Easyjet erwartet für das erste Geschäftshalbjahr einen Vorsteuerverlust zwischen 540 und 560 Millionen Pfund (rund 621 und 644 Millionen Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte der britische Billigflieger ein Minus von 394 Millionen Pfund verbucht.
Als Hauptursache nannte die Fluggesellschaft gestiegene Treibstoffkosten infolge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie höhere rechtliche Rückstellungen.
Die Easyjet-Aktie brach in London um rund sieben Prozent ein und zog dabei auch die Papiere der Konkurrenten Wizz Air und Ryanair mit nach unten.
Die Kerosinpreise sind kriegsbedingt auf bis zu 200 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Easyjet habe sich zwar für den Sommer zu 70 Prozent gegen Preisschwankungen beim Treibstoff abgesichert, sagte Unternehmenschef Kenton Jarvis. Die Volatilität wirke sich jedoch auf die ungesicherten Mengen aus. Im März seien dadurch Mehrkosten von 25 Millionen Pfund entstanden; hinzu kämen 30 Millionen Pfund für höhere rechtliche Rückstellungen. Sollten die Treibstoffkosten länger auf diesem hohen Niveau bleiben, werde dies branchenweit zu steigenden Ticketpreisen führen, warnte Jarvis.
Der Krieg verunsichere Passagiere und dämpfe die Nachfrage für den Sommer. Für das dritte Quartal seien bislang 63 Prozent der Tickets verkauft, nach 65 Prozent im Vorjahr. Im vierten Quartal – Juli bis September – lägen die Buchungen bei 30 Prozent; die Erwartungen an die Auslastung für diesen Zeitraum seien ungewiss. Kunden buchten zudem kurzfristiger, was die Vorausverfügbarkeit unter den üblichen Wert gedrückt habe. Die weitere Entwicklung der Sommerbuchungen hänge davon ab, was in den kommenden ein bis zwei Wochen im Nahen Osten geschehe, sagte Jarvis.
Kunden mieden derzeit Ziele wie die Türkei, Ägypten und Zypern – wobei die Nachfrage für diese Destinationen laut Jarvis langsam wieder ansteige. Dagegen gebe es eine starke Nachfrage nach Inlandsflügen und Zielen im westlichen Mittelmeerraum. Auch der Konkurrent Wizz Air hat bereits angekündigt, dass der Krieg den Jahresnettogewinn um 50 Millionen Euro belasten werde.
Easyjet verwies auf eine Liquidität von 4,7 Milliarden Pfund, die es dem Unternehmen ermögliche, das schwierige Betriebsumfeld zu bewältigen und an den mittelfristigen Zielen festzuhalten.