Deutsche Aircraft ist im Zulassungsverfahren für ein neu entwickeltes Fahrwerk vorangekommen. Der Regionalflugzeughersteller hat sowohl langsame als auch schnelle Rollversuche abgeschlossen und ist in die erste Runde der Flugerprobung eingestiegen, wie Deutsche Aircraft mitteilte.
Für die Erprobung dient eine bereits im Einsatz befindliche D328, die eigens zum fliegenden Testträger umgerüstet wurde. Fünf Entwicklungsflüge hat die Maschine bislang absolviert, alle vorgesehenen Prüfpunkte wurden dabei erfüllt. Anfang August hatte die Flugerprobung mit dem neuen System begonnen, inzwischen kommt das Flugzeug zusammen mit den Bodenversuchen auf über 15 Stunden Testzeit.
"Der erfolgreiche Abschluss der Rolltests sowie die ersten Flüge unserer für die Fahrwerkserprobung eingesetzten D328 sind ein wichtiger Meilenstein", sagte Deutsche-Aircraft-CEO Nico Neumann. "Die Ergebnisse bestätigen die Zuverlässigkeit des Fahrwerkssystems. Jetzt können wir den Zertifizierungsprozess fortsetzen und in die nächste Phase der Flugtests übergehen. Indem wir dieses entscheidende System unter unsere direkte Kontrolle bringen, können wir unseren Betreibern mehr Zuverlässigkeit, Ausfallsicherheit und langfristigen Support bieten."
Neben der für die Fahrwerkserprobung eingesetzten Maschine baut Deutsche Aircraft für die eigentliche Zulassung der D328 Eco drei weitere Prototypen, intern TAC 1 bis TAC 3 genannt, mit zusammen rund 1500 geplanten Flugstunden bis Ende 2027. TAC 1 und TAC 2 entstehen in Oberpfaffenhofen aus zusammengefügten Rumpfsegmenten nie ausgelieferter Dornier-328-Maschinen. TAC 3 soll als erstes Flugzeug mit überwiegend neu gefertigten Bauteilen in der neuen Endmontagelinie in Leipzig gebaut werden. Für die Fahrwerkserprobung setzt der Hersteller dagegen auf eine ältere, zuvor komplett überholte Dornier 328-100, die anders als die drei Prototypen weder gestreckt noch zerschnitten, sondern lediglich mit dem neuen Fahrwerk ausgerüstet wurde – das sich später in alle Baureihen der D328-Familie einbauen lassen soll.
Deutsche Aircraft übernimmt Kontrolle über die Fahrwerksarchitektur
Flugzeugbauprogramme der Regionalluftfahrt kämpfen laut Deutsche Aircraft mit ihren Fahrwerken. Wer auf externe Zulieferer angewiesen sei und nicht über die Rechte am geistigen Eigentum verfüge, riskiere dadurch Lieferengpässe bei Ersatzteilen, ein aufwendiges Management über den Produktlebenszyklus und Unsicherheiten im laufenden Betrieb. Als Reaktion darauf wechselte Deutsche Aircraft den Zulieferer für das Fahrwerk und ließ sich sämtliche Patent- und Nutzungsrechte am System übertragen. Nach eigenen Angaben kann Deutsche Aircraft dadurch künftig selbst über Modernisierungen entscheiden, die Ersatzteilversorgung auf lange Sicht absichern, die Lieferkette robuster aufstellen und eine gemeinsame Konstruktion für die D328 und die D328 Eco schaffen.
Von dem Schritt profitieren nach Darstellung von Deutsche Aircraft nicht nur die Entwicklung der D328 Eco, sondern auch die bereits im Einsatz stehende D328-Flotte weltweit. Eine über beide Baureihen hinweg vereinheitlichte Bauweise soll Wartung und Ersatzteilbeschaffung erleichtern, den Support über die gesamte Produktlebensdauer verbessern und Lieferzeiten für Bauteile planbarer machen.
Zertifizierung geht in die nächste Phase
Mit den abgeschlossenen Rollversuchen und der ersten Erprobungsrunde in der Luft geht das Zulassungsprogramm nun in die nächste Runde, der eigens umgerüstete D328-Testträger bleibt dabei im Einsatz. Anstehend sind unter anderem Prüfungen der Bremswirkung, Versuche zum Lenk- und Rollverhalten am Boden, Erprobungen unter Seitenwindbedingungen sowie Landungen auf nicht befestigten Pisten. Hinzu kommen strukturelle Belastungstests sowie Prüfungen zu Lebensdauer und Zuverlässigkeit des Systems. Die gesammelten Messwerte fließen laufend in das Zulassungsverfahren und die technische Weiterentwicklung des D328-Eco-Programms ein.
"Der Einsatz einer bestehenden D328 als speziell ausgerüsteter fliegender Prüfstand ermöglicht es uns, das Fahrwerkssystem effizient über das gesamte Einsatzspektrum hinweg zu validieren, von strukturellen Bodentests über Rolltests bis hin zur Flugerprobung", erklärte Aaron Tsang. Der Head of Design Organisation und Vice President Engineering bei Deutsche Aircraft ergänzte: "Die Ergebnisse liefern uns wertvolle Daten und zeigen zugleich, wie effektiv unser Entwicklungs- und Zertifizierungsansatz für das D328-Eco-Programm ist."
Die D328 Eco ist eine gestreckte und modernisierte Weiterentwicklung der Dornier 328, mit der nach rund 20-jähriger Pause seit der Fairchild-Dornier-Insolvenz von 2002 wieder ein Verkehrsflugzeug vollständig in Deutschland gefertigt werden soll. Das 40-sitzige Turboprop-Flugzeug erhält gegenüber der Legacy-Version einen um 2,2 Meter verlängerten Rumpf, neue Triebwerke des Typs "Pratt & Whitney"-PW127XT-S mit rund 20 Prozent mehr Leistung sowie ein neues Garmin-Glascockpit. Die Serienfertigung soll in einer neuen Endmontagelinie am Flughafen Leipzig/Halle stattfinden, für die Deutsche Aircraft rund 100 Millionen Euro investiert. Die Anlage soll bis zu 350 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 48 Maschinen pro Jahr produzieren können.