Baden-Württemberg wählt einen neuen Landtag. airliners.de hat die Wahlprogramme aller relevanten Parteien ausgewertet und die interessanten Unterschiede bei den Verkehrspositionen gegeneinandergestellt.
Am 8. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Nach 15 Jahren unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen steht ein Wechsel an der Regierungsspitze fest – offen ist, wer die Nachfolge antritt. Zur Wahl stehen Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU) und Andreas Stoch (SPD) als Spitzenkandidaten, daneben kandidieren Hans-Ulrich Rülke (FDP), Markus Frohnmaier (AfD) sowie ein Dreierkandidatur-Trio der Linken.
Baden-Württemberg ist Deutschlands wirtschaftliches Kraftzentrum: 11,2 Millionen Einwohner, eine Exportquote der Industrie von rund 61 Prozent, global agierende Konzerne wie Mercedes-Benz, Porsche und Bosch sowie eine außerordentlich dichte Forschungslandschaft. Doch die jahrelange Erfolgsstory gerät ins Stocken. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte 2024 um 0,4 Prozent, die Industrieproduktion brach um zwei Prozent ein. Die Arbeitslosenquote kletterte von 3,3 Prozent im Frühsommer 2022 auf zuletzt 4,6 Prozent. Besonders die Automobilindustrie leidet: Die Beschäftigung sank im dritten Quartal 2025 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Vor diesem Hintergrund ist die Verkehrsinfrastruktur – und besonders der Luftverkehr als Verbindung zu internationalen Märkten – ein eher kleines Wahlkampfthema. Eine Auswertung der Wahlprogramme zeigt dennoch klare Trennlinien: CDU, FDP und AfD besetzen das Thema Luftfahrt ausschließlich positiv. SPD und Grüne verbinden es überwiegend mit Regulierung und Klimazielen. Die Linke erwähnt Flughäfen lediglich im Kontext von Abschiebehaft. Im Bereich Verkehrspolitik insgesamt hat die FDP mit neun programmatischen Forderungen zur Luftfahrt die höchste Dichte aller Parteien.
Flughafen Stuttgart: Politisch aufgeladen
Im Zentrum der luftfahrtpolitischen Debatte steht der Flughafen Stuttgart. Der Airport ist der größte Flughafen des Landes und liegt gemessen am Passagieraufkommen auf Platz sieben der größten deutschen Flughäfen. Rund 9500 Menschen arbeiten am Standort auf der Gemarkung von Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, südlich der Landeshauptstadt.
Eigentümer der Betreibergesellschaft Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) sind zu 65 Prozent das Land Baden-Württemberg und zu 35 Prozent die Stadt Stuttgart. Den Aufsichtsratsvorsitz hält Verkehrsminister Winfried Hermann – ein Grüner, der seit Jahren für einen eher wohlwollenden Kurs beim Luftverkehr bekannt ist.