Die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC hat zum vierten Jahrestag des China-Eastern-Absturzes vom 21. März 2022 erneut keinen Untersuchungsbericht veröffentlicht. Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem ein solches Update ausbleibt. Die Ursache des schwersten chinesischen Luftfahrtunglücks seit drei Jahrzehnten ist damit weiterhin ungeklärt.
Die Boeing 737-800 war damals rund eine Stunde nach dem Start in der südwestchinesischen Region Guangxi in einen Berghang gestürzt. Alle 132 Menschen an Bord kamen ums Leben. Das letzte Update der CAAC datiert vom März 2024.
Internationale Luftfahrtrichtlinien sehen einen Erstbericht binnen 30 Tagen nach einem Unfall vor sowie einen Abschlussbericht idealerweise innerhalb eines Jahres. Bleibt dieser aus, sind die Untersuchungsbehörden gehalten, zumindest zum jeweiligen Jahrestag eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Die CAAC kam dieser Verpflichtung zuletzt nicht nach.
Keine Hinweise auf technisches Versagen
Frühere, nur wenige Absätze umfassende Updates der Behörde hatten ergeben, dass vor dem Start in Kunming keine Mängel oder Auffälligkeiten an Flugzeug oder Triebwerken festgestellt worden waren. A uch Wetter und Kommunikation seien unauffällig gewesen. Die Besatzung habe gültige Lizenzen besessen, ausreichend Ruhezeiten eingehalten und die Gesundheitschecks am Flugtag bestanden. Gefährliche Waren seien nicht an Bord gewesen.
Da keine technischen Defekte festgestellt wurden, richteten sich die Ermittlungen laut zwei informierten Personen auf das Verhalten der Besatzung. Während des raschen Sinkflugs hatten die Piloten weder auf wiederholte Rufe von Fluglotsen noch von nahegelegenen Flugzeugen reagiert.
Im Mai 2022 hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine vorläufige Einschätzung US-amerikanischer Behörden berichtet, Flugschreiberdaten deuteten auf einen vorsätzlichen Absturz hin. Die CAAC erklärte daraufhin, sie werde relevante Informationen entsprechend dem Ermittlungsfortschritt veröffentlichen.
Spekulationen rund um den Absturz hätten "die Öffentlichkeit schwer in die Irre geführt" und die Untersuchung behindert. Auf aktuelle Anfragen von Reuters reagierten weder CAAC noch China Eastern.
IATA mahnt zu mehr Transparenz
Der Weltluftfahrtverband IATA hatte in seinem in diesem Monat veröffentlichten Sicherheitsbericht 2025 die Pflicht zur fristgerechten Vorlage von Abschlussberichten angemahnt.
"Die Unfalluntersuchung hilft uns, die Sicherheit zu verbessern, aber viele Berichte werden nicht zeitnah, vollständig oder zugänglich veröffentlicht", sagte IATA-Generaldirektor Willie Walsh.
"Solange die Einhaltung dieser Verpflichtung nicht bei 100 Prozent liegt, werden Chancen zur Verbesserung vergeben."