Die Alaska Air Group streicht rund 200 nicht tarifgebundene Stellen. Das Unternehmen begründete den Schritt am Freitag mit den stark gestiegenen Kerosinpreisen und geopolitischen Belastungen. Vorstandsvorsitzender Ben Minicucci warnte vor einem möglichen Jahresverlust von bis zu 700 Millionen US-Dollar (rund 625 Millionen Euro).
Der Abbau betrifft nach Angaben eines Unternehmenssprechers weniger als ein Prozent der rund 32.500 Beschäftigten. 125 der Stellen entfallen auf den US-Bundesstaat Washington, 48 auf Hawaii. Arbeitsplätze im operativen Betrieb ohne Führungsfunktion fallen nicht weg.
Laut einem internen Schreiben Minicuccis an die Belegschaft ist der 13. November der letzte Arbeitstag der Betroffenen. Sie erhalten ihr Gehalt bis zum 31. Dezember sowie eine Abfindung und weitere Unterstützung.
In dem Schreiben warnte Minicucci, der Konzern könne in diesem Jahr bis zu 700 Millionen US-Dollar verlieren, sollten die aktuellen Bedingungen anhalten. Es wäre der erste bereinigte Verlust vor Steuern außerhalb der Pandemiejahre seit 2003.
"Wir müssen zu der finanziellen Disziplin zurückkehren, die lange ein entscheidender Wettbewerbsvorteil war", schrieb Minicucci. Die Gemeinkosten seien in den vergangenen Jahren im Verhältnis zum Umsatz überproportional gewachsen.
Kerosinkosten fast doppelt so hoch wie geplant
Bereits im Oktober hatte die Alaska Air Group für das Gesamtjahr einen bereinigten Verlust von 5,00 bis 5,50 US-Dollar je Aktie prognostiziert. Sie verwies dabei auf Treibstoffmehrkosten von 1,8 Milliarden US-Dollar gegenüber dem ursprünglichen Jahresplan.
Für das vierte Quartal rechnet der Konzern mit Kerosinkosten von 4,65 bis 4,85 US-Dollar je Gallone, umgerechnet rund 1,23 bis 1,28 US-Dollar je Liter. Das ist fast doppelt so viel wie die 2,50 US-Dollar je Gallone, die der ursprüngliche Jahresplan unterstellt hatte.
Im dritten Quartal steigerte die Gruppe den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent. Die bereinigte Vorsteuermarge sank jedoch von 4,6 auf 1,1 Prozent. Das Umsatzwachstum reicht damit nicht aus, um die gestiegenen Treibstoffkosten auszugleichen.
Der Konzern mit Sitz in Seattle investiert nach der Übernahme von Hawaiian Airlines in Premiumkabinen, Kundenbindungsprogramme und internationale Strecken. Ab Seattle will er sein Langstreckennetz ausbauen. Minicucci kündigte an, trotz des Sparkurses weiter in Flotte, Kundenerlebnis und Streckennetz zu investieren.
US-Airlines erhöhen Preise und senken Prognosen
Der Stellenabbau deutet darauf hin, dass der mit dem Iran-Krieg verbundene Kerosinpreisschock inzwischen auch Arbeitsplätze bei US-Fluggesellschaften erreicht. Bislang hatten die Airlines vor allem mit höheren Ticketpreisen und gebremstem Kapazitätswachstum reagiert.
Nach Daten des US-Arbeitsministeriums lagen die Flugpreise in den USA in den sieben Monaten bis einschließlich September im Schnitt fast 23 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dennoch haben Delta Air Lines, American Airlines und Southwest Airlines ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr gesenkt.
