Die Ratingagentur Fitch Ratings hält die Optionen von Air Baltic für "ziemlich begrenzt", sollten die Beteiligten der geplanten externen Finanzierung nicht zustimmen. Das sagte Fitch Ratings gegenüber "Reuters". Nach Einschätzung der Agentur benötigt die lettische Fluggesellschaft kurzfristig rund 156 Millionen Euro, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
"Die Zustimmung der beteiligten Gläubiger zu dieser Finanzierung ist entscheidend", sagte Raman Singla, Ratingdirektor bei Fitch Ratings.
Air Baltic hatte am späten Donnerstagabend mitgeteilt, die für Freitag angesetzte Versammlung ihrer Anleihegläubiger auf Dienstagnachmittag verschoben zu haben. Die virtuelle Versammlung solle den Gläubigern zusätzliche Zeit einräumen, den Beschlussentwurf zu prüfen und ihre Stimmabgaben rechtzeitig einzureichen, teilte die Airline mit.
Air Baltic hatte die Gläubiger gebeten, an diesem Termin einem Plan zuzustimmen, mit dem die Fluggesellschaft über neue vorrangig besicherte Anleihen mit Fälligkeit Februar 2027 bis zu 257 Millionen Euro aufnehmen will.
Air Baltic befindet sich mehrheitlich in Staatsbesitz Lettlands. Die Airline sucht nach eigenen Angaben Finanzierung von seinen Anleihegläubigern, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Ersten größeren finanziellen Druck hatte Air Baltic bereits im März gemeldet, nachdem die Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs stark gestiegen waren.
Air Baltic gilt als Testfall für den breiteren Luftfahrtmarkt: Finanziell schwächere Fluggesellschaften, die höhere Kosten nicht weitergeben können, geraten durch die infolge des Kriegs stark gestiegenen Kerosinpreise besonders unter Druck.
Neue Rangfolge bei den Sicherheiten
Die neuen Anleihen sollen im Falle der Fälligkeit vorrangigen Zugriff auf Sicherheiten erhalten, zu denen acht Flugzeuge und sieben Triebwerke zählen. An zweiter Stelle stünden sogenannte Uptiered Bonds, bei denen bestehende Gläubiger ihre Anleihen in die neue vorrangige Tranche tauschen können. Anleihen mit Fälligkeit 2029 rückten dadurch auf den dritten Rang zurück, was Analysten zufolge hinter einem Renditesprung dieser Anleihen in dieser Woche stehen könnte.
Werde die kurzfristige Finanzierung bewilligt, müsse sie laut Singla durch einen langfristigen Finanzierungsmix abgelöst werden, um das Geschäft nachhaltig zu machen. Zusammen mit der bereits laufenden Flottenverkleinerung könnte das ein starker Hebel für das langfristige Überleben der Airline sein, sagte er.
Lettland verhandelt mit Investor
Lettlands Ministerpräsident Andris Kulbergs hatte "Reuters" im Juli gesagt, die Regierung verhandle mit einem Investor über eine Übernahme der angeschlagenen Fluggesellschaft. Air Baltic könnte mit einer nachhaltigen Kapitalstruktur und einem Wachstumsplan ein gutes Geschäftsangebot sein, sagte Singla dazu.
Die vollständig geleaste Flotte habe zusammen mit einer hochverzinsten Anleihe die Fähigkeit von Air Baltic, Kapital zu generieren, erheblich eingeschränkt und den früheren Wachstumsplan auf 100 Flugzeuge belastet, sagte Singla.
Die Rendite der Air-Baltic-Anleihe über 380 Millionen Euro mit Fälligkeit 2029 ist am Freitag deutlich gefallen, nachdem sie am Mittwoch gestiegen war und die Anleihekurse auf ein Rekordtief gedrückt hatte. Seit Jahresbeginn hat sich die Rendite mehr als verzwanzigfacht, was ein deutlich gestiegenes wahrgenommenes Risiko widerspiegelt.
Der Kreditfonds Polus Capital, der sich verpflichtet hat, mindestens die Hälfte der neuen Anleihe zu zeichnen, über die am Dienstag abgestimmt werden soll, wollte sich dazu nicht äußern.