Die syrische Zivilluftfahrtbehörde bereitet den früheren Militärflughafen Mezzeh bei Damaskus für eine zivile Nutzung vor. Er solle künftig vor allem Privat- und Geschäftsflügen dienen und den Flughafen Damaskus International ergänzen, teilte die Behörde laut der staatlichen Nachrichtenagentur "Sana" mit.
Menschenrechtsorganisationen und Anwohner warnen, die geplanten Bauarbeiten könnten mutmaßliche Massengräber aus der Zeit der Assad-Herrschaft zerstören und ungeklärte Landrechte übergehen.
Trümmerbeseitigung und Infrastrukturarbeiten auf dem Gelände hätten bereits begonnen, hieß es in dem Bericht weiter.
Für die neuen syrischen Machthaber ist das Projekt ein Testfall: Sie wollen Investitionen anziehen und Staatsvermögen entwickeln, stehen zugleich aber vor zwei ungelösten Erblasten der Assad-Zeit – dem Schicksal Zehntausender verschwundener Syrer und von Eigentumsrechten, die durch jahrzehntelange Enteignungen verschleiert sind.
Syriens Zivilluftfahrtbehörde, die Kommission für Vermisste und das Verteidigungsministerium, das den Flughafen bislang betreibt, äußerten sich nicht zu Fragen zu den mutmaßlichen Gräbern und den Landansprüchen. Ein Sprecher der Zivilluftfahrtbehörde erklärte laut "Sana", die Sanierung werde das umliegende Stadtgebiet sowie rechtliche und soziale Fragen berücksichtigen. Die Gräber oder Eigentumsfragen erwähnte er demnach nicht. Wer den Flughafen entwickeln soll, ist bislang unklar.
Der Streit um den Grund, auf dem der Flughafen steht, reicht Jahrzehnte zurück. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung von Muadamiyat lag das 1956 gebaute Flughafengelände auf einer Fläche von 2,76 Quadratkilometern, die zuvor Hunderten Privateigentümern gehörte. Ein ehemaliger, namentlich nicht genannter Kommunalbeamter sagte, Enteignungsdekrete hätten die Nutzung nachträglich legitimiert. Eine Entschädigung sei nie gezahlt worden. Nach Bekanntwerden der Umbaupläne protestierten Anwohner in Muadamiyat gegen das Vorhaben.