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Luftfahrtgesellschaft Walter meldet Insolvenz an

Die deutsche Regionalfluggesellschaft LGW ist pleite. Das bestätigte der Eigentümer Zeitfracht jetzt. Zuvor war im Zuge der Flugeinstellungen bei Eurowings wegen der Corona-Pandemie der wichtigste Wet-Lease-Partner weggebrochen.

Flugzeuge von Eurowings und LGW stehen am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com / Paul Buchroeder

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zwingen eine weitere deutsche Fluggesellschaft in die Insolvenz. Die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) hat beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, teilte die Regionalfluggesellschaft mit.

Dieser Schritt sei eine direkte Folge der Reisebeschränkungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Situation während der Corona-Pandemie, heißt es weiter. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Luftfahrtindustrie fehle derzeit die “dauerhafte positive wirtschaftliche Perspektive” für LGW.

Das Gericht hat den Angaben nach den Rechtsanwalt Dirk Andres zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der Rechtsanwalt Michael Wilbert ergänzt die bestehende Geschäftsführung.

Ende des Eurowings-Deals bringt das Aus

LGW betreibt 15 Maschinen vom Typ De Havilland DHC-8, die bis zum Corona-Grounding alle in einem langfristig angelegten Wet-Lease-Vertrag für Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz waren.

Eurowings habe diesen Vertrag nun kurzfristig gekündigt, teilte LGW-Geschäftsführer Dominik Wiehage mit. Zwar habe sich das Management "intensiv" um neue Aufträge in ganz Europa bemüht, aber aufgrund der aktuellen Situation waren diese "Bemühungen bislang leider nicht erfolgreich", so Wiehage weiter.

In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, das airliners.de vorliegt, heißt es, dass die LGW-Geschäftsführung davon ausgehe, dass Eurowings nach der Krise zuerst ihre eigenen Flugzeuge wieder in die Luft bringen werde.

Das bestätigt Eurowings auf Anfrage von airliners.de. Eine Sprecherin sagte, dass die meisten Airlines nach der Krise kaum in der Lage sein würden, ihre eigenen Kapazitäten auszulasten. Eurowings sehe daher auf absehbare Zeit keine Beschäftigungsmöglichkeiten für Wet-Lease-Partner. Dennoch bedauere man diesen Schritt, da LGW ein “sehr zuverlässiger Partner mit einer stets einwandfreien Performance” gewesen sei, so die Sprecherin weiter.

Die LGW-Mitarbeiter waren schon vor der Insolvenz ohne Aufzahlungen in Kurzarbeit geschickt worden. Die Leistung wird den Gewerkschaften zufolge weitergezahlt. Man suche nun das schnelle Gespräch mit dem Management, erklärte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. LGW hat angekündigt, man wolle für die Mitarbeiter die Option offen halten, bei einem Neustart des Luftverkehrs wieder dabei zu sein.

LGW beschäftigt derzeit 354 Mitarbeiter, 294 davon im fliegenden Bereich, 60 arbeiten am Boden in Technik und Verwaltung für das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf. Die Flotte ist den Angaben nach derzeit am Flughafen Bratislava abgestellt.

Erst seit 2019 Eigentum von Zeitfracht

Eigentümerin der LGW ist die Berliner Zeitfracht-Gruppe. Diese hatte die Regionalfluggesellschaft im April 2019 von Eurowings zu einem nicht genannten Kaufpreis übernommen. Zeitfracht gehört neben LGW auch die Kölner Airline WDL. Beide Gesellschaften wurden unter dem Namen German Airways vermarktet.

© LGW, Lesen Sie auch: LGW und WDL bekommen neue Namen

Schon vor Corona waren die Zukunftsaussichten für LGW fraglich. Die Planungen sahen zuletzt vor, dass alle 15 Turbopropflugzeuge der LGW sukzessive an den Leasinggeber Nordic Aviation zurückgeführt und ab August durch eine deutlich kleinere Anzahl von Embraer 190 Regionaljets ersetzt werden sollten.

LGW wurde 1980 in Dortmund gegründete und war seit 2009 ausschließlich für Air Berlin unterwegs, die auch das Marketing und den Vertrieb übernahm. Im Frühjahr 2017 kaufte Air Berlin die LGW dann für einen "symbolischen Betrag". Nach der Air-Berlin-Pleite kaufte der Lufthansa-Konzern die LGW für rund 22 Millionen Euro und integrierte sie samt ihrer damals noch rund 700 Mitarbeiter in die Billigplattform Eurowings, bevor die Airline an Zeitfracht ging.

Nicht die erste Airline, die wegen Corona pleite geht

LGW ist nicht die erste Fluggesellschaft, die mit der Corona-Krise in die Knie gezwungen wird. Bereits Anfang April musste die ehemalige Air-berlin-Tochter “Thomas Cook Aviation” Insolvenz anmelden. Die Fluggesellschaft war zuletztz ausschließlich für die Condor geflogen.

© AirTeamImages.com, Timo Breidenstein Lesen Sie auch: Thomas Cook Aviation ist insolvent

Zudem gibt Lufthansa im Zuge von Corona ihren Billigflieger Germanwings auf. Die Zielsetzung, den Flugbetrieb aller Eurowings-Partnerairlines auf eine betriebliche Einheit unter der Marke Eurowings zu bündeln, solle beschleunigt werden, teilte Lufthansa Anfang April mit. Daher komme nun das Aus für die seit 2002 fliegende Germanwings, die jahrelang die wichtigste Low-Cost-Tochter der Lufthansa war.

Von: br, dh, dpa

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