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Der neue "Flight Simulator 2024" ist eher ein "Frust-Simulator", © MIcrosoft/Montage: airliners.de
Microsoft Frust Simulator 2024 © MIcrosoft / Montage: airliners.de
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Ein sehr bekannter Microsoft-Programmierer aus den USA, der sich nicht so schnell den Mund verbieten lässt, hat vor Jahren auf einer Hauskonferenz des Unternehmens mal gesagt: Wenn Microsoft anfängt, Software für Flugzeuge zu schreiben, dann fliegt er nicht mehr.

Nun, Flugzeugsoftware schreibt Microsoft meines Wissens nach wirklich nicht. Aber mit der Luftfahrt beschäftigt sich das Unternehmen dann irgendwie doch…

Wovon ich spreche? Vom neuen Microsoft "Flight Simulator 2024". Microsofts Nachfolger der Aufsehen erregenden 2020er-Version. Die soll nicht nur die Luftfahrt zugänglicher machen, ohne Kompromisse bei der Simulation einzugehen, sondern ist auch noch stärker von der Cloud abhängig als der Vorgänger.

Eigentlich eine naheliegende Entwicklung, ist Microsoft doch eigentlich ein Cloud-Spezialist.

Was das bedeutet? Auf dem Rechner der Nutzer finden sich kaum noch Weltdaten des Spiels. Das ist toll, weil es braucht weniger Speicherplatz und die Updates dauern nicht mehr so lange. Damit kann das Spiel aber nicht mehr offline gespielt werden. Und das klappt auch einige Wochen nach Releas des neuen Spiels nicht.

Das geht so weit, dass selbst die kleinen Bildchen für die Auswahl eines Flugzeuges aus der Cloud abgerufen werden.

Microsofts Server scheitern schon hier an der Last. Das vermutlich nur wenige hundert KByte fassende Vorschaubild einer Boeing 747 herunterzuladen, kann schon einmal eine Sekunde dauern. Hat man dann einen Auswahlbildschirm mit mehreren Flugzeugen, kann man zuschauen, wie sich der Bildschirm füllt. Manchmal gibt es auch nur eine Platzhaltergrafik. Die Microsoft-Server schaffen es dann nicht, diese Bilder zu übertragen.

Und es wird schlimmer. Cloud-Spezialist Microsoft kommt bis heute nicht mit der Last von weltweiten sich anmeldenden Spielern zurecht. Ladezeiten sind bisweilen so lang, dass ich oft einfach aufgab – und etwas anderes spielte.

In den ersten Tagen waren es Stunden des Wartens, nur um in das Menü zu kommen. Sie wissen schon: Viele Teile des Menüs müssen nunmal aus dem Internet geladen werden…

Nach einigen Tagen reduzierte sich das auf etwa eine Stunde und zuletzt auf etwa zehn Minuten. Aber das ist immer noch viel zu lang. Und wer im Menü ist, ist noch nicht im Flugzeug.

Eine Tortur: Vom Menü zum Flughafen

Meine ersten Flugversuche waren zwar um Berlin erfolgreich. Doch Microsoft schickt kaum Daten. Die Folge war eine Spielwelt, die ein anderer Journalist kürzlich als "N64-Grafik" bezeichnete. Zur Erläuterung: Das war eine Konsole, die 1996 auf den Markt kam. Ich würde sogar noch weiter gehen, denn Nintendos Pilotwings auf dem N64 sah besser aus als der "Flight Simulator 2024" in den ersten Tagen.

All das besserte sich langsam. Irgendwann gelang es mir etwa, den Karrieremodus zu starten. Vom Menü bis zu meinem Startplatz in Göteborg dauerte es eine Stunde, ohne dass ich einmal etwas mit der Steuerung tat.

Doch mit jedem Fortschritt zeigte sich schnell, dass man dann einfach immer neue Fehler bewundern konnte, die einem zuvor verwehrt waren. Komplett ausfallende Steuerkontrollen etwa. Echtzeitverkehr, der nicht funktioniert oder fehlende Flugzeuge. Oder dass Flugmodelle gar nicht flugfähig sind.

Um das nicht zu weit gehen zu lassen, konzentriere ich mich lieber auf ein einzelnes Beispiel. Ich könnte locker sehr viel mehr schreiben, so schlimm ist Microsofts "Flight Simulator 2024".

Heart Aerospace stürzt im Flight Simulator ständig ab

Was mich vor dem Kauf des Simulators entzückte, war der Umstand, dass auch zukünftige Elektroflugzeuge Teil des Spiels sind. Was bietet sich denn auch besser an, als das Thema in einem Simulator zu verarbeiten?

