Boeing hat einen neuen Vizepräsidenten berufen, der die Grundlage für das nächste komplett neu entwickelte Verkehrsflugzeug des Konzerns mitgestalten soll. Sean Black, bisher Standortleiter von Boeing in Wichita (Kansas), wird Vizepräsident für das BCA Future Production System und soll damit die industrielle Blaupause für das kommende Programm entwickeln.
Das geht aus einem internen Schreiben von Stephanie Pope hervor, Chefin der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte Boeing Commercial Airplanes (BCA). Pope kündigte der Belegschaft insgesamt drei Führungswechsel an. Das Schreiben lag "The Air Current" vor.
Pope zufolge soll Black dazu beitragen, dass Konstruktion und Produktionssystem des neuen Flugzeugs von Anfang an zusammengedacht werden. "Weil das Produktionssystem parallel zur Flugzeugkonstruktion entwickelt wird, wird Sean dazu beitragen, einen nahtlosen Übergang von der Entwicklung in die Fertigung sicherzustellen", schrieb Pope.
Black berichtet künftig an Brian Yutko, Vizepräsident für Produktentwicklung bei BCA, der zuvor Boeings frühere Tochtergesellschaft für autonome Flugtaxis Wisk geleitet hatte. Ein Boeing-Sprecher erklärte, die Position sei nicht grundsätzlich neu, ihr Zuschnitt habe sich über die Jahre aber verändert.
Pope begründete die Entscheidung mit dem Fortschritt des Konzerns. Die Produktionsrate der Boeing 737 Max sei gestiegen, schrieb sie, und bei der Zulassung der lange verzögerten Programme Boeing 737 Max 10 und Boeing 777X gebe es Fortschritte. Im August hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA mit der Boeing 737 Max 7 die kleinste Max-Variante zugelassen.
"Mit dem Hochfahren der Flugzeugproduktion und den Fortschritten bei der Zulassung wichtiger Entwicklungsprogramme bauen wir spürbar Schwung für die Erholung von Boeing auf", schrieb Pope an die Belegschaft. "Das gibt uns die Möglichkeit, uns strategisch auf die Zukunft zu konzentrieren und Boeing für langfristigen Erfolg aufzustellen."
Black mit langjähriger Branchenerfahrung
Black bringt für die neue Aufgabe langjährige Branchenerfahrung mit. Vor seiner Zeit als Standortleiter in Wichita arbeitete er neun Jahre bei Spirit Aerosystems, jenem Zulieferer aus Wichita, den Boeing 2025 übernommen hatte. Zuvor war er zudem beim europäischen Konkurrenten Airbus sowie beim Luft- und Rüstungskonzern BAE Systems tätig.
An Blacks bisheriger Stelle in Wichita rückt Shakira Pastrana-Naumann nach, bislang Vizepräsidentin und Generalmanagerin der Boeing-Fertigungssparte. Ihren bisherigen Posten wiederum übernimmt Mick Sorrenson, der innerhalb der Fertigungssparte für Verbundwerkstoffe und Fertigungstechnik zuständig war.
Kein fester Zeitplan für ein neues Flugzeugprogramm
Branchenweit wird seit Längerem erwartet, dass sowohl Boeing als auch Airbus ihr jeweils nächstes komplett neu entwickeltes Verkehrsflugzeug auf den Weg bringen. Einen festen Zeitplan dafür hat Boeing bislang aber vermieden.
Bei der Farnborough International Airshow bei London bekräftigte Airbus-Vorstandsvorsitzender Guillaume Faury im Juli seine Erwartung, dass Airbus sein nächstes Schmalrumpfprogramm bis zum Jahr 2030 auf den Weg bringt. Boeing-Vorstandsvorsitzender Kelly Ortberg äußerte sich zuletzt anders als noch wenige Wochen zuvor. Er rechne damit, dass Boeing in den kommenden Jahren finanziell stabil genug sein werde, um ein neues Programm einzuführen.
An dieser Grundstimmung ändern die am Mittwoch verkündeten Personalentscheidungen nichts. Sie unterstreichen aber, wie sehr sich Boeing inzwischen auf die Zukunft ausrichtet.