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Condor-Wartung in Düsseldorf. © Condor

Der mehrmals verlängerte Corona-Lockdown wirft die Pläne der Airlines, im ersten Halbjahr des neuen Jahres zumindest in Ansätzen zu wirtschaftlicher Stabilität zurückzukehren, zusehends über den Haufen. Zwar kommt es für Destinationen, für die Öffnungsschritte beschlossen werden - etwa auf Mallorca - zu einem raschen Anstieg der Buchungen, wie auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Bilanzvorlage seines Konzerns mehrmals betonte. Doch insgesamt ist das Buchungsniveau weiterhin bescheiden. Für das Sommergeschäft der Reiseveranstalter habe das Neubuchungsvolumen in den vergangenen Wochen bei 20 Prozent des Vorkrisenniveaus gelegen, gab der Deutsche Reiseverband (DRV).

Die verzögerte Erholung bringt auch Condor erneut in Bedrängnis. Womöglich braucht der Ferienflieger wenige Monate nach dem erfolgreichen Abschluss eines Schutzschirmverfahrens frisches Geld. Die Nachfrage entwickele sich langsamer als im vergangenen Jahr angenommen, man setze sich derzeit "mit den Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung auseinander", erklärte die Airline auf Anfrage von airliners.de. Dazu würden bereits "konstruktive Sondierungsgespräche" geführt.

Auf Nachfrage, ob es dabei um eine Ausweitung der bestehenden KfW-Kreditlinie im Rahmen der Corona-Hilfen, andere Instrumente staatlicher Hilfen oder Liquiditätsbeschaffung am Kapitalmarkt gehe, wollte eine Sprecherin vorerst nicht ins Detail gehen. Letzteres dürfte aufgrund der derzeitigen Eigentumsverhältnisse jedoch unwahrscheinlich sein.

Von einer unverschuldeten Krise in die nächste

Die Lockdown-Verlängerung und weitere Reisebeschränkungen aufgrund der Virusvarianten sind ein weiteres ungeplantes Kapitel in der turbulenten jüngeren Geschichte der Airline. Nach der Insolvenz der ehemaligen britischen Muttergesellschaft Thomas Cook im Herbst 2019 erhielt Condor von Bund und Ländern einen Überbrückungskredit für den folgenden Winter in Höhe von 380 Millionen Euro. Zudem begab sich die Airline zur Restrukturierung in ein Schutzschirmverfahren. Diese wurde von den Gläubigern ein Jahr später abgesegnet und das Verfahren im vergangenen Dezember beendet.

"Condor ist nach der erfolgreichen Restrukturierung deutlich schlanker und effizienter aufgestellt. Die Fluggesellschaft steht heute somit in der Pole Position, sobald der Tourismus wieder anläuft", erklärte der amtlich bestellte Sachwalter Lucas Flöther zum erfolgreichen Abschluss des Verfahrens. Die Zahl der Beschäftigten sank binnen Jahresfrist um rund 700 auf nun 4200. Tarifverträge und Vereinbarungen mit Dienstleistern und Zuliefern wurden neu verhandelt. Das Unternehmen sei nun rund 25 Prozent kleiner und wesentlich kosteneffizienter, erklärte Condor. Ziel ist es, mittelfristig neue Anteilseigener für die mittelgroße Fluggesellschaft zu finden.

Doch mitten in die Neu-Aufstellung der Airline platzte die Corona-Krise. Eigentlich waren die Verträge für eine Übernahme durch die polnische Lot-Mutter PGL im vergangenen Frühjahr bereits unterzeichnet. Der Überbrückungskredit der Regierung sollte zurückgezahlt werden. Doch in letzter Minute, während der Luftverkehr weltweit zum Erliegen kam, sprang PGL wieder ab.

Wenig Reserven

Wie viele andere große Unternehmen erhielt Condor stattdessen einen KfW-Kredit aus dem Corona-Sonderprogramm der staatlichen Förderbank. Bis zu 550 Millionen Euro konnte die Airline abrufen, 256 Millionen wurden genutzt, um den Überbrückungskredit vollständig zurückzuzahlen. 44 Millionen Euro habe man für die Verfahrenskosten des einjährigen Schutzschirmverfahrens aufgewendet, so die Sprecherin. Bleiben 250 Millionen Euro, die seit vergangenem April für die Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung standen. Sie scheinen nun aufgebraucht.

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Nach vorläufigen Berechnungen, die laut "Reise vor 9" im Zuge des Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2018/19 veröffentlicht wurden, flog Condor von Oktober 2019 bis Ende September 2020 Verluste in Höhe von 225 Millionen Euro ein. Im Oktober und November seien demnach noch einmal 62 Millionen Euro Verlust angefallen.

Das würde zwar erst den zweiten Jahresverlust in der Unternehmensgeschichte bedeuten, doch Reserven gibt es kaum. Eigentümer der Airline ist derzeit eine Treuhandgesellschaft, die sämtliche Geschäftsanteile an die KfW verpfändet hat. Man sei jedoch zuversichtlich, im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2020/21 wieder einen kleinen operativen Gewinn von 8 Millionen Euro einzufliegen, so Condor.

Im Clinch liegt der Ferienflieger derweil mit dem langjährigen Partner und ehemaligen Besitzer Lufthansa. Mit dem Ziel, das eigene touristische Segment zu stärken, kündigte die Lufthansa eine langjährige Zubringervereinbarung zum wichtigsten Condor-Flughafen Frankfurt. Condor warf dem Kranich-Konzern daraufhin vor, einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Markt drängen zu wollen. Die mit Steuergeldern gerettete Lufthansa versuche mit der Kündigung ein ebenfalls vom Staat gestütztes Unternehmen aus dem Markt zu drängen und die eigene Monopolstellung auszubauen, hieß es. Auch Vertreter von Reiseveranstaltern argumentierten ähnlich.

Nun hat das Bundeskartellamt auf Verlangen Condors ein Verfahren eingeleitet, um die Vorwürfe zu klären. Auch eine Klage auf EU-Ebene auf Überprüfung der Staatshilfen für Lufthansa ist anhängig. Die gibt sich jedoch gelassen, Condor solle sich dem Wettbewerb stellen und damit die eigene Zukunftsfähigkeit beweisen, so der Konzern in seinem "Politikbrief".