Der Reisekonzern Dertour hat nach der umfassenden Reisewarnung des Auswärtigen Amtes alle Reisen in Länder des Nahen Ostens abgesagt. Alle Reisen bis einschließlich 5. März seien gestrichen, teilte das Unternehmen mit. Betroffen seien die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Oman, Jordanien, Israel und Kuwait.
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind aktuell rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter in der Krisenregion betroffen. Bei Dertour befinde sich eine niedrige vierstellige Zahl von Gästen derzeit in den betroffenen Gebieten. Betroffene Kunden könnten kostenfrei umbuchen oder erhielten ihr Geld zurück.
Grund für die Probleme bei der Rückreise sind Sperrungen von Lufträumen in der Region, deren Dauer nicht abzusehen sei. Gäste, die deswegen nicht nach Hause fliegen könnten, würden vor Ort betreut, hieß es weiter. Die Reiseleitungen kümmerten sich um die Verlängerung der Hotelunterbringung oder stellten alternative Zimmer zur Verfügung. Über neue Rückreisemöglichkeiten werde man schnellstmöglich informieren und Gäste bei Transferfahrten begleiten.
Die Luftraumsperrungen betreffen auch Reisende, die Flugverbindungen über Drehkreuze im Nahen Osten gebucht haben. Für diese Passagiere suchten die Teams nach alternativen Flugverbindungen. Wo dies nicht möglich sei, würden kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen angeboten. Der Konzern habe Krisenteams im Einsatz und eine rund um die Uhr erreichbare Hotline für betroffene Kunden der Veranstaltermarken Dertour, ITS und Meiers Weltreisen eingerichtet.
Tourismusausschuss: Sicherheit hat Priorität
Die Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, Anja Karliczek (CDU), stellte den Schutz der Gestrandeten in den Mittelpunkt. "Die Sicherheit der in der Krisenregion gestrandeten Urlauber und Reisenden hat für uns natürlich höchste Priorität", sagte die CDU-Politikerin der "Deutschen Presse-Agentur".
Israel und die USA hatten am Samstagmorgen Luft- und Raketenangriffe auf Ziele im Iran begonnen. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion.
Karliczek zeigte sich zuversichtlich, dass Behörden und Tourismuswirtschaft nach einer schnellen Analyse der Lage die nötigen Schritte einleiten werden. "Dann hoffen wir alle, dass den festsitzenden Urlaubern in der Krisenregion schnell die Ausreise über reguläre und sichere Wege möglich sein wird", sagte sie.
Urlauber-Rückholung mit Bundeswehr letzte Wahl
Bei der Rückholung der im Nahen Osten gestrandeten deutschen Urlauber sieht die Bundesregierung vorrangig die Reiseveranstalter und Fluglinien in der Pflicht. "Die Bundeswehr ist wirklich das letzte Mittel der Wahl", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der Bundespressekonferenz in Berlin. Das Auswärtige Amt unterstützt die Bundesbürger aber nach Angaben eines Sprechers mit allen Möglichkeiten und steht "in allerengstem Kontakt" mit der Reiseindustrie. "Uns geht es darum, gemeinsam Lösungen für unsere Landsleute zu finden."
Die Bundesregierung bereitet derzeit dennoch die Entsendung von Flugzeugen in den Nahen Osten vor, um dort gestrandete deutsche Touristen nach Hause zu holen. Die Maschinen sollen nach Maskat im Oman und in die saudische Hauptstadt Riad geschickt werden, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul in Berlin. Dort seien die Lufträume noch geöffnet, Sicherheit gehe bei der Entsendung allerdings vor. Er habe mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr gesprochen, und die Airline habe grundsätzlich Kapazitäten.
Deutsche Reisende im Nahen Osten sollten sich nach Angaben des Tourismus-Koordinators der Bundesregierung, Christoph Ploß, in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts registrieren. So wisse das Ministerium, wer vor Ort ist, und könne gezielt über neue Entwicklungen informieren, sagte der CDU-Politiker.