Boeing hat die Kostenschätzung für die Übernahme von Spirit Aerosystems erneut nach oben korrigiert. Die von Spirit übernommenen Kundenverträge veranschlagt der Flugzeugbauer nun mit 1,52 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro). Das geht aus einer Pflichtmitteilung Boeings hervor, die laut einer Analyse des "Wall Street Journal" von Anfang September vorlag.
Das sind 455 Millionen US-Dollar mehr als noch Ende Dezember 2025 angenommen und ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber der Schätzung kurz nach Abschluss der Übernahme.
Boeing hat bislang nicht mitgeteilt, welche Kunden oder Flugzeugprogramme für den Anstieg um 455 Millionen US-Dollar verantwortlich sind. Der Flugzeugbauer bezeichnete die Einschätzung als vorläufig.
Spirit-Geschäft reicht über Boeing hinaus
Die zusätzlichen Kosten fallen an, während Boeing seine Auslieferungen steigert. Wie aus am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Portals "Aerotime" hervorgeht, lieferte Boeing bis Ende August 418 Flugzeuge aus, verglichen mit 385 im Vorjahreszeitraum. Allein im August sank die Zahl der Übergaben jedoch auf 51 von 53 im Juli, bei der Boeing 787 fiel sie von zehn auf vier.
Das Geschäft von Spirit Aerosystems reichte über die Zusammenarbeit mit Boeing hinaus. Bei der Aufspaltung des Zulieferers übernahm Airbus zum Abschluss der Transaktionen im Dezember 2025 die auf eigene Flugzeuge bezogenen Aktivitäten. Auch Northrop Grumman, Sikorsky, Bombardier und Rolls-Royce zählen weiterhin zu den Kunden der von Boeing übernommenen Sparten.
Der aktuelle Befund folgt auf eine frühere Warnung zu den Kosten der Spirit-Integration. Boeing-Finanzvorstand Jay Malave hatte Mitte März gesagt, höhere Kosten als erwartet verschöben die Rückkehr der Verkehrsflugzeugsparte in die Gewinnzone auf 2027, ein Jahr später als zuvor angenommen.
"Man bekommt erst nach Abschluss des Geschäfts Zugriff auf alle Informationen", sagte Malave laut dem Bericht des "Wall Street Journal" auf einer Investorenkonferenz von Bank of America. Er bezeichnete den finanziellen Effekt als kurzfristigen Gegenwind.
Spirit-Übernahme im Dezember 2025 abgeschlossen
Boeing hatte die Übernahme von Spirit Aerosystems am 8. Dezember 2025 im Umfang von rund 8,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Damit gingen die Fertigung der Rumpfsektionen für die Boeing 737 sowie große Strukturbauteile für die Boeing 767, 777 und 787 unter die Kontrolle des Flugzeugbauers. Rund 15.000 Beschäftigte wechselten im Zuge der Transaktion zu Boeing.
Boeing begründete den Kauf damals mit dem Ziel, Qualität und Produktionsstabilität durch eine einheitliche Führung von Hersteller und kritischem Zulieferer zu verbessern. Das Verteidigungsgeschäft von Spirit behielt eigenständige Strukturen und eine eigene Unternehmensführung, um seine Kunden weiter bedienen zu können.