Beruf & Karriere Flugzeugführer am Boden: Die Fluglotsen

Fluglotsen brauchen räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und Gelassenheit. Die Anforderungen sind hoch und nur die wenigsten werden von der Deutschen Flugsicherung zur Ausbildung zugelassen, die wir hier vorstellen.

Fluglotsen arbeiten in der Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung am Flughafen in Bremen. © dpa / Carmen Jaspersen
Blick in den Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung (DSF) in Karlsruhe © dpa / Uli Deck
Ein Fluglotse sitzt im "Contingency-Tower" der DFS auf dem Flughafen von Frankfurt am Main. © dpa / Arne Dedert
Tower der Deutschen Flugsicherung (DFS) am BER © dpa / Patrick Pleul
Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) im Tower des Flughafens Düsseldorf. © dpa / Oliver Berg
Hinter dem Tower des Flughafens Hamburg startet eine Air-France-Maschine. © dpa / Oliver Berg
Fluglotse Lutz Dreyer arbeitet in Schkeuditz auf dem Tower des Flughafen Leipzig-Halle. © dpa / Sebastian Willnow
Ein Schild mit dem Schriftzug der Deutschen Flugsicherung vor dem Eingang der DFS in Langen. © dpa / Christoph Schmidt

Ein Fluglotse, der sich die Haare rauft - so etwas kommt höchstens in Filmen vor. Denn hektisch darf es bei seiner Arbeit nicht zugehen. Eine gewisse Grundgelassenheit ist das wichtigste, das Fluglotsen für ihren Beruf mitbringen sollten, sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung.

Auf David Liedtke trifft das zu. Der 25-Jährige arbeitet als angehender Fluglotse bei der DFS Deutsche Flugsicherung in Langen bei Frankfurt am Main. 2017 hat er begonnen und dort zunächst die etwa eineinhalbjährige Grundausbildung absolviert. Als erstes kam der Teil an der Akademie dran, also zum Beispiel Theorieunterricht und Simulatortraining", erzählt Liedtke.

Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre. Inzwischen ist für Liedtke Training "on the Job" angesagt: Der 25-Jährige ist in einem Center, also einer Radarkontrollzentrale, im Einsatz. Andere Lotsen werden speziell für den Tower ausgebildet. Sie dirigieren per Funk den Flugverkehr auf den Start- und Landebahnen sowie in unmittelbarer Flughafennähe und haben meist sogar Sichtkontakt zu den Maschinen.

"Ich arbeite jetzt im richtigen Verkehr", erzählt Liedtke. Der Lotsen-Azubi ist im praktischen Flugbetrieb unter Aufsicht tätig. "Ich kümmere mich um den Flugraum über Düsseldorf, da kontrollieren wir dann die Anflüge", erzählt er. In einem Umkreis von etwa 50 bis 60 Kilometern prüfen und koordinieren die Lotsen der An- und Abflugkontrolle, dass die Flugzeuge in der richtigen Reihenfolge und im richtigen Abstand am Flughafen einfliegen.

Anweisungen per Sprechfunk

Per Sprechfunk geben Fluglotsen Anweisungen an die Piloten - und haben dabei auch die Wetterbedingungen immer im Blick. Denn verschiedene Wettersituationen erfordern verschiedene Anweisungen - "je wärmer es ist, desto schlechter steigen zum Beispiel die Flugzeuge", erklärt Liedtke. Die Lotsen in der Radarkontrollzentrale leiten den Abflug bis zu einer vorgegebenen Höhe und den Anflug bis zur Übergabe an den Tower.

"Liedtke arbeitet im Schichtdienst: "Frühschichten, Spätschichten und teilweise an den Wochenenden." Der früheste Dienst beginnt um 5:45 Uhr. Die Lotsen arbeiten zwei Stunden am Stück, dann haben sie Pause. Aktuell bekommt Liedtke noch nach jedem Arbeitsblock ein kurzes Feedback von seinem Ausbilder. "Gerade am Anfang ist es schwer, nicht in Hektik zu verfallen. Im Ruhrgebiet ist der Flugverkehr sehr dicht und es gibt viele Absprachen mit verschiedenen Sektoren rundherum - da ist es gut, im Nachgang noch einmal eine Rückmeldung zu bekommen."

