Teures Wochenende für Lauda Motion

04.06.2018 - 10:19 0 Kommentare

Verpatzter Neustart: Fast jeder dritte Flug von Lauda Motion am Wochenende wird im Nachgang nach airliners.de-Berechnungen noch einmal teuer für die Airline. Hinzu kommen verärgerte Fluggäste.

Flugzeug von Lauda Motion: Das erste Juniwochenende sollte ein symbolischer Neustart sein. - © © AirTeamImages.com - Dirk Grothe

Flugzeug von Lauda Motion: Das erste Juniwochenende sollte ein symbolischer Neustart sein. © AirTeamImages.com /Dirk Grothe

Am ersten Wochenende des noch einmal ausgeweiteten Sommerflugplans von Lauda Motion hat die Niki-Nachfolgerin mit deutlichen Probleme gekämpft. Dies belegen eine airliners.de-Auswertung von Flugplandaten und die Aussagen vieler verärgerter Passagiere.

Der Erhebung zufolge hoben rund 350 Flüge zwischen Freitag und Sonntag (1.-3. Juni) unter "OE"-Flugcode ab, über 40 Prozent davon durchgeführt von Ryanair. Vielfach übernahmen die Iren die für den österreichischen Ferienflieger so wichtigen Mallorca-Verbindungen.

Symbolischer Neustart

Seit diesem Monat fliegt Ryanair mit zehn Maschinen für Lauda Motion. Gleichzeitig heben die Österreicher nach dem Ende des Wet-Leases für Eurowings mit insgesamt 19 eigenen Maschinen ab. Der erste Juni (Freitag) sollte der symbolische Neustart sein.

© Lauda Motion, Montage: airliners.de, Lesen Sie auch: "Die Marke Lauda Motion bleibt erhalten" Interview mit Lauda-Motion-Vize Andreas Gruber

Die Auswertung von Flugplandaten zeigt deutlich, wie groß das Chaos bei Lauda Motion am Wochenende war: Fast jeder dritte Flug wird noch einmal richtig teuer - 96 der 344 geplanten Verbindungen fielen aus, hatten bei Ankunft mehr als drei Stunden Verspätung oder wurden "einfach nur" zu einem anderen Airport umgeleitet. Hinzu kommen mehrere Dutzend lediglich qua Definition unpünktliche Verbindungen (über 15 Minuten).

Quelle: Flightradar, eigene Berechnung | Darstellung: airliners.de

Lauda-Motion-Vize Andreas Gruber sagt auf Anfrage zu airliners.de, dass gerade das Wetter in Süd- und Westdeutschland beim Umstationieren der bislang für Eurowings betriebenen Flugzeuge zu Problemen geführt hat - neue Lauda-Motion-Basen mussten am Donnerstagabend im Eiltempo bestückt werden. "Zudem gab es slotbedingte Umlaufverspätungen und ein Flugzeug hatte kurzfristig technische Probleme, die wir aber in den Griff bekommen haben."

Passagiere schon bei geringen Verspätungen entnervt

Wie sehr es noch im Flugplan ruckelt, zeigen auch die Reaktionen vieler Passagiere. Für sie geht es nicht um Entschädigungen, die ihnen aufgrund von EU-Recht nach dreistündiger Ankunftsverspätung zusteht. Fluggäste sind nicht nur bei weitaus geringeren Verspätungen entnervt, sondern kämpfen unter Umständen schon bei mehr als einer Stunde verzögerter Ankunft mit handfesten Problemen wie verpasste Anschlussflügen und -zügen.

Zwar fielen den Berechnungen nach lediglich 15 Prozent der Flüge am ersten Juniwochenende aus, doch Aussagen von verärgerten Passagieren zeigen, dass das nicht das Hauptproblem ist. Sie beklagen häufig die fehlende Kommunikation seitens der Airline.

Geschädigte Fluggäste haben keinen Ansprechpartner

Ein verärgerter Fluggast berichtet unserer Redaktion davon, dass sein Lauda-Motion-Flug von Palma de Mallorca nach Stuttgart am Samstagnachmittag ausgefallen ist. Zusammen mit seiner Frau organisiert er sich auf eigene Kosten ein Hotel und bucht für den nächsten Tag einen Flug nach Leipzig - mit einer anderen Airline. Von dort geht es mit dem Zug weiter.

Der gestrichene Lauda-Motion-Flug sollte von Ryanair durchgeführt werden. An deren Schalter am Flughafen auf Mallorca werden gebuchte Passagiere mit einem großen Schild darüber informiert, dass man hier nicht verantwortlich sei und sich Fluggäste beim Abfertiger Acciona melden sollen. Dort bekommen sie eine österreichische Nummer - "da geht keiner ran".

Das Schlimme ist einfach die Informationspolitik. Andere Fluggäste werden von ihrer Airline hofiert, sobald etwas ausfällt, aber wir sind hier ganz allein.

Lauda-Motion-Passagier

Eine andere Passagierin berichtet, dass sie am Flughafen Düsseldorf mehrere Stunden lang auf dem Rollfeld in einer Lauda-Motion-Maschine festsaß - Ziel: Ibiza. "Nach fünf Stunden Warten rollten wir los. Um uns herum klatschten Passagiere", doch: Auf dem Taxiway touchierte das Flugzeug ein Push-Back-Fahrzeug - der Flug wurde abgebrochen, die Reise war beendet.

Auch sie beklagt: "Am Schalter bekamen wir einen Frühstücksgutschein - das war's. Da hätten wir uns einfach mehr Ansprache gewünscht." Airline-Manager Niki Lauda hatte vorab mehrfach betont, gerade im Service-Bereich mit Lauda Motion punkten zu wollen.

Unterstützung von Ryanair

Lauda Motion ist die um die ehemalige Air-Berlin-Tochter Niki ergänzte Airline von Lauda. Sie hebt seit Ende März von Deutschland aus ab; nach Ende eines Wet-Leases mit Eurowings, fliegt der Carrier seit Anfang Juni mit neun eigenen Maschinen ein noch einmal ergänztes Programm - auch von Österreich aus. Ein Engagement am Schweizer Airport in Zürich musste aufgrund fehlender Flugzeuge kurzfristig abgesagt werden.

Unterstützt wird Lauda Motion von Ryanair. Die Iren kauften sich mit zunächst einem Viertel bei dem Ferienflieger ein. Vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung soll der Anteil in den kommenden Wochen auf 75 Prozent erhöht werden. Eine Sperrminorität von 25 Prozent verbleibt bei Lauda - zunächst; denn langfristig will der Gründer die Airline ganz abgeben.

Das Engagement - inklusive eines Wet-Leases - lässt sich Ryanair über 100 Millionen Euro kosten. Branchenkenner vermuten, dass sich die Iren so vor allem Slots an wichtigen Airports in Deutschland und Österreich einverleiben und mit dem hohen Wachstumstempo der Lufthansa-Tochter Eurowings infolge der Air-Berlin-Insolvenz Schritt halten möchte.

© dpa, Herbert Neubauer/APA Lesen Sie auch: Warum Ryanair auf einmal zukauft Analyse

Von: cs
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