Besonders gefreut hat mich dabei die Integration von Heart Aerospaces ES-30 in das Spiel. Die Maschine ist – rein subjektiv natürlich – sehr hübsch und war das erste Flugzeug, das ich auswählte, nachdem der Simulator halbwegs in der Lage war, Daten aus dem Netz zu laden.

Heart Aerospace markierte außerdem den Start unserer airliners.de-Serie "Disruptoren der Luftfahrt", wenn auch damals noch mit einem deutlich anderen Flugzeugdesign:

Auch Heart Aerospace ist auf die Kooperation mit Microsoft stolz und hat sogar ein eigenes Video dafür produziert. Einen Gefallen hat man sich damit aber nicht getan, denn die ersten Flüge mit der ES-30 machten überhaupt keinen Spaß.

Ausgestattet mit der Schubkontrolle von Honeycomb und dem dazugehörigen Steuerhorn sollte es nach langen Wartezeiten losgehen. Beim ersten Versuch abzuheben, zog die Maschine aber massiv nach rechts. Warum? Die Spezialisten von Microsoft haben offenbar vergessen, dass es sich bei der ES-30 um ein vierstrahliges Flugzeug handelt.

Wie ich später herausfand, ist keiner der von mir getesteten Vierstrahler korrekt für die Schubkontrolle über externe Geräte vorbereitet. Und das, obwohl Microsoft extra eine Konfiguration für die Schubkontrolle von Honeycomb hinterlegt hat und diese erkannt wird.

Stattdessen sind nur die beiden linken Triebwerke über die Schubkontrolle belegt. Das ergibt insbesondere bei der Triebwerkskonfiguration der ES-30 überhaupt keinen Sinn. Eines der Triebwerke ist nämlich elektrisch und das andere ein Verbrenner. Die unterschiedlichen Reaktionszeiten kann man immerhin gut beobachten.

Kurzum: Das gibt ein ganz besonderes Fluggefühl bei der Triebwerkssteuerung. Aber richtig fliegen? Das ist sehr herausfordernd, wenngleich die Maschine mit nur zwei linken Triebwerken auf Schub und rechts auf Idle tatsächlich abheben kann.

Der Aufwand, das zu reparieren, wäre eigentlich gering. Letztendlich müsste Microsoft nur eine Person einmal ein generisches Profil für vierstrahlige Flugzeuge erstellen lassen und das dann einfach kopieren. Eine Fleißaufgabe, die dank Skripten schnell bewältigt wäre.

Usability? Kennt man beim Flugsimulator nicht

Stattdessen muss ich das machen, bei einem komplett chaotischen Interface. Usability? Kennt man beim Flugsimulator nicht. Denn die entsprechenden Kontrollen im Menü zu finden ist noch immer alles andere als einfach und mit viel Scrollen und Suchen in einer nicht alphabetischen Liste verbunden.

Das ist – glaube ich – nicht einmal ein Fehler. Die Kontrollen werden schlicht nach Wichtigkeit geordnet, nur dass ich nicht auswendig weiß, was oben und was unten sein muss. So kommt es, dass ich bisweilen per Suchmaschine suchen muss, wo ich welche Einstellung finde, denn die interne Suche funktioniert auch nicht so gut. Ich kenne aber auch nicht alle Fachbegriffe.

Dazu kommt die Macke, dass die Honeycomb-Schubkontrolle invertiert werden muss. Wer das nicht macht und den Gashebel hinten belässt, hat plötzlich vollen Schub, während ein Drücken des Schubreglers nach vorne den Schub rausnimmt.

Man hat dann also die zwei linken zwei Triebwerke beim Start auf Idle und die neu konfigurierten beiden rechten Triebwerke sind auf vollem Schub. Perfekt um Pirouetten auf der Startbahn zu drehen.

Hat man die Invertierungshürde dann genommen, kommen die nächsten Fehler auf einen zu. Um neue Ladezeiten zu vermeiden, fliegt man halt erst einmal mit den kaputten Einstellungen. In meinem Falle habe ich zuerst sogar nur mit zwei Triebwerken das Flugzeug gesteuert. Es geht, aber ist recht anstrengend.

Als Folge stürzt man gerne ab. Das Spiel setzt einen dann aber wieder in die Luft. Nicht allerdings ohne die ES-30 auf maximalen Schub zu setzen. Dadurch gehen die Motoren dann kaputt und man stürzt wieder ab. Alternativ schlägt auch gerne die Overspeed-Warnung in Kombination an, was wieder ein Rücksetzen auslöst.

Danach setzt einen das Spiel wieder mit maximalen Schub in die Luft und man erzeugt wieder einen Flugzeug-Crash. Die Lösung? Nach dem Zurücksetzen ganz schnell die Schubkontrolle ganz nach vorne drücken und sofort zurückziehen, damit das Spiel versteht, dass man nicht volle Motorenleistung haben möchte.

