Eine nicht namentlich genannte Fluggesellschaft aus der Golfregion soll erste Due-Diligence-Prüfungen an der indischen Billigfluggesellschaft Spicejet durchgeführt haben, berichtete "CH-Aviation" unter Berufung auf die indische Zeitung "Financial Express".
Der Prozess befinde sich noch in einem frühen Stadium und habe bisher zu keinen konkreten Angeboten geführt, hieß es weiter. Unklar sei, ob der Interessent eine Mehrheitsbeteiligung oder eine vollständige Übernahme anstrebe.
Ein Abschluss würde dem neuen Anteilseigner Zugang zu bilateralen Luftverkehrsabkommen zwischen Indien und der Golfregion verschaffen. Laut dem Bericht betreibt die Interessentin ebenfalls Boeing-737-Maschinen, was Synergien mit Spicejets Flotte ermöglichen würde.
Spicejet steckt in einer tiefen Kapazitätskrise. Von 39 Flugzeugen sind laut "CH-Aviation"-Daten derzeit nur elf aktiv, Anfang Mai waren es noch 21. Als Überbrückungsmaßnahme hat die Airline drei Airbus-A320-Maschinen im Damp-Lease für je sechs Monate unter Vertrag genommen, die laut einem Bericht des Finanzdienstleisters Moneycontrol noch diese Woche in den Betrieb gehen sollen.
Zudem erhält Spicejet eine erste Tranche staatlicher Nothilfe aus einem indischen Stützungsprogramm für Fluggesellschaften; insgesamt werden umgerechnet rund 47 Millionen Euro beantragt.
Leasinggeber und Gerichtsverfahren belasten die Airline zusätzlich
Zwei Leasinggesellschaften der chinesischen Großbank ICBC haben bei der indischen Luftfahrtbehörde DGCA die Abmeldung von vier Boeing 737 Max beantragt, um die Maschinen zurückzuerhalten.
Parallel dazu hat Spicejet dem Delhi High Court zugesagt, dem früheren Großaktionär Kalanithi Maran und seiner Investmentgesellschaft Kal Airways umgerechnet rund 13 Millionen Euro in zwei Raten zu zahlen – zunächst rund 4,7 Millionen Euro innerhalb von 45 Tagen, anschließend rund 8,5 Millionen Euro binnen weiterer 90 Tage.
Der Streit reicht auf eine Transaktion aus dem Jahr 2015 zurück, bei der Maran einen 58,5-Prozent-Anteil an Spicejet an den aktuellen Vorsitzenden Ajay Singh abgetreten hatte.