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Fluglotsen müssen mehrere Flugzeuge gleichzeitig im Blick haben und bei unerwarteten Situationen in Sekundenschnelle reagieren. "In stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren", gehört für Liedtke daher zu den größten Herausforderungen in seinem Job. "Da wird man zum Teil schon an seine Grenzen gebracht." Die Lotsen kommunizieren zudem mit Piloten unterschiedlichster Nationalitäten, "es braucht Geduld, wenn man mal nicht verstanden wird."

Gleichzeitig sprechen, schreiben und hören: Multitasking ist an der Tagesordnung. Zudem ist Teamfähigkeit gefragt. Pro Sektor ist jeweils ein Team aus zwei Fluglotsen zuständig - und das verständigt sich mit den Teams aus den anderen Sektoren. Um mit Stress und Belastung umgehen zu lernen, werden die Lotsen von Beginn an geschult. Liedtke merkt selbst, "dass es wichtig ist, sich mit Kollegen auszutauschen". Das wird auch von der DFS unterstützt.

Für den Ausgleich kann ein Hobby sorgen. Für Liedtke ist das die Musik, der 25-Jährige spielt in seiner Freizeit Gitarre. Gut findet er, dass er in seinem Beruf relativ früh Verantwortung übernehmen kann. "Und man weiß, dass es Sinn macht", ergänzt er. "Wir stehen für Sicherheit - man kriegt die Rückmeldung, wenn man gut gearbeitet hat, ist alles gut verlaufen."

Nur zwei Prozent der Bewerber werden genommen

Seine Eignung für den anspruchsvollen Beruf hat der angehende Lotse bei einem mehrstufigen Auswahlverfahren unter Beweis gestellt - das nur ein Bruchteil der Bewerber meistert: Im Jahr 2018 hatte die DFS nach eigenen Angaben über 6000 Bewerbungen für die Eignungsauswahl - 120 junge Leute haben letztendlich die Ausbildung begonnen.

Grundsätzlich müssen Bewerber mindestens 18 und nicht älter als 24 Jahre alt sein und die allgemeine Hochschulreife sowie Englischkenntnisse mitbringen, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit. Auch die medizinische Eignung muss nachgewiesen werden - also uneingeschränktes Seh- und Hörvermögen.

Wer in der Vorauswahl alle Voraussetzungen mitbringt, den lädt die DFS zum Auswahlverfahren nach Hamburg ein. Dort sind etwa räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und Englischkenntnisse gefragt. "Man muss eine Reihe von Computertests absolvieren, die kann man vorher schon mal üben", erzählt Liedtke. Wer überzeugt, muss sich in einem weiteren Schritt in simulierten Situationen und im Interview mit einer Auswahlkommission beweisen.

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Von professionellen Testvorbereitungen, wie sie vielfach im Internet angeboten werden, rät die DFS ab. Die Bewerber sollen im Bewerbungsverfahren selbst feststellen, ob der Beruf zu ihnen passt, sagt Otterbein. "Wir betreiben viel Aufwand, um die Richtigen zu finden." Das bedeutet: Wer seine Ausbildung erfolgreich absolviert, wird in der Regel später auch übernommen.

Ein gutes Gehalt winkt

Die Vergütung für Fluglotsen ist schon in der Ausbildung hoch. Die Lotsenazubis erhalten im ersten Jahr rund 1200 Euro pro Monat, erklärt Otterbein. Zu Beginn der praktischen Ausbildung bekommen die Lotsen dann etwa 48.000 Euro brutto im Jahr, das steigt abhängig von Standort und Fortschritt der Ausbildung auf bis zu 71.000 Euro an.

Im Anschluss an die Ausbildung arbeiten die meisten als Lotse. Die Einstiegsvergütung liegt nach Angabe der DFS zwischen 85.000 und 117.000 Euro brutto im Jahr - abhängig vom Standort. Danach haben Lotsen die Möglichkeit, Supervisor, also Teamleiter, zu werden. Daneben gibt es Entwicklungsmöglichkeiten in der Lotsenausbildung oder der Planung von Flugverfahren - das Lotsen-Know-how ist im Unternehmen an vielen Stellen gefragt. Azubi David Liedtke könnte sich vorstellen, später selbst als Ausbilder tätig zu sein.

Von: hr, dpa

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