. Auch für den Airbus A220 gab es Lieferengpässe, die jedoch laut einem mit dem Programm vertrauten Informanten die Produktion nicht verzögert hatten.
Auch Lufthansa Technik und Business-Jet-Hersteller betroffen
GKN beliefert neben Boeing-Modellen wie der 737 Max auch die A220 und die A350. Lufthansa Technik erklärte, die Versorgung mit Flugzeugfenstern beider Hersteller sei schon länger angespannt: "Die Lieferzeiten haben sich deutlich verlängert, während die Beschaffungskosten spürbar gestiegen sind." Bei den meisten Boeing-Mustern, die Lufthansa Technik wartet, würden Fenster nur noch eingebaut, wenn ein Flugzeug andernfalls am Boden bleiben müsste.
Der Engpass trifft auch Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen: Bombardier-Chef Eric Martel räumte ein, die GKN-Störung gehöre zu den Lieferkettenproblemen, die sein Unternehmen managen müsse.
Embraer hatte bereits vor dem Vorfall mit Fensterengpässen zu kämpfen. Die GKN-Störung hat die Lage nach Angaben einer mit der Situation vertrauten Person weiter verschärft.