Eine Boeing 737-800 der Ryanair-Tochter Malta Air ist im Oktober 2025 mit nur noch 363 Kilogramm Treibstoff in Manchester gelandet. Vorgeschrieben war eine Endreserve von 1101 Kilogramm.
Nach dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der britischen Flugunfalluntersuchungsstelle Air Accidents Investigation Branch (AAIB) hätte der Flughafen Manchester eine frühere Ausweichanfrage der Besatzung annehmen müssen.
Die AAIB stufte den Vorfall als schwere Störung ein. Verletzt wurde keiner der 177 Menschen an Bord.
Die Ablehnung ging nach Einschätzung der Ermittler offenbar auf eine Kommunikationspanne innerhalb des Flughafens zurück. Manchester hat seine Verfahren inzwischen überprüft und bekräftigt, dass Ausweichanfragen angenommen werden und der Flughafen darüber entscheidet, nicht der Handling Agent.
Die 737 mit dem Kennzeichen 9H-QBD der Malta Air war am 3. Oktober 2025 von Pisa nach Glasgow Prestwick unterwegs, als Sturm "Amy" über Schottland zog. Die Crew hatte zusätzlichen Treibstoff getankt und Manchester wegen der günstigeren Prognose als Ausweichflughafen gewählt.
In Prestwick musste sie dann tatsächlich zweimal wegen einer Windscherungswarnung durchstarten. Ein dritter Anflug ist danach nach dem Betriebshandbuch der Airline nicht zulässig, woraufhin sich die Besatzung zur Ausweichlandung in Manchester entschied. Manchester lehnte eine Ausweichlandung dann aber ab, ohne der Besatzung einen Grund zu nennen.
Der Flughafen hatte der Flugsicherung gemeldet, der zuständige Abfertiger könne das Flugzeug nicht aufnehmen. Zuständig wäre nach den Regeln des Flughafens allerdings die Abteilung Airfield Control gewesen, die allein nach Stellplatzkapazität entscheidet.Wie die Absage zustande kam, konnte die AAIB nicht klären.
Mayday nach dritter Warnung in Edinburgh
Die Crew wich daraufhin nach Edinburgh aus, wo keine Windscherung gemeldet war. Dennoch kam beim Anflug eine entsprechende Warnung, erneut startete die Crew durch. Der Flight Management Computer errechnete daraufhin eine Treibstoffmenge von lediglich 300 Kilogramm am Ausweichflughafen, woraufhin der Kapitän eine Treibstoffnotlage erklärte.
Auf dem anschließenden Flug nach Manchester erschienen dann auch Warnungen für einen niedrigen Treibstoffstand in beiden Haupttanks. Vor dem Abstellen der Triebwerke am Stand waren laut AAIB nur noch 240 Kilogramm an Bord. Für ein weiteres Durchstarten hätte der Treibstoff nach Einschätzung der Flugunfallermittler wahrscheinlich nicht mehr gereicht. Bei den vorangegangenen Manövern verbrauchten beide Triebwerke zusammen rund 120 Kilogramm pro Minute.
Die Ausweichrouten der betroffenen Ryanair-Maschine. : Satellitenkarte von Großbritannien mit farbigen Flugrouten eines aus Pisa ankommenden Ryanair-Flugs. Beschriftet sind Prestwick, Edinburgh und Manchester Airport sowie die jeweiligen Anflug- und Ausweichstrecken. © AAIB
Nach Einschätzung der AAIB fallen drei Windscherungsmanöver und eine Ausweichlandung unter die unvorhergesehenen Umstände, für die die Endreserve vorgesehen ist. Der Bericht zeichnet dennoch auch die Entscheidungen im Cockpit nach. Nach der Absage aus Manchester hielten die Piloten ihren Treibstoffstand noch nicht für kritisch genug, um eine Notlage zu erklären, die der Flughafen immer angenommen hätte.
Auf dem Weg nach Manchester zogen sie den näher gelegenen Flughafen Newcastle nicht in Betracht. Die frühe Festlegung auf Manchester habe die Entscheidungen möglicherweise beeinflusst, heißt es im Bericht. Der Kapitän hielt Manchester wegen der deutlich günstigeren Windverhältnisse trotz der absehbaren Unterschreitung der Endreserve für die sicherste Option.