Ein Personalmangel bei den Fluglotsen hat am Freitagmorgen zu Flugausfällen und erheblichen Verspätungen am Flughafen Sydney geführt. Das teilte Airservices Australia mit, die für die Flugsicherung im australischen Luftraum zuständige Bundesbehörde.
Airservices Australia habe wegen des Personalengpasses Maßnahmen zur Steuerung des Flugverkehrs angeordnet, "um die Luftverkehrsnachfrage sicher zu bewältigen", teilte die Behörde mit. Dadurch seien rund 14 ankommende Flüge annulliert worden, zusätzlich habe es Verspätungen von mehr als einer Stunde gegeben.
Die Störung ist die jüngste an Australiens verkehrsreichstem Flughafen, seit Airservices Australia mit Personalengpässen kämpft. Sie ereignet sich, während mehrere Beinahe-Kollisionen am Flughafen Sydney untersucht werden.
"In der vergangenen Nacht kam es recht kurzfristig zu unerwartetem Personalausfall, den wir nicht kompensieren konnten", sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Airservices Australia, Peter Curran, am Freitag vor einem Ausschuss des australischen Senats, der sich mit der Luftfahrtbranche befasst. "Im Tower fehlt uns heute Morgen eine Kraft, das hat zu erheblichen Verspätungen geführt", sagte er.
Maßnahmen am Vormittag aufgehoben
Die Verkehrsflusssteuerung sei am Freitag um 8:15 Uhr Ortszeit wieder aufgehoben worden, nachdem sich die Lage entspannt habe. Kleinere Verspätungen habe es den restlichen Vormittag über weiter gegeben, am Nachmittag sei der Flugplan wieder normal gelaufen.
Airservices Australia arbeite mit den Fluggesellschaften zusammen, um Verspätungen und die Folgen für Passagiere möglichst gering zu halten, teilte ein Sprecher der Behörde per E-Mail mit.
Von den 49 in Sydney beschäftigten Fluglotsen würden 41 im laufenden Betrieb benötigt. Acht seien wegen länger andauernder Abwesenheiten nicht verfügbar gewesen, wodurch kaum Spielraum geblieben sei, um unerwartete Engpässe aufzufangen, sagte Curran.
"Seit Juli haben wir in den vergangenen Wochen immer wieder mit Personalproblemen zu kämpfen, und es gibt Momente, in denen sich das deutlich zuspitzen kann. Der heutige Tag ist ein Beispiel dafür", sagte er. Die Behörde erklärte, sie ergreife Schritte, um mehr Fluglotsen einzustellen und es zu erleichtern, bei Bedarf zusätzliches Personal heranzuziehen.
Fokus auf Beinahe-Kollisionen
Eine Auswertung interner Unterlagen und einer Tonaufnahme hatte vergangene Woche ergeben, dass mehrere im Dienst befindliche Fluglotsen als in hohem Maß übermüdungsgefährdet eingestuft worden waren. Das betraf den Zeitpunkt im Juli, als zwei Flugzeuge der Fluggesellschaft Qantas am Flughafen Sydney beinahe kollidiert wären. Ein Schichtleiter habe die Personalsituation demnach als "ein bisschen verrückt" beschrieben.
Der Vorfall im Juli war der erste von sechs Beinahe-Kollisionen am Flughafen Sydney innerhalb von rund einem Monat. Das führte angesichts eines weltweiten Fluglotsenmangels zu verstärkter Aufmerksamkeit für die Personalausstattung der Flugsicherung.
Die australische Unfalluntersuchungsbehörde ATSB untersucht die Beinahe-Kollisionen. Sie soll klären, ob ihnen gemeinsame Sicherheitsprobleme oder Ursachen zugrunde liegen.