China frorscht an einem neuen Überschall-Businessjet. Der Überschall-Demonstrator TMS-10 befindet sich in der Endmontage und soll bis Ende des Jahres erstmals mit Überschallgeschwindigkeit fliegen. Das berichten verschiedene chinesische Medien.
Entwickelt wird das Fluggerät vom Tianmushan Laboratory, einem Forschungsinstitut in der Provinz Zhejiang, das mit Unterstützung der Beihang-Universität gegründet wurde.
Langfristiges Ziel ist der Bau eines Geschäftsreiseflugzeugs für den Überschallflug. Das Institut hat nach eigenen Angaben bereits die Gesamtauslegung eines Jets mit zehn bis 15 Sitzen abgeschlossen, der auf Geschäftsreisende und den gehobenen Tourismus zielt. Die Aerodynamik ist sowohl für einen Reiseflug mit Mach 2 als auch für Unterschallflüge mit Mach 0,95 ausgelegt. Laut dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV ließe sich die Flugzeit zwischen Peking und Shanghai damit von heute rund zwei Stunden auf 30 Minuten verkürzen.
Nach Angaben des Instituts gegenüber der Zeitung "Global Times" ist das Projekt bereits weit fortgeschritten. Derzeit werde ein Demonstrator endmontiert und seine Systeme integriert, bevor die Maschine einen Testflug unternehmen soll.
Das Institut erklärte, beim bevorstehenden Test gehe es darum, die Schallmauer zu durchbrechen und einen anhaltend stabilen Überschallflug zu erreichen. Der geplante Testflug diene unter anderem dazu den Überschallknall zu vermessen. Es müsse sich noch zeigen, ob die auf geringen Widerstand und schwachen Knall ausgelegte Aerodynamik funktioniere.
Zusätzlich würden die Flugsteuerung im transsonischen Bereich und das Zusammenspiel von Zelle und Antrieb geprüft. Ein früherer Demonstrator im Maßstab 1:18 war bei einem Niedriggeschwindigkeitstest im vergangenen Jahr nicht über Mach 0,2 hinausgekommen.
Canards und T-Leitwerk sollen den Knall dämpfen
Um den Überschallknall am Boden abzuschwächen, setzt das Team auf eine Dreiflächen-Konfiguration aus Canards am Bug, Tragflächen und T-Leitwerk. Nach Darstellung des Instituts verhindern die vorderen Canards, dass sich die Stoßwellen von Rumpfspitze und Tragflächen vereinen. Das T-Leitwerk verteile die Stoßwellen im Heckbereich und schwäche sie dadurch ab.
Wie der Überschallknall entsteht, vorhergesagt und beherrscht werden kann, zählt in China inzwischen offiziell zu den großen offenen Forschungsfragen der Luftfahrt. Die Liste wurde auf der diesjährigen China Aeronautical Science and Technology Conference in Wuxi in der Provinz Jiangsu vorgestellt.
China ist nicht die einzige nation, die an diesem Thema forscht. International arbeitet etwa die US-Raumfahrtbehörde NASA an dem Thema. Ihr Versuchsflugzeug X-59 hatte im Juni erstmals die Schallgeschwindigkeit überschritten und später Mach 1,4 in 55.000 Fuß Höhe erreicht.