Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat seine Vorausschau auf das Luftverkehrsangebot für die Monate September 2026 bis Februar 2027 vorgelegt. Demnach bieten Fluggesellschaften auf allen Flügen von, nach und in Deutschland in diesem Zeitraum insgesamt 117,6 Millionen Sitzplätze an.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verändert sich diese Zahl nicht, das Angebot verharrt bei 88 Prozent des Niveaus von 2019 und 2020, wie der BDL mitteilte. In den übrigen europäischen Ländern bauen die Airlines ihr Angebot dagegen weiter aus, um durchschnittlich fünf Prozent auf 115 Prozent von 2019.
Besonders groß sei der Rückstand bei den Punkt-zu-Punkt-Airlines wie Eurowings, Easyjet und Ryanair, hieß es. In den übrigen europäischen Ländern erreichen sie einen Marktanteil von 43 Prozent und liegen mit einer Erholungsrate von 141 Prozent deutlich über dem Niveau von 2019. In Deutschland kommen sie dagegen nur auf einen Marktanteil von 28 Prozent und eine Erholungsrate von 86 Prozent, ein Rückstand von 55 Prozentpunkten. Auch europäische Netzwerk-Airlines wie Lufthansa, Swiss oder Austrian bauen ihr Angebot in Deutschland ab. Es sinkt im Vorjahresvergleich um fünf Prozent, die Erholungsrate liegt bei 76 Prozent.
Der BDL macht dafür die Doppelbelastung aus hohen Kerosinpreisen und überdurchschnittlich hohen staatlichen Standortkosten in Deutschland verantwortlich.
Einzig die touristischen Airlines wie Condor, Discover Airlines und Tuifly übertreffen das Niveau von 2019 in Deutschland noch, mit einer Erholungsrate von 145 Prozent bei einem Marktanteil von lediglich 16 Prozent.
Deutlich rückläufig ist das Sitzplatzangebot zwischen Deutschland und dem Nahen Osten sowie Zentralasien, wozu laut BDL neben der Golfregion auch Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan zählen. Wegen des Kriegs in der Region verringern Fluggesellschaften ihre Kapazität dorthin im Vorjahresvergleich um neun Prozent.
Auch die für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtigen Routen nach Westeuropa, darunter die Beneluxstaaten, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Irland und Island, schrumpfen in den kommenden sechs Monaten um vier Prozent.
Innerdeutscher Verkehr bricht deutlich ein
Der innerdeutsche Verkehr schrumpft im Vorjahresvergleich um acht Prozent und erreicht nur noch 46 Prozent des Niveaus von 2019. Auf dezentralen Strecken, die weder Frankfurt noch München als Start oder Ziel betreffen, liegt die angebotene Kapazität laut BDL-Analyse nur noch bei 21 Prozent des einstigen Niveaus. Auf den Verbindungen zu den beiden Drehkreuzen sinkt das Angebot um neun Prozent, die Erholungsrate liegt bei 57 Prozent.
An den beiden großen Drehkreuzen Frankfurt und München erreicht das Angebot 88 beziehungsweise 83 Prozent des Niveaus von 2019, im Vorjahresvergleich sinkt die Kapazität an beiden Standorten leicht. Während das Angebot in Köln/Bonn um sieben Prozent wächst, stagniert die Entwicklung an den Flughäfen Berlin-Brandenburg, Hamburg und Düsseldorf. In Stuttgart sinkt die Kapazität gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent. Nach Angaben des BDL macht sich an diesen Standorten das fehlende Angebot der europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines ebenso bemerkbar wie der weggebrochene dezentrale innerdeutsche Verkehr und aktuelle Kapazitätsanpassungen aufgrund geopolitischer Entwicklungen. Die Konnektivität sei dadurch spürbar reduziert.
Deutlich anders sieht die Entwicklung an kleineren Regionalflughäfen aus. Standorte wie Dortmund, Hahn, Karlsruhe/Baden-Baden, Memmingen und Niederrhein/Weeze, an denen im Berichtszeitraum jeweils nicht mehr als 1,1 Millionen Sitzplätze angeboten werden, erreichen überdurchschnittlich hohe Werte im Vergleich zu 2019. Bei einigen Standorten hat sich das Angebot mehr als verdoppelt. Der BDL führt das auf zusätzliche Kapazitäten der europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines an Regionalflughäfen mit vergleichsweise geringeren Standortkosten zurück, vor allem im sogenannten VFR-Verkehr (Besuche bei Freunden und Verwandten) sowie bei Flügen zu touristischen Zielen.