Boeing hat für das dritte Quartal einen Verlust von 26 US-Cent (rund 23 Euro-Cent) je Aktie gemeldet. Die Probleme in der Verkehrsflugzeugsparte überlagerten höhere Margen im Rest des Konzerns. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 34 US-Cent. Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt einen Verlust von 21 US-Cent erwartet.
Der Umsatz von Boeing Commercial Airplanes ging leicht auf 10,7 Milliarden US-Dollar zurück. Der operative Verlust der Sparte betrug 697 Millionen US-Dollar, die Marge lag bei minus 6,5 Prozent. Boeing führt das in der Ergebnismitteilung auf weniger profitable Auslieferungen und höhere Produktionskosten zurück, auch in der Lieferkette.
Boeing tut sich zudem schwer, die Fertigung der 737 von 42 auf 47 Jets pro Monat zu steigern. Diese Rate wollte der Hersteller im Sommer erreichen. Konzernchef Kelly Ortberg hatte im September auf einer Industriekonferenz gesagt, Boeing habe nicht schnell genug Flügel fertigen können. Auch bei der 787 hat der Hersteller Mühe, die Rate von acht auf zehn Jets pro Monat zu steigern.
Verteidigungssparte steigert Marge auf 6,2 Prozent
Bei Boeing Defense trugen höhere Auslieferungen, eine bessere operative Leistung und der Verkauf einer Tochtergesellschaft für 252 Millionen US-Dollar zu einem Quartalsergebnis von knapp 500 Millionen US-Dollar bei. Die operative Marge stieg auf 6,2 Prozent, nach 1,7 Prozent im selben Quartal des Vorjahres. Boeing Global Services meldete ein Quartalsergebnis von einer Milliarde US-Dollar bei einer operativen Marge von 18,3 Prozent.
Die Nettoverschuldung lag zum Quartalsende bei 25,2 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal waren es 25,9 Milliarden US-Dollar, vor einem Jahr 30,4 Milliarden US-Dollar.
Im dritten Quartal wurden die beiden letzten Varianten der 737 Max, die 737 Max 7 und die 737 Max 10, von den US-Behörden zertifiziert. Zudem verbuchte Boeing erneut freien Cashflow. Der Konzern setzt damit seine lange Sanierung fort, nachdem Krisen und Kontroversen über Jahre den Ruf beschädigt und hohe Schulden hinterlassen hatten.
In den ersten neun Monaten des Jahres lieferte Boeing 363 Flugzeuge der 737 Max aus. So schnell wie nie zuvor. Dennoch lag die Aktie zu Handelsbeginn seit Jahresbeginn 17,3 Prozent im Minus.
Erwartungen vor der Zahlenvorlage
Vor der Zahlenvorlage hatte Matt Akers, Analyst von BNP Paribas, gesagt, den Anlegern gehe es vor allem um den freien Cashflow und dessen wichtigsten Treiber, die Auslieferungen. Belastet werde der Cashflow derzeit durch die Zertifizierung der 777-9 und den Bau neuer Produktionsstätten für das Verteidigungsgeschäft. Die jüngsten Erfolge seien vom Markt bereits eingepreist gewesen und hätten kaum Wirkung auf den Aktienkurs gehabt.
Beim freien Cashflow hatten die Analysten laut LSEG-Daten 330,5 Millionen US-Dollar im dritten Quartal und 2,3 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr erwartet. Für die Investitionen lag der Konsens bei 905 Millionen US-Dollar, für den Nettoverlust bei 153 Millionen US-Dollar. Im selben Quartal des Vorjahres hatte Boeing einen Nettoverlust von knapp sechs Milliarden US-Dollar verbucht.