Dazu muss man dann noch den Steuerknüppel zurückziehen und damit die Nase hochziehen, um das Overspeed-Problem zu lösen. Je brutaler man seine Fluggäste durchschüttelt, desto besser.

Das setzt natürlich A voraus, dass man schnell genug reagiert und B, dass die Steuerkontrollen überhaupt funktionieren. Manchmal reagieren sie nach einem Flugzeugunfall nämlich gar nicht und dann stürzt man wieder ab.

Heart Aerospaces ES-30 ist laut Microsoft also ein ziemlich unbrauchbares Flugzeug.

Nun muss das für das in Entwicklung befindliche Flugzeug nicht viel heißen, denn der Flight Simulator simuliert Flugzeuge ohnehin nicht wirklich im Sinne einer echten Simulation. Stattdessen sagt – vereinfach ausgedrückt – das Flugzeugmodell dem Simulator, wie es zu fliegen hat.

Wenn diese Abstürze in Austin Meyers X-Plane passieren würden, das mit der sogenannten Blade Theory arbeitet und damit gebaute Objekte und deren aerodynamischen Eigenschaften tatsächlich simuliert, müsste man sich hingegen Sorgen machen.

Der X-Plane-Simulator wird übrigens von Airbus sogar für die Entwicklung genutzt und auch Meyers hat X-Plane schon genutzt, um zuvor herauszufinden, ob ein Flugzeug theoretisch fliegen kann.

Vor ein paar Jahren hat er bei einer Entwicklung sogar mitgemacht. Beim ersten Testflug eines VTOLs von Beta Technologies bestätigten sich weitestgehend die theoretischen Simulationen in der Realität. Meyer stellte allerdings in Details Fehler in seiner Simulation fest und korrigierte diese, damit die Simulation den realen Ergebnissen bei Flugtaxis entsprechen kann.

Diesen Perfektionismus würde ich bei Microsoft auch gerne sehen.

Selbst auf der Konsole gibt es Probleme

Nebenbei habe ich den Flight Simulator auch auf der Xbox Series X getestet. Konsolenentwicklungen sind normalerweise sehr viel stabiler. Die Hardware ist bekannt und die Entwicklungs-Teams können eigentlich nichts falsch machen.

Aber selbst das bekommt Microsoft nicht hin. Fehler, die den Ladebildschirm hängen lassen, gibt es auch auf der Xbox. Das Spiel stürzt sogar komplett ab, etwas sehr Seltenes bei Konsolen. Microsoft hat einfach vergessen, die "Quick Resume"-Funktion korrekt zu implementieren. Die sorgt eigentlich dafür, dass man besonders schnell ins Spiel zurückkommt. Stürzt sie ab heißt es aber wieder: Zehn bis 30 Minuten warten.

Ganz schlimm wird es, wenn das Spiel nach dieser Wartezeit und einem fast vollen Ladebalken feststellt, dass noch ein Update notwendig ist. Das passierte mir. Dann muss das Update installiert werden und das Warten geht von vorne los. Das mit den Riesen-Updates hat sich aber immerhin etwas gebessert.

Mittlerweile liegen die Wartezeiten für den Spielstart bei grob zehn Minuten für den Karrieremodus. Allerdings muss man dafür tagsüber spielen. Nach Feierabend zeitnah eine Runde drehen gelang eigentlich nie.

Alles in allem ist der Flight Simulator eher ein Frust-Simulator. Wobei man Microsoft zugute halten muss: Der Frust fühlt sich wirklich echt an – und gar nicht simuliert.

Ein paar Monate müssen wohl noch vergehen

Microsofts neuer Simulator hat einen beeindruckenden Fehlstart hingelegt. Alles in Allem hat mir Microsoft die Lust auf den "Flight Simulator 2024" ordentlich verdorben.

Laut dem Spiel habe ich jetzt 12,5 Stunden in dem Simulator verbracht. Wenn es hochkommt, allerdings allenfalls zwei oder drei Stunden in einem Flugzeug. Den Rest der Zeit habe ich mit Warten verbracht. Immer und immer wieder.

Ärgerlich, denn das Geld für den Flight Simulator ist ausgegeben. Dabei hätte ich es besser wissen sollen, denn solche Spielchen sind bei Microsoft ja nicht besonderes.

Übrigens wurde Microsoft von vielen Journalisten vor dem Start darauf hingewiesen, dass es Probleme geben könnte. Microsoft hat das dem Vernehmen nach immer ausgeschlossen.

Software-Untersuchungsberichte nach Luftfahrtkriterien wären da vielleicht eine Idee, damit Wiederholungsfehler nicht wieder passieren.

Oder sollte ich vielleicht doch wieder auf X-Plane wechseln? Aber so schöne Grafik – sofern die Microsoft-Server sie liefern – gibt es dort nicht.

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