Lufthansa denkt über Bestellung von Boeing 737 Max nach

27.03.2019 - 09:32 0 Kommentare

Lufthansa möchte eine dreistellige Zahl Kurzstrecken-Flugzeuge bestellen. Auch Boeings Krisen-Modell kommt infrage. Carsten Spohr vertraut der amerikanischen Sicherheitskultur nach wie vor, erwartet aber auch Veränderungen.

Flugzeuge der Lufthansa. - © © dpa - Sven Hoppe

Flugzeuge der Lufthansa. © dpa /Sven Hoppe

Die größte deutsche Fluggesellschaft könnte 737-Max-Kunde werden. Knapp 150 Airbus A319 und Bombardier CRJ fliegen bei den Konzern-Airlines der Lufthansa, viele davon sind schon recht betagt. Für sie braucht es mittelfristig Ersatz, wobei der Konzern laut seinem CEO Carsten Spohr im kommenden Jahr eine Entscheidung treffen will, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Lufthansa plane eine Großbestellung von rund 100 Mittelstreckenmaschinen. Neben der 737 Max und der A320 neo kommen dabei auch kleinere Modelle von Embraer und der Airbus A220 in Frage, sagte ein Unternehmenssprecher der dpa.

Auf die aktuellen Probleme der 737 Max angesprochen, zeigte sich Spohr gestern vor Journalisten in New York zuversichtlich, dass der amerikanische Flugzeugbauer die Probleme zügig in den Griff bekommt. "Wir haben unser Vertrauen in Boeing nicht verloren. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten hervorragende Flugzeuge gebaut und werden die Dinge wieder in Ordnung bringen."

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa erneuert Langstreckenflotte und bestellt Boeing 787

Weiter sagte Spohr, dass er sich gut vorstellen könne, dass Regulierungsbehörden in Europa und anderswo in Zukunft die Zertifizierung von Flugzeugen wie der kommenden Boeing 777X genauer kontrollieren.

Sein Vertrauen in den Zertifizierungsprozess scheint davon jedoch unberührt: "Ich denke die FAA, Boeing und das ganze Land werden nicht ruhen, bis sie wissen was wirklich passiert ist und ob es etwas zu verbessern gibt."

Experte vermutet wirtschaftliches Kalkül von Spohr

Der Analyst Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z sieht hinter Spohrs Vorstoß vor allem taktische Erwägungen: "Aus meiner Sicht ist solch ein öffentlich bekundetes Kaufinteresse von einer großen Airline in erster Linie dazu geeignet, den Wettbewerb zwischen Boeing und Airbus zu beleben. Man will sich nicht in die Abhängigkeit eines Herstellers begeben, sondern Flexibilität signalisieren, um bestmögliche Konditionen für die nächste Großbestellung zu erreichen. Gleichwohl ist die Airbuslastigkeit der Kurz- und Mittelstreckenflotte im Lufthansa-Konzern eklatant. Die großen Kostenvorteile, die sich aus einer solch homogenen Flotte ergeben, wird man meiner Meinung nach kaum aufgeben."

Für die Kernmarke Lufthansa Passage fliegen derzeit bereits über 180 Flugzeuge der A320-Familie, mehr als 200 weitere sind bei den anderen Airlines der Lufthansa-Group unterwegs. Dazu kommen noch fast 100 offene Bestellungen für A320neo-Jets. Die letzte Boeing 737 in Lufthansa-Farben wurde 2016 ausgeflottet.

Dass Fluggesellschaften für Kurz- und Mittelstrecken, trotz der angesprochenen höheren operativen Kosten, verschiedene Teilflotten betreiben, ist nicht ungewöhnlich. Gerade die großen Carrier in den USA und Fernost, aber auch die Lufthansa, nennen oftmals beide Erfolgsmodelle von Airbus und Boeing ihr Eigen.

Von: dk
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