airliners.de Logo

Deutsche Lauda-Crews klagen auf Betriebsübergang zu Lauda Europe

Der gleiche Chef, das gleiche Gebäude - doch während Ryanair den Betriebsübergang ihres deutschen Flugbetriebs zu Malta Air anerkennt, soll das für Lauda Europe nicht gelten. Dagegen wehren sich die gekündigten Crews in Deutschland nun vor Gericht.

Lauda und Austrian Airlines liefern sich in Wien einen scharfen Wettbewerb. © dpa / Helmut Fohringer/APA

An den Arbeitsgerichten in Düsseldorf und Köln stehen derzeit dutzende Verhandlungstermine zu Kündigungsschutzklagen ehemaliger Flugbegleiter und Piloten österreichischen Ryanair-Tochter Laudamotion an. Dem gesamten in Deutschland stationierten Personal der im Herbst aufgelösten Airline wurde im September gekündigt.

Ryanair hat im vergangenen Jahr eine Reihe europäischer Flugbetriebe, so auch den deutschen, hin zur Tochter Malta Air verschoben, um Personalkosten zu senken. Hierfür erkennen die Iren einen Betriebsübergang an. Für die Verschiebung der Laudamotion zur ebenfalls auf Malta registrierten Lauda Europe jedoch nicht. Dabei haben beide Unternehmen auf Malta mit David O'Brien den gleichen Geschäftsführer und ihren Sitz im gleichen Gebäude.

Die Klagen zielen auf die Feststellung eines Betriebsübergangs der Laudamotion auf die Lauda Europe Ltd. Ein solcher würde die Kündigungen in Deutschland unwirksam machen. Dafür scheint es durchaus gute Argumente zu geben, folgt man den Erklärungen eines Lauda-Piloten gegenüber airliners.de.

So hätten die Piloten einen Monat vor der Kündigung ein Arbeitsangebot der Lauda Europe als Nachfolgerin von Lauda bekommen, das die meisten auch angenommen hätten. Kurzzeitig hatten sie damit zwei Arbeitgeber, bevor dann von beiden im September die Kündigung kam. Lauda Europe besteht jedoch weiterhin.

Flugzeuge und Geschäftsmodell bleiben

Das Geschäftsmodell beider Lauda-Flugbetriebe bestehe zudem seit dem vergangenen Sommer ausschließlich darin, Wet-Lease für die Ryanair-Group zu betreiben. In einem vergleichbaren Fall der Wet-Lease Plattform der insolventen Air Berlin für Eurowings, die in der Folge von LGW übernommen wurde, habe das Bundesarbeitsgericht vor einem Jahr einen Betriebsübergang festgestellt. So wie damals seien auch im Fall von Lauda nicht nur sämtliche Flugzeuge und Personal übernommen worden, sondern auch der Wet-Lease-Kunde, die Ryanair-Group, erinnern sich die gekündigten Crews, die zum Teil von der Vereinigung Cockpit vertreten werden, zum Teil von einer Anwaltskanzlei.

Hinzu kämen formale Fehler bei der Kündigung und Lauda habe es entgegen den Arbeitsverträgen versäumt, den Düsseldorfer Piloten offene Stellen an anderen Standorten anzubieten, so die Kläger. Für besonderen Unmut unter den Piloten habe auch die Tatsache gesorgt, dass während die Kündigungen ausgesprochen wurden, es gleichzeitig trotz Corona-Krise zu Neu-Einstellungen im Cockpit kam, die dann teilweise noch von den gekündigten älteren (und teureren) Kollegen in deren letzten Wochen eingewiesen werden mussten. Auch das spreche klar für einen Betriebsübergang.

Ryanair hat sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.

Die ehemalige Laudamotion unterhielt zuletzt mit Stuttgart und Düsseldorf zwei Basen in Deutschland, von denen aus zehn A320 betrieben wurden. Im Zuge der Corona-Krise degradierte Ryanair die Tochter im Juli zum reinen Wet-Lease-Anbieter, der eigene Lauda-Ticketverkauf wurde gestoppt. Nach langwierigen Verhandlungen über einen Krisenbeitrag der Beschäftigten kam es zu keiner Einigung in Stuttgart, sodass der Standort geschlossen wurde. Wer zu einem Gehaltsverzicht bereit war, sollte nach Düsseldorf wechseln können.

Doch das Versprechen hielt nicht lange. Mit der Begründung zu hoher Airport-Gebühren in Düsseldorf und dem bei Ryanair als Wettbewerbsverzerrung empfundenen, staatlichen Hilfspaket für Lufthansa kam im September auch das Aus für Düsseldorf, sämtliche Angestellte wurden nun auch hier entlassen.

Mit einer ähnlichen Klage wie die Ryanair-Group ist derzeit auch Lufthansa konfrontiert. Das Arbeitsgericht Frankfurt hat für den Juni und Juli vier Verhandlungstermine für die Klagen von insgesamt 120 Sunexpress-Deutschland-Mitarbeitern aus Kabine und Cockpit angesetzt. Auch dort soll es unter anderem um die Frage gehen, ob es sich bei der Schließung der Fluggesellschaft um einen verdeckten Betriebsübergang zur neuen Eurowings Discover handelt.

Den Klägern läge unter anderem eine Liste vor, die belege, dass "mehr als 100 Mitarbeiter von der Sunexpress Deutschland zu der neu gegründeten Ocean GmbH gewechselt sind." Auch sei man der Ansicht, dass wesentliche Betriebsteile der Sunexpress Deutschland auf die Ocean GmbH übertragen wurden, respektive im Lufthansa-Konzern geblieben seien.

Von: dk

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Lauda Lauda Air Fluggesellschaften Ryanair Recht Rahmenbedingungen Wirtschaft Personal